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Klimawandel: Forschende wollen mit Flugzeugen Pole wieder einfrieren

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Von: Nadja Austel

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Der Klimawandel treibt die Erderwärmung unaufhaltbar an. Eine Umkehr scheint kaum möglich, doch die Forschung tüftelt an Lösungen.

Geoenginieering lautet das Zauberwort, in dem die Wissenschaft nach Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel sucht. Umweltforscher nehmen ein mögliches – wenn auch unerwartetes – Hilfsmittel ins Visier: Ausgerechnet Flugzeuge, die „Kerosinschleudern“ und „Klimakiller“, könnten als effizientes Mittel dienen, um die Polkappen zu retten.

Die wissenschaftliche Zeitschrift Environmental Research Communications, die Forschungsergebnisse aus allen Bereichen der Umweltwissenschaften publiziert, veröffentlichte eine Studie, die sich mit dieser Idee auseinandersetzt. Der Umweltforscher und Yale-Dozent Wake Smith entwickelte mit seinen Kollegen ein entsprechendes Geoengineering-Projekt, bei dem Tankflugzeuge Aerosole in die Atmosphäre sprühen sollen.

Das Tempo des Klimawandels: In den letzten sieben Jahren erlebten wir die fünf wärmsten Jahre seit 1880

JahrErderwärmung im Vergleich zur Abweichung von der Durchschnitts-Temperatur (1901–2000)
20160,99 Grad Celsius
20200,97 Grad Celsius
20190,94 Grad Celsius
20150,93 Grad Celsius
20170,90 Grad Celsius

Quelle: NOAA National Centers for Environmental information

Klimawandel umkehren: Wie Flugzeuge zur Klima-Intervention werden

Smith forscht, schreibt und lehrt zu Klima-Interventionen, und befasst sich außerdem mit der Umsetzbarkeit – also auch mit der Finanzierung – von möglichen Geoengineering-Projekten. Einer seiner jüngsten Texte zeigt eine Reihe von zukünftigen Szenarien, in denen mithilfe von Geoengineering die Folgen des Klimawandels begrenzt werden könnten.

Die Ziele reichen von der Halbierung der künftigen Erderwärmung, über das Anhalten der Erwärmung bis hin zur Rückführung der Temperaturen auf das Niveau von 2020. Das Programm sieht drei aufeinanderfolgende Generationen von eigens zu diesem Zweck konstruierten Tankflugzeugen vor, die Aerosole in einer Höhe von circa 20 Kilometern in die Erdatmosphäre sprühen. 

Aerosole für die Pole – Klimawandel umkehren durch Injektionen in die Luft

Unter Aerosolen versteht die Wissenschaft, wie in der Corona-Pandemie immer wieder erläutert wurde, mikroskopisch kleine feste oder flüssige Teilchen („Schwebeteilchen“) bezeichnet, die durch ihr geringes Gewicht über einen längeren Zeitraum in einem Gas oder Gasgemisch, also zum Beispiel in der Luft, „schweben“.

Militärflugzeuge der Air Force
Flugzeuge könnten Aerosole an den Polkappen versprühen, um sie um mehrere Grad Celsius abzukühlen. (Symbolfoto) © dpa

Werden diese Aerosole in ausreichender Menge an relevanten Punkten der Erdatmosphäre versprüht, so würden sie die darunter liegende Fläche leicht verdunkeln, so Smith. Diese „Aerosol-Injektionen“ könnten etwa saisonal in den langen Tagen des Frühlings und Sommers durchgeführt werden.

Klimawandel: Geoengineering-Projekt zur Wiedereinfrierung der Pole ist kostengünstig

Laut der am Projekt mitwirkenden Forschenden haben bereits vorhandene militärische Tankflugzeuge jedoch nicht genügend Tankvolumen. Bereits eine Flotte von etwa 125 neu konstruierter Tankflugzeuge könnte laut Smith die Regionen von Nordpolarkreis und Südpolarkreis um zwei Grad Celsius pro Jahr abkühlen.

Die Gesamtkosten für den Rest des 21. Jahrhunderts und die jährlichen Kosten im Jahr 2100 hielten sich im Vergleich zu anderen Klimaschutzmaßnahmen nach Smith als nach wie vor kostengünstig. Mit etwa 18 Milliarden Dollar pro Jahr läge ein solches Geoengineering-Programm in einem finanziellen Rahmen, dass die internationale Staatengemeinschaft im Interesse des Umweltschutzes zu leisten imstande wäre. (Nadja Austel)

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