Zentaur im Sonnensystem

Mysteriöses Flugobjekt bewegt sich durch unser Sonnensystem - es sendet Lichtsignale

Der Komet 17P/Holmes nach einer Eruption.
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Ein Komet im Sonnensystem stößt immer wieder extrem helle Energie-Eruptionen aus (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Ein mysteriöser Komet im Sonnensystem strahlt seit September immer wieder helles Licht aus. Astronomen sind ratlos.

Stuttgart - Unser Sonnensystem beherbergt noch immer unzählige Rätsel, die es von der Wissenschaft zu lösen gilt. Immer wieder werden etwa Kometen und Asteroiden entdeckt, Überreste der Entstehung des Sonnensystems, die durch die Galaxie wandern. Ein „Mega-Komet“ rast aktuell auf die Erde zu, er wurde nur zufällig entdeckt. Zudem steuert ein gigantischer Komet auf das Sonnensystem zu.

Ein besonders seltsamer Komet fasziniert die Astronomen und Wissenschaftler aktuell und stellt sie vor Rätsel. Wie das Portal space.com berichtet, stößt der Himmelskörper seit September immer wieder extrem helle Energie-Ausbrüche hervor. Da ein Komet eigentlich nur aus Gas, Stein oder Eis besteht, sorgt das helle Licht aus dem Inneren für Verwunderung.

Komet im Sonnensystem: Astronomen wollen Rätsel um Energie-Ausbrüche lösen

Der mysteriöse Komet 29P wurde erstmals im Jahr 1925 von deutschen Wissenschaftlern entdeckt. Friedrich Karl Arnold Schwassmann und Arthur Arno Wachmann von der Hamburger Sternwarte, die zur Universität Hamburg gehört, fotografierten den Himmelskörper im April des Jahres. Später wurde der Komet immer wieder auf Aufnahmen entdeckt. Mit einem Durchmesser von rund 60 Kilometern ist 29P einer der größten Kometen, die jemals entdeckt wurden. Laut space.com ist er zudem einer von wenigen Kometen, die zu den sogenannten Zentauren gehören, die sich auf der Umlaufbahn zwischen Saturn und Jupiter um die Sonne bewegen.

Durch die extrem hellen Energie-Ausbrüche ist der Komet 29P, auch nach seinen Entdeckern „Schwassmann-Wachmann 1“ bezeichnet, der zweit-aktivste Himmelskörper nach dem Jupiter-Mond Io in unserem Sonnensystem. Warum der Komet immer wieder das helle Licht ausstrahlt, ist jedoch bislang nicht bekannt. Das will ein Team aus internationalen Wissenschaftlern nun unter anderem mithilfe des bekannten Hubble-Teleskops ändern. Ein besonders kurioser Sachverhalt ist jedoch, dass beinahe alle Untersuchungen des Kometen 29P bislang nur von Amateur-Astronomen vorgenommen wurden.

Energie-Eruptionen von 29P sind nicht vorhersagbar

Dass die hellen Energie-Eruptionen so schwer zu untersuchen sind, hat laut einem Astronomen einen bestimmten Grund. „Man kann nicht vorhersagen, wann der Komet ausbricht“, erklärt Richard Miles, Hobby-Astronom und derzeitiger Kopf der Asteroids and Remote Planets Section der Astronomical Association gegenüber space.com. „Für professionelle Astronomen ist es schwierig, ihre Ausrüstung spontan zur Hand zu haben, um die Eruptionen zu untersuchen“, so Miles weiter. „Aber Hobby-Astronomen haben ihr Teleskop im Garten“. Deshalb arbeiten aktuell sowohl professionelle Astronomen als auch Hobby-Astronomen gemeinsam daran, das Rätsel um die hellen Energie-Eruptionen von 29P zu lösen.

Am 25. September dieses Jahres bot sich mehreren Wissenschaftlern eine ungewöhnliche und unverhoffte Möglichkeit. Der Komet 29P war nach einem Vollmond relativ nah am Mond, erschien jedoch äußerst matt und schwer zu erkennen. Fünf Astronomen aus Utah (USA), Schottland, Frankreich und Teneriffa (Spanien) sahen jedoch zufällig besonders genau hin. „Wir haben mehrere sequenzielle Erschütterungen beobachtet“, sagte Richard Miles. „Da waren vier offensichtliche und eine weitere am Ende. Nach wenigen Tagen war die Helligkeit des Kometen etwa 250 Mal so hell wie zu dem Zeitpunkt des Eruptions-Starts.“

Über den 29P ist wenig bekannt - Hubble-Teleskop soll weitere Details aufdecken

Eigentlich bestehen Kometen, wie auch Asteroiden, aus einer Mischung aus Eis, Gestein und Gas. Deshalb sind die hellen Energie-Eruptionen von 29P auch so ein großes Rätsel. Das bekannte Hubble-Teleskop soll nun weitere Details zu dem mysteriösen Himmelskörper liefern. „Hubble ist fähig, Objekte in der Größe von bis zu 100 Metern zu entdecken“, erklärt Richard Miles laut space.com. „Sollten Fragmente (des Kometen, die durch die Eruption abgestoßen wurden, Anm.d.Red.) ins All gelangt sein, kann das Hubble-Teleskop sie finden und ihre Bewegung nachvollziehen.“ Indem die Wissenschaftler diesen Fragmenten folgen, könnten sie einen völlig neuen Kometen entdecken.

Bislang ist über den mysteriösen Kometen 29P noch verhältnismäßig wenig bekannt, schreibt space.com. Forscher wissen beispielsweise auch nicht, warum die immer wieder auftretenden heftigen Energie-Eruptionen gerade jetzt stattfinden. Normalerweise wird die Aktivität von Kometen durch die Hitze der Sonne bestimmt. Je näher sie dem Stern kommen, desto mehr Eis der Kometenhülle schmilzt. Der Komet 29P scheint der Sonne aktuell jedoch überhaupt nicht näherzukommen. Hobby-Astronom Richard Miles vermutet, dass die sequenziellen Energie-Ausbrüche des Kometen durch einen geologischen Prozess ausgelöst wurde, der kürzlich im Kern des Himmelskörpers stattfand.

Bislang gibt es allerdings nur Theorien über den hellleuchtenden Kometen im Sonnensystem. Das Team aus Astronomen und Hobby-Astronomen will jedoch schon bald neue Details aufdecken.

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