Am Boden und in der Luft

Diese 6 Insekten sind gefährlich und sogar tödlich - sie leben in Baden-Württemberg

Zu sehen ist ein schwarzer Ölkäfer, der auf einer gelben Löwenzahnblüte sitzt (Symbolbild).
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Um den Schwarzblauen Ölkäfer sollte man einen großen Bogen machen.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Giftige oder tödliche Insekten vermutet man eigentlich nicht im Südwesten. Doch sie sind gar nicht so selten. Wir zeigen, welchen gefährlichen Flug- und Krabbeltieren ihr in Baden-Württemberg begegnen könnt.

Stuttgart - Sie sind klein und unscheinbar - doch das macht sie nicht weniger gefährlich: Insekten, die für Menschen tödlich sein können, bewegen sich auch im Südwesten. BW24 zeigt, welche gefährlichen Tierchen in Baden-Württemberg leben.

Eichenprozessionsspinner: Bei Kontakt mit seinen Raupen droht Menschen schwere Immunreaktion

Gefährliche Härchen: So sehen die Raupen des Eichenprozessionsspinners aus.

Wer gerne in Parks und Wäldern mit vielen Eichen spazieren geht oder joggt, sollte in diesen Gebieten ab Mai besser vorsichtig sein. Denn dann beginnt die Zeit des Eichenprozessionsspinners. Gefürchtet wird der unauffällig braun-graue Nachtfalter vor allem wegen seiner Raupen. Diese häuten sich bis zu sechs Mal, bis sie ein Falter werden. Ab ihrem dritten Larvenstadium bilden sich für den Menschen giftige Brennhaare - je nach Wetter kann das bereits ab Ende April geschehen.

Anfänglich sind die Larven des Eichenprozessionsspinners braun-gelblich, in späteren Stadien haben sie einen breiten, dunklen Streifen auf dem Rücken. Wenn Menschen mit den Larven in Kontakt kommen, können sie eine Immunreaktion bekommen - in der Regel mit Juckreiz, Hautentzündungen und vereinzelt Nesselsucht. Vor allem, wenn die Brennhaare in die Augen oder Atemwege kommen, sind stärkere Reaktionen wahrscheinlich.

Asiatische Tigermücke: Blutsauger treibt sein Unwesen im Ländle

Plagegeister: Dieses Jahr gibt es in Deutschland besonders viele Mücken. Unter anderem auch die Asiatische Tigermücke.

Schon 2014 warnte Bill Gates vor dem „tödlichsten Tier der Welt“. Damit meinte er die Asiatische Tigermücke. Begünstigt durch den Klimawandel, macht es sich die gestreifte Mückenart aus den Tropen nun auch in unseren Gefilden gemütlich. Als Überträger von Krankheitserregern, etwa des Dengue-, Zika- oder Chikungunya-Virus, kann der Blutsauger für den Menschen schnell zur Gefahr werden. Im Südwesten kommt es immer wieder zu Sichtungen der Tigermücke. Erst kürzlich wurde das tödliche Tier in Heilbronn gesichtet. Auch in Stuttgart kam es zu Sichtungen.

Schwarzblauer Ölkäfer: Insekt des Jahres 2020 und ganz schön giftig

Der schwarzblaue Ölkäfer sollte nicht angefasst werden. Sein Gift kann schlimme Folgen für Menschen haben.

Der Schwarzblaue Ölkäfer hat es in sich. Das signalisiert das Tier bereits durch seine auffällige Körperfarbe. Er gehört zu den zehn giftigsten Tieren in Deutschland und wurde auch in Baden-Württemberg schon häufig gesichtet. Allerdings müssten Menschen das Insekt erst verzehren, um an seinem Gift zu sterben. Wer ihm begegnet, sollte einen Bogen um ihn machen und ihn nicht wütend machen. Dann nämlich versprüht er sein gelbes Wehrsekret, das Nervengift Cantharidin. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wurde der Schwarzblaue Ölkäfer zum Insekt des Jahres 2020 gewählt.

Pharaoameisen: Populationen von bis zu 300.000 Tierchen

Die Pharaoameise ist bernsteinfarben mit schwarzem Hinterende und misst 2 bis 2,5 Millimeter.

Die Pharaoameise stammt ursprünglich aus dem indischen Raum. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts mit Handelsgütern nach Europa verschleppt und ist heute weltweit verbreitet. Auch im Südwesten wurden die Schädlinge bereits mehrfach gesichtet. Die Allesfresser bevorzugen Gebäude mit gleichbleibend hoher Temperatur und können Populationen bilden, die aus über 300.000 Einzeltieren bestehen. Gerne nisten sie sich zum Beispiel in Großküchen oder Krankenhäusern ein - auch von der Wärme elektronischer Geräte werden sie angezogen. Mit ihrem Speichel können die Pharaoameisen verschiedene Infektionskrankheiten an Menschen übertragen, wenn sie mit Wunden in Berührung kommen.

Raubwanzen: Gefahr geht von ihrem Kot aus

Die Triatominae sind eine Unterfamilie in der Familie der Raubwanzen. Sie können die Chagas-Krankheit übertragen, wenn sie selbst infiziert sind.

Zur Familie der Raubwanzen gehören fast 7.000 unterschiedliche Arten. Die meisten davon sind in den tropischen Gebieten der Erde beheimatet. Wir in Mitteleuropa haben es mit ungefähr 20 verschiedenen Arten zu tun - darunter zum Beispiel die Kotwanze oder die Mückenwanze. Raubwanzen übertragen die gefährliche Chagas-Krankheit. Nach ihrem Stich hinterlassen sie Kot auf der Haut. Sobald die Bissstelle aufgekratzt wird, gelangt der Erreger in den Blutkreislauf. Symptome der Chagas-Krankheit bleiben oft unbemerkt. Erst nach Monaten hat man Fieber, Durchfall, Bauch- und Kopfschmerzen, große Lymphknoten, Ödeme oder Luftnot. Unbehandelt kann die Krankheit zum Tod führen.

Raubwanzen in Deutschland sind 3,5 bis 19 Millimeter groß und haben einen kräftigen, nach vorne gekrümmten Rüssel, elliptisch-ovale bis länglich-schlanke Körper sowie unterschiedliche Färbungen von rot-orange mit schwarzen Flecken bis grau-braun-beige. Raub- oder Kotwanzen treten hauptsächlich in der Nähe von Latrinen, auf Dachböden oder in Vorratsschuppen auf. Ihren Namen tragen die Raubwanzen übrigens, weil sie ständig auf der Jagd nach anderen Insekten sind - von Spinnmilben bis zu Spinnen. In Deutschland werden die Raubwanzen daher als Nutztiere gesehen, die Schädlinge beseitigen.

Bettwanzen: Nachtaktive Blutsauger breiten sich wieder in Deutschland aus

Bettwanzen sind nachtaktiv und Meister im Verstecken, aber Bettwanzenspürhunde entdecken die Insekten.

Bettwanzen sind entfernte Verwandte der Raubwanzen. Genau wie die Raubwanzen können auch Bettwanzen den Erreger der Chagas-Krankheit übertragen. In den vergangenen Jahren galten Bettwanzen in Deutschland nahezu als ausgerottet, doch die kleinen Blutsauger breiten sich mittlerweile auch hierzulande wieder aus. Als Hauptursache gelten der Tourismus und Handel sowie die zunehmende Resistenz der Tiere gegen chemische Insektizide. Stiche von Bettwanzen sorgen nicht nur für einen extremen Juckreiz. Auch eine Hepatitis-B-Infektion wird in ihrem Zusammenhang nicht ausgeschlossen.

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