Gebunden im Regolith

Auf dem Mond gibt es Sauerstoff für 80 Milliarden Menschen

Juli 1971: Bei der Mission „Apollo 15“ betreten Dave Scott und James Irwin die Oberfläche nach einer ruppigen Landung. Zum ersten Mal kommt ein Mondauto zum Einsatz, das „Luna Roving Vehicle“.
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Sauerstoff auf dem Mond: Die ersten Astronauten auf dem Erdtrabanten wussten wohl noch nicht, auf welcher wertvollen Ressource sie da spazierten (Archivbild).
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Der Mond hat eine extrem dünne Atmosphäre. Trotzdem gibt es auf dem Erdtrabanten wohl genug Sauerstoff für die gesamte Menschheit - im Gestein.

Stuttgart - Der Mond ist am Nachthimmel über unseren Köpfen eine Selbstverständlichkeit. Immer wieder ist er als Supermond besonders hell und gut sichtbar. Der Erdtrabant ist aber nicht nur schön anzusehen. Er hat auch große Bedeutung für die Wissenschaft und beeinflusst sogar das Geschehen auf unserem Planeten.

Die NASA warnte schon vor Überflutungen, weil der Mond seinen Zyklus ändert. Darüber hinaus interessiert sich die Forschung aber auch wegen der dortigen Rohstoffe für den Erdtrabanten. Einer davon ist besonders existenziell für die Menschheit: Sauerstoff. Wie das Magazin t3n berichtet, ist das Element wohl massenhaft auf dem Mond vorhanden. Allerdings nicht in dessen hauchdünner Atmosphäre.

Sauerstoff auf dem Mond: Lebenswichtiges Element reicht dort für gesamte Menschheit

Es wäre für Neil Armstrong 1969 keine gute Idee gewesen, den Helm des Raumanzuges während seines Mondspaziergangs abzunehmen. Wie t3n schreibt, hat der Mond zwar eine Atmosphäre. Die ist aber hauchdünn und hält für den Menschen nicht viel Überlebenswichtiges bereit. Im Gegenteil: Wasserstoff, Neon und Argon sollten besser nicht in menschliche Lungen gelangen.

Darüber hinaus besteht der Mond im Grunde nur aus Gestein, dem sogenannten Regolith. Das hat der Mond aber mit unserem Planeten gemeinsam, nur dass auf der Erde das Material über Millionen von Jahren von Organismen umgewandelt wurde. Aufgrund der Parallelen weiß die Wissenschaft, dass der Regolith auf dem Mond aus Mineralien wie Kieselsäure, Aluminium, Eisen- und Magnesiumoxid zusammengesetzt ist - und all diese Verbindungen enthalten Sauerstoff.

Bodenforscher von der Southern-Cross-Universität in Australien haben berechnet, dass allein die oberen zehn Meter des Regoliths auf dem Mond ausreichen, um acht Milliarden Menschen 100.000 Jahre lang mit Sauerstoff zu versorgen. Nur leider hilft der Sauerstoff im Regolith der menschlichen Lunge beim Atmen nur wenig. Die Wissenschaft hat dafür aber eine Lösung.

Wissenschaftler wollen Sauerstoff auf dem Mond mithilfe von Elektrolyse verfügbar machen

Insgesamt wird geschätzt, dass der Regolith des Mondes zu etwa 45 Prozent aus Sauerstoff besteht. Der kann relativ simpel für den menschlichen Körper verfügbar gemacht werden: mit Elektrolyse. Dabei wird der Sauerstoff durch Stromzufuhr von den Mineralien getrennt. Allerdings benötigt das Verfahren viel Energie, die auf dem Mond beispielsweise durch die Sonne kommen könnte.

Die Forschungswelt hat ein regelrechtes Wettrennen darüber auserkoren, wer zuerst die Sauerstoffgewinnung auf dem Mond starten darf. Schon vergangenes Jahr enthüllte Airbus Pläne, um damit die Besiedlung des Mondes zu ermöglichen. Auch die europäische Raumfahrtbehörde ESA beherrscht das Verfahren zur Sauerstoffgewinnung aus Regolith. Laut t3n plant die US-Behörde NASA, einen Rover auf den Mond zu schicken, um Regolith zu sammeln. Selbst Privatunternehmen haben den Mond als lukratives Geschäftsfeld für sich entdeckt. Ein belgisches Start-up will Versuchsreaktoren zur Sauerstoffgewinnung bereits 2025 mit einer ESA-Mission zum Mond bringen.

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