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Viele Eltern machen Fehler, der Kindern die wichtigste Erfahrung ihrer Kindheit nimmt

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Von: Nadja Pohr

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Eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn auf einem Bett.
Bei der Erziehung von Kindern wollen viele Eltern möglichst wenig falsch machen. Ein Hirnforscher verriet nun, was man keinesfalls machen sollte (Symbolbild). © NomadSoul/IMAGO

Ein Hirnforscher warnt davor, dass die Entdeckerfreude von Kindern leiden könnte, wenn Eltern zu stark in deren Entwicklung eingreifen.

Stuttgart - Bei der Erziehung von Kindern wollen viele Eltern möglichst wenig falsch machen. Oftmals haben sie schon vor der Geburt des Kindes eine genaue Vorstellung davon, wie sie die Kleinen ans Leben heranführen möchten. Einige durchforsten im Vorfeld sogar etliche Ratgeber, um keine Fehler zu machen. So rät eine Pädagogin beispielsweise, dass Eltern ihre Babys vor dem Wickeln um Erlaubnis fragen sollten*.

Dennoch hat fast jede Erziehungsform ihre Tücken. Eltern, die sich für eine lockere Erziehung entscheiden, liegen damit laut Angaben eines renommierten Pädagogen aber ziemlich daneben. Wer seinen Sprösslingen zu viel abnehme und ihnen alles leicht mache, schade ihnen sogar. Eltern würden ihre Kinder dadurch zu „aufgeweichten Jammergestalten“ erziehen*. Im Gegenzug sei es aber auch nicht gut, wenn man von seinen Kindern zu viel verlange und sie zu früh fördere, wie ein Hirnforscher aufdeckt.

Eltern rauben ihren Kindern durch zu starke Eingriffe wichtige Erfahrungen

Der Hirnforscher Gerald Hüther warnt davor, dass Eltern, die ihren Kindern genau vorgeben, was sie tun sollen, wie sie zu spielen haben und was sie wissen müssen, eine der wichtigsten Erfahrungen ihrer Kindheit raubten. Laut Hüther machen die Erziehungsberechtigten dadurch das Kind von einem Subjekt zu einem Objekt der eigenen Bemühungen. „Kinder haben eine angeborene Entdeckerfreude - bis irgendwann jemand kommt und ihnen sagt, was sie jetzt machen sollen“, erklärt der Hirnforscher im Gespräch mit Focus Online.

Indem man die Kinder belehrt, bewertet und ein bestimmtes Verhalten von ihnen verlangt, um sie zu formen, engt man die Kleinen in ihrer Vorstellungskraft und Entwicklung ein. So schränke man den offenen Blick auf die Welt bereits im Kleinkindalter ein und nehme den Kindern die Möglichkeit, viele Aspekte und auch ihre eigene Persönlichkeit überhaupt erst kennenzulernen. Der Experte rät daher, den Kindern mehr Zeit für das freie Spiel einzuräumen.

Kinder-Experiment belegt: Eltern sollten sich nicht zu stark einmischen

Ein Experiment mehrerer Wissenschaftler renommierter Universitäten im Jahr 2011 belegt die Aussagen des Hirnforschers Gerald Hüther. Die Forscher untersuchten gemeinsam, wie sich das Eingreifen durch Erwachsene auf das Spielverhalten der Kinder auswirkt. Dabei teilten sie Kinder in zwei Gruppen ein. Währen die einen sich alleine mit einem Spielzeug aus verschiedenen Teilen und Funktionen auseinandersetzen sollten, wurde es den anderen Kindern von Erwachsenen erklärt. Das Ergebnis: Die Kinder, denen das Spielzeug erklärt wurde, machten nur, das, was die Erwachsenen ihnen zeigten. Die Gruppe, die es alleine erforschte, nutze jede Funktion des Spielzeugs.

Eltern, die stark in das Leben ihrer Kinder eingreifen, tun dies natürlich nicht aus böser Absicht. Vielmehr liegt dahinter sogar eine Angst, die sich in den letzten Jahrzehnten verstärkt hat. Sie fürchten, dass ihre Sprösslinge den Anschluss an die globalisierte Bildungsgesellschaft verlieren könnten. Dabei ist es viel wichtiger, dass sie die Welt alleine entdecken und durch die Eltern nur begleitet werden. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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