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Wie heiß ist zu heiß? Ab dieser Temperatur wird es laut Experten gefährlich

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Von: Franziska Vystrcil

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Soldat steht bei Hitze vor dem Buckingham Palace, ein Mann gibt ihm aus einer Wasserflasche zu trinken
Hitze kann für den menschlichen Körper zur Belastungsprobe werden. Forscher haben herausgefunden, ab wann es zu heiß für uns wird. © Matt Dunham/dpa

Hitzewellen mit Temperaturen über 35 Grad gibt es in Deutschland immer öfter. Doch wie viel hält unser Körper eigentlich aus?

Pennsylvania (USA) - Was derzeit beim Wetter in Deutschland und Europa passiert, bricht alle Rekorde. Hitzewellen mit Temperaturen bis zu 45 Grad, extreme Trockenheit, kaum noch Regen. Teile Europas erleben das extremste Wetter seit 1.200 Jahren. Portugal, Spanien, Italien und Frankreich trocknen wortwörtlich aus. Flüsse führen kaum noch Wasser, der Grundwasserspiegel ist extrem niedrig. Hinzu kommen täglich neue Waldbrände.

Solche Sommer werden uns aufgrund des Klimawandels in Zukunft noch häufiger bevorstehen. Das macht nicht nur der Natur, sondern auch unserem Körper zu schaffen. Doch ab wann ist heiß zu heiß? Experten haben bei einem Experiment herausgefunden, dass es dabei gar nicht um die Lufttemperatur geht - sondern vor allem um die Luftfeuchtigkeit. Denn kommt diese zur Hitze dazu, kann es für den Menschen gefährlich werden.

Laborversuche liefern beunruhigendes Ergebnis: Schwellwert niedriger als bisher angenommen

Hitzewellen gibt es immer häufiger - und heftiger. Das geht auch an uns Menschen nicht spurlos vorbei. Steigen die Temperaturen, sind auch die Gefahren für unsere Gesundheit größer. Vor allem auf die Symptome von Sonnenstich und Hitzschlag sollte man richtig reagieren. Doch ab wie viel Grad wird es selbst für junge, gesunde Erwachsene zu heiß? Wie Spektrum.de berichtet, kommt es dabei gar nicht auf die Temperatur selbst an, sondern auf deren Zusammenspiel mit Luftfeuchtigkeit.

Die sogenannte Feuchtkugeltemperatur ist hierbei ausschlaggebend. Diese ist die tiefste Temperatur, die sich durch Verdunstungskühlung erreichen lässt. Ist die Feuchtkugeltemperatur zu hoch, kann unser Körper keine Wärme mehr in die Umgebung abgeben und es kommt zu einer lebensbedrohlichen Überhitzung. Hieran sieht man einmal mehr, dass Schwitzen einen Zweck, nämlich den der Temperaturregelung erfüllt. Jedoch kann man auch zu stark schwitzen: Einfache Tipps helfen gegen starkes Schwitzen im Sommer.

Bereits 2010 gab es eine Studie dazu, welchen Grad an Feuchtkugeltemperatur der menschliche Körper aushält. Durch die Studie ging man bislang davon aus, dass eine Feuchtkugeltemperatur von 35 Grad die obere Grenze ist, über die hinaus der menschliche Körper nicht mehr in der Lage ist, sich mit Schwitzen zu kühlen. Nun haben neueste Laborversuche allerdings ein anderes Ergebnis gebracht.

Forschungsergebnisse geben Anlass zur Sorge - Hitzewellen schon jetzt eine Gefahr

Für die Untersuchungen wurden junge, gesunde Männer und Frauen in das Noll-Labor der Penn State University gebracht. Dort wurden sie in einer kontrollierten Umgebung einer Hitzebelastung ausgesetzt. Während der gesamten Zeit des Experiments wurden die Körpertemperaturen der Versuchsteilnehmer überwacht. In einer Klimakammer sollten sich die Teilnehmer nur so viel bewegen, wie es im Alltag üblich wäre, etwa bei Aktivitäten wie Kochen oder Essen. Unterdessen erhöhten die Forscher langsam entweder die Temperatur in der Kammer oder die Luftfeuchtigkeit und beobachteten, wann die Kerntemperaturen der Versuchspersonen stiegen.

Der Moment des Anstiegs wird als „kritische Umgebungsgrenze“ bezeichnet. Unterhalb dieser Grenze kann der menschliche Körper seine Kerntemperatur über einen längeren Zeitraum stabil halten. Wird die Grenze überschritten, gelingt dies dem Körper nicht mehr, die Kerntemperatur steigt kontinuierlich an, der Körper droht zu überhitzen. Die Folgen einer Überhitzung können lebensbedrohlich werden: Das Herz pumpt schneller und stärker, um die Haut zu durchbluten, damit diese wiederum die Wärme ableiten kann. Durch Schwitzen verringert sich auch noch die Körperflüssigkeit.

Lebensbedrohliche Hitzeschäden können den Untersuchungen zufolge nicht erst bei einer Feuchtkugeltemperatur von 35 Grad, sondern bereits bei einem Wert von 31 Grad erreicht werden, erklären die Wissenschaftler. Dieses Ergebnis gebe noch mehr Anlass zur Sorge, so Spektrum weiter. „Die derzeitigen Hitzewellen rund um den Globus nähern sich diesen Grenzwerten, wenn sie sie nicht sogar mancherorts bereits überschreiten“, schreiben die Forscher in ihrem Bericht.

Extreme Feuchtkugeltemperaturen wurden dieses Jahr bereits während der Hitzewellen in Südasien im Mai und Juni gemessen. In Jacobabad in Pakistan wurde eine maximale Feuchtkugeltemperatur von 33,6 Grad erreicht, in Delhi wurde diese sogar mit 33,7 Grad noch übertroffen. 

Immer stärkere Hitzewellen: Vor allem ältere Menschen sind in Gefahr

Selbst wenn viele Maßnahmen helfen, die Wohnung kühl zu halten - der Hitze kann man nicht immer entkommen. Vor allem für ältere Menschen kann die Hitze zunehmend zur Gefahr werden. Im Alter hat man eine geringere Hitzetoleranz als in jungen Jahren. Wer dann noch unter gesundheitlichen Beschwerden wie Herzkrankheiten, Atemwegsbeschwerden oder ähnlichem leidet, erhöht sich das Gesundheitsrisiko zusätzlich, so die Wissenschaftsseite. Das zeigen auch die Zahlen: Etwa 80 bis 90 Prozent der Opfer von Hitzeperioden sind Menschen in einem Alter von über 65 Jahren.

Unter anderem können Autos im Sommer zur Hitzefalle werden. Gegen die Sommertemperaturen im Auto lässt sich glücklicherweise etwas tun. Anders ist das bei der globalen Erwärmung. „Insgesamt verdichten sich die Hinweise darauf, dass der Klimawandel nicht nur ein Problem der Zukunft ist. Es ist eine Gefahr, mit der die Menschheit bereits heute konfrontiert ist und die sie direkt angehen muss“, fordern die Wissenschaftler.

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