Mit der Kraft von 24 Wasserstoffbomben

Asteroid fliegt auf Erde zu - Forscher aus China entwickeln Technik, um ihn aufzuhalten

Die künstlerische Darstellung zeigt einen erdnahen Asteroiden, der an der Erde vorbei fliegt.
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Ein gefährlich großer Asteroid nähert sich der Erde (Illustration).
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Der Asteroid „Bennu“ gilt als große Gefahr für die Erde. Forscher aus China haben nun eine spektakuläre Technologie entwickelt, um die Bedrohung aufzuhalten.

Stuttgart - Lichtjahre von der Erde entfernt fliegt ein Asteroid durch das All, der unserem Planeten in ferner Zukunft extrem gefährlich werden könnte. In knapp hundert Jahren, am 25. September 2135, kommt der „Bennu“ getaufte Asteroid der Erde fünfmal näher als der Mond. Zuletzt näherte sich der schnellste Asteroid aller Zeiten der Erde. Allerdings war ein Aufprall ausgeschlossen worden. Die Wahrscheinlichkeit, dass „Bennu“ einschlägt, liegt hingegen aktuellen Berechnungen zufolge bei 1 zu 2.700. Ein potenzieller Aufprall wäre verheerend.

Denn Bennu hat einen Durchmesser von rund 500 Metern. Beim Eintreffen auf der Erdoberfläche würde der Asteroid 1.200 Megatonnen an Energie freisetzen, wie das Wissenschaftsportal iflscience.com berichtet. Das entspricht der Explosionskraft von insgesamt 24 Wasserstoffbomben. Zum Vergleich: Eine Wasserstoffbombe allein würde ganz Paris und die umliegende Region auslöschen.

Asteroid „Bennu“ soll mit Flugkörpern abgeschossen werden

Um das nicht unwahrscheinliche Horror-Szenario eines Einschlags zu verhindern, haben chinesische Wissenschaftler eine Technologie entwickelt. Das System, welches im Wissenschaftsjournal Icarus vorgestellt wurde, nennt sich „Assembled Kinetic Impactor“. Der „zusammengesetzte kinetische Stoßkörper“ wäre nach Vorstellung der Wissenschaftler ein Flugkörper, der ins All geschossen würde, um mit dem Asteroiden zu kollidieren. Durch den starken Aufprall würde „Bennu“ letztlich dazu gebracht werden, seine Flugbahn zu ändern und an der Erde vorbeizurauschen.

Amerikanische Wissenschaftler hatten bereits 2018 eine ähnliche Idee vorgestellt. Das Projekt trägt den Namen „HAMMER“. Dabei soll, wie der Name sagt, auch mit dieser Technologie der Asteroid gerammt werden, damit dieser seine Richtung ändert. Ein Flugkörper allein würde dafür allerdings nicht ausreichen; abhängig ist die Wirksamkeit auch von der Zeit, die zur Verfügung steht. Auch das Fraunhofer EMI in Freiburg forscht in seinen Laboren zu dieser Technik.

Wuchtiger Bursche: Asteroid „Bennu“ ist höher als das Empire State Building in New York. Der US-Flugkörper, der ihn ablenken soll, erscheint mit neun Metern Länge winzig.

Das erste Mal müsste „Bennu“ mit einem HAMMER-Flugkörper 25 Jahre vor seiner unmittelbarsten Annäherung an die Erde getroffen werden. Dann würden, über die Jahre verteilt, elf weitere Treffer ausreichen, um den Gesteinskoloss umzulenken, so die Wissenschaftler. Hätte man dagegen nur zehn Jahre vor dem möglichen Aufprall Zeit, müsste der Asteroid zwischen 34 und 53 Mal getroffen werden.

Asteroid „Bennu“: 23 Treffer des chinesischen Flugkörpers wären nötig, um Flugbahn zu ändern

Ein Unterschied der chinesischen Konstruktion ist, dass der Flugkörper den Antrieb nach dem Eintritt ins All behält - und so beim Aufprall mit dem Asteroiden mehr Kraft entwickeln kann - daher auch das „zusammensetzt“ im Namen. In zehn Jahren wären so nur 23 erfolgreiche Treffer nötig, um „Bennu“ umzulenken. Sein möglicher Einschlag liegt zwar in ferner Zukunft. Dennoch bedrohen auch andere große Flugkörper, die in den Weiten des Alls umherfliegen, die Erde. Die Technologie könnte auch bei anderen Asteroiden eingesetzt werden, um den Planeten zu schützen.

Teile von Asteroiden geraten übrigens immer wieder in die Erdatmosphäre. Nur sind sie völlig ungefährlich. Im Volksmund werden sie Sternschnuppen genannt und sind verhältnismäßig so klein, dass sie beim Eintritt in die Atmosphäre nach gewisser Zeit verglühen. Am Nachthimmel gibt das den bekannten schweifenden Effekt - ein seltenes Phänomen, das auch in Deutschland beobachtet werden kann.

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