Durchbruch bei der Kernfusion

Fusionsreaktor erzeugt in 5 Sekunden genug Energie, um ein Haus einen Tag lang mit Strom zu versorgen

Der Reaktor „Joint European Torus“
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Der Fusionsreaktor „Joint European Torus“ (JET) ist der größte und kraftvollste sogenannte „Tokamak“ der Welt. Mit ihm führten Wissenschaftler eine Kernfusion durch, bei der in fünf Sekunden eine Energie von 59 Megajoule entstand.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Forscher erzeugten in einem Reaktor in fünf Sekunden so viel Energie, um ein Haus einen Tag lang mit Strom versorgen zu können - ein Meilenstein.

Stuttgart - Im Kampf gegen den Klimawandel suchen Wissenschaftler nach alternativen Energiequellen zu fossilen Brennstoffen. Forschern ist bereits vor einiger Zeit ein Durchbruch bei der Kernfusion gelungen, der Energieprobleme für immer lösen könnte. Einer Gruppe von britischen Physikern ist es im vergangenen Jahr gelungen, einen großen Schritt in Richtung dieses Ziels zu gehen. Mit ihrer Forschung brachen sie dabei sogar einen Rekord.

Energiegewinnung künftig über Fusionsenergie: Wichtiges Element lässt sich im Meerwasser finden

Die Wissenschaftler führten mithilfe eines Fusionsreaktors eine Kernfusion durch, bei der in nur fünf Sekunden eine rekordverdächtige Energie von 59 Megajoule entstand - damit könnte man einen Tag lang ein ganzes Haus versorgen. Hierfür verwendeten sie den „Joint European Torus“ (JET), der der größte und kraftvollste sogenannte „Tokamak“ der Welt ist. Das Gerät sieht aus wie ein riesiger Donut und erreicht in seinem Inneren eine Temperatur von 150 Millionen Grad Celsius - das ist mehr als das Innere der Sonne.

Für die Fusionsreaktion benötigt der JET Deuterium und Tritium. Deuterium ist ein stabiles Isotop von Wasserstoff und lässt sich reichlich im Meerwasser finden. Nach Schätzungen des US-Energieministeriums ist in einem von 5.000 Wasserstoffatomen im Meerwasser wahrscheinlich Deuterium enthalten. Tritium ist hingegen weniger vorhanden. Das radioaktive Isotop wird in Kernreaktoren hergestellt, indem Lithium energetischen Neutronen ausgesetzt wird.

Man sei auf dem richtigen Weg zu einer zukünftigen Welt der Fusionsenergie. „Die Energie, die man aus den Brennstoffen Deuterium und Tritium gewinnen kann, ist enorm“, sagte Tony Roulstone vom Department of Engineering der University of Cambridge. „Um beispielsweise den gesamten Strombedarf Großbritanniens für einen Tag zu decken, wären 0,5 Tonnen Deuterium erforderlich, das aus Meerwasser gewonnen werden könnte“, so Roulstone.

Fusionsreaktion eine Option im Kampf gegen den Klimawandel

Bis die Kernfusion ihren wichtigen Teil zur sauberen Energie beitragen kann, ist es noch ein langer Weg. Dennoch ist es eine gute Möglichkeit. „Es ist klar, dass wir erhebliche Änderungen vornehmen müssen, um die Auswirkungen des Klimawandels anzugehen und die Kernfusion bietet so viel Potenzial“, sagte Ian Chapman, CEO von UK Atomic Energy Authority. „Unsere Welt braucht Fusionsenergie.“

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 4. April 2022. Da er für unsere Leser noch immer eine Relevanz hat, hat die Redaktion ihn aktualisiert.

Während die Wissenschaft sich auf die Forschung von Fusionsenergie konzentriert, gibt es auch viele Stimmen, die die Rückkehr von Atomkraftwerken und Kernspaltung fordern. Unter anderem forderte Elon Musk, stillgelegte Atomkraftwerke wieder hochzufahren. Für ihn sei „Kernkraft für die globale Erwärmung weitaus besser, als die Verbrennung von Kohlenwasserstoffen zur Energiegewinnung“. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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