Tierreich im Wandel

Größere Ohren, längerer Schnabel: Klimawandel verändert das Aussehen von Tieren

Ein junger Fennek in der Wilhelma Stuttgart.
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Der Wüstenfuchs Fennek hat sich in seinem natürlichen Lebensraum mit seinen großen Ohren bereits an seine warme Umgebung angepasst (Symbolbild).
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Um sich für die immer weiter ansteigenden Temperaturen auf unserem Planeten zu wappnen, passen sich viele Tiere über die Jahre hinweg an. Forscher beobachten, dass einige Arten größere Schnäbel, Beine oder Ohren bekommen haben.

Stuttgart - Über Schnäbel, Ohren oder andere Extremitäten können Tiere ihre Körperwärme regulieren. Der Wüstenfuchs Fennek hat sich zum Beispiel mit seinen großen Ohren an seinen natürlichen Lebensraum, die Wüste, angepasst. Einen Großteil seiner Körperwärme gibt er über die Ohren ab. Tiere aus kalten Regionen haben hingegen oft kleinere Gliedmaßen. Forscher beobachten nun: Mit dem fortschreitenden Klimawandel geht bei vielen Tierarten auch eine körperliche Veränderung einher.

Um sich für die zunehmend ansteigenden Temperaturen auf der Erde zu wappnen, bekommen viele Tiere größere oder längere Schnäbel, Beine und Ohren. „Wir stellen fest, dass es bereits weitverbreitete Belege für einen ‚Formwandel‘ bei endothermen Tieren in Reaktion auf den Klimawandel und die damit verknüpfte Erwärmung gibt“, berichten australische Wissenschaftler im Fachblatt „Trends in Ecology and Evolution“. Rund um den Globus haben die Forscher auffällige Veränderungen bei zahlreichen Tierarten festgestellt.

Klimawandel führt zu vergrößerten Extremitäten bei Tieren

So beobachteten die Forscher, dass sich die Schnäbel einiger australischer Papageienarten seit 1871 um vier bis zehn Prozent vergrößert haben. Auch bei Spitzmäusen, Fledermäusen und anderen Säugetieren hätten sich die Körperproportionen im Vergleich zu früher verändert, so die Studie. Einige Waldmauspopulationen hätten inzwischen größere Ohren. Maskenspitzmäuse, die in Nordamerika heimisch sind, hätten längere Beine und Schwänze. Die in Asien vorkommende Rundblattfledermaus hat dagegen ihre Flügellänge erhöht.

Bemerkenswert war laut der Forscher, dass „die aufgeführten Beispiele aus einer breiten Spanne geografischer Regionen stammen - von der Arktis bis zu den tropischen Gebieten Australiens.“ Dabei betonten sie, dass nicht allein der Klimawandel für die Veränderungen an den Tierkörpern verantwortlich sein muss. Auch indirekte Veränderungen der Luftfeuchtigkeit oder des Nahrungsangebots könnten eine Rolle spielen. Nichtsdestotrotz würden verschiedene Laborexperimente durchaus zeigen, dass erhöhte Temperaturen im Wandel der Zeit zu vergrößerten Extremitäten führen.

Forscher vermuten: „Könnten eines nicht so fernen Tages einen Dumbo im Tierreich erleben“

Da die Formveränderungen der Körperanhänge der Tiere oft über einen längeren Zeitraum erfolgen, sind sie laut der Wissenschaftler oft nicht sofort bemerkbar. Dennoch könnte man angesichts der aktuellen Entwicklungen und zunehmend extremer Wetter-Ereignisse „eines gar nicht so fernen Tages einen echten Dumbo im Tierreich erleben“, so die Forscher.

In der Wissenschaft nennt man den Zusammenhang zwischen der Größe von Körperanhängen von Tieren und ihrer Umgebung Allensche Regel. Diese besagt, dass bei gleichwarmen Tieren, die in kälteren Regionen leben, die Extremitäten, Ohren, Nasen und Schwänze kürzer sind als bei ihren nahen Verwandten in wärmeren Regionen. Laut Forschern neigen am ehesten Kleinsäuger und Meeresvögel dazu, dieser Regel zu folgen.

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