Geldprämien, Gutscheine, Luxusreisen

Kunden rauchen mehr Zigaretten, weil sie von Händlern manipuliert werden - laut Studie

Eine junge Frau raucht eine Zigarette
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Durch geheime Apsprachen zwischen Tabakunternehmen und Händlern, werden Kunden beim Kauf von Zigaretten manipuliert (Symbolbild).
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Forscher haben herausgefunden, dass zwischen Tabakunternehmen und Einzelhändlern geheime Absprachen getroffen werden, um mehr Zigaretten an Kunden zu verkaufen.

Stuttgart - Laut Forschern der Niederlande sind Zigaretten noch ungesünder als bisher angenommen (BW24* berichtete). Dies bestätigt nur ein weiteres Mal, wie gefährlich das Rauchen ist. Auch die Zahlen des Bundesministeriums für Gesundheit zeigen: Jährlich sterben in Deutschland mehr als 127.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.

Forscher der University of North Carolina aus dem Bereich der Gesundheitsforschung haben nun erneut pikante Details zum Tabakkonsum herausgefunden. Dass die Zigaretten nicht zufällig auf Augenhöhe in den Supermärkten bei Kaufland und Co. stehen, dürfte bekannt sein. Doch damit die Produkte der Tabakunternehmen in hoher Frequenz über die Ladentheke gehen, treffen diese mit den Einzelhändlern geheime Absprachen, wie jetzt bekannt wurde.

Geldprämien, Gutscheine, Luxusreisen: Tabakunternehmen treffen Absprachen mit Einzelhändlern

Die Hersteller machen mit Einzelhändlern geheime Deals aus, damit sie mehr Zigaretten verkaufen. Für die bestmögliche Platzierung im Laden erhalten die Händler im Gegenzug der Studie der Universitiy of North Carolina zufolge Geldprämien, Gutscheine, Veranstaltungstickets, Luxusreisen oder andere Geschenke. Dabei wird häufig auch ein Vertrag abgeschlossen, der sie dazu verpflichtet, die vier Ps einzuhalten: Platzierung, Promotion, Preis und Produkt.

Kunden werden also durch die vier Ps manipuliert, häufiger Zigaretten zu kaufen. Weltweit gibt es diese geheimen Vereinbarungen. Die Forscher haben für ihre Überprüfung hunderte Studien über alle Kontinente gescannt, die zwischen 1991 und 2020 veröffentlicht wurden. Bei 27 Studien aus Ländern wie den USA, Kanada, Australien, dem Vereinigten Königreich, Südkorea, Indonesien und auch Neuseeland wurden die Forscher schließlich fündig.

Hälfte der untersuchten Einzelhändler lassen sich auf Deals mit Tabakindustrie ein

Den Studienautoren zu Folge ließ sich etwa die Hälfte der untersuchten Händler auf Absprachen und Verträge mit der Tabakindustrie ein und widersetzte sich so der Gesundheitspolitik des jeweiligen Landes. Da die Hälfte der 27 Studien allerdings vor 2010 veröffentlicht wurden, wird davon ausgegangen, dass sich die Situation mittlerweile durch entsprechende Gesetze verändert hat.

Die Discounterkette Lidl* mit Sitz in Baden-Württemberg* wirkte der bestmöglichen Platzierung von Tabakwaren entgegen und verbannte im vergangenen Jahr aus einigen Filialen im Ausland die Zigaretten*. Jedoch ist nicht nur die Beeinträchtigung der Gesundheit ein negativer Aspekt des Rauchens. Auch die Umweltverschmutzung wird oft kritisiert. Überall werden die Zigarettenstummel achtlos weggeworfen. Eine Initiative sammelt in Stuttgart weggeworfene Kippen und kam auf ein Bußgeld-Wert von 3,9 Millionen Euro*. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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