Beunruhigende Prognose

Forscher sehen Anzeichen für Massensterben auf der Erde - wie vor 252 Millionen Jahren

  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Immer mehr Tierarten sind vom Aussterben bedroht. Doch es könnte bald noch extremer kommen. Forscher warnen, dass der Erde ein Massensterben bevorsteht.

Stuttgart/Canberra - Die sogenannte „Rote Liste“ mit bedrohten Tieren und Pflanzen wächst mit jedem Jahr weiter. Experten schätzen, dass jeden Tag rund 150 Pflanzen- und Tierarten von unserem Planeten unwiderruflich verschwinden. Zwar ist das Aussterben von Gattungen ein natürlicher Prozess, doch durch den Menschen wird er rasant beschleunigt. Vielerorts helfen Schutzprogramme, die Tiere und Pflanzen zu retten. In Baden-Württemberg beispielsweise kehren ausgerottete Arten wie Luchs, Wolf und Schakal zurück.

Das Aussterben der Tiere und Pflanzen wird auch durch den Klimawandel vorangetrieben. Manche Arten schaffen es, sich an die steigenden Temperaturen anzupassen. Australische Wissenschaftler haben etwa herausgefunden, dass der Klimawandel das Aussehen von Tieren verändert. Sie bekommen größere Ohren oder etwa längere Schnäbel, um besser mit den neuen Umweltbedingungen klarzukommen. Viele Arten schaffen diese Anpassung jedoch nicht. Wissenschaftler warnen nun vor einem drohenden Massensterben auf der Erde.

Algen führen zu lebensfeindlichen Bedingungen - Massensterben als Folge

Wie iflscience.com berichtet, haben australische Wissenschaftler eine beunruhigende Prognose gemacht. In der Fachzeitschrift „Nature“ warnen sie vor einem Massensterben ausgelöst durch den Klimawandel. Es wäre nicht das erste Massensterben, sondern das sechste der Erdgeschichte. Das größte Aussterbeereignis fand vor etwa 252 Millionen Jahren statt und ist unter dem Namen „End-Permian Event“ (EPE) oder „Großes Sterben“ bekannt. Ausgelöst wurde die Katastrophe durch einen dramatischen Anstieg der vulkanischen Aktivität sowie des Kohlendioxidgehalts und der globalen Temperaturen. Das EPE hat rund 90 Prozent aller Arten auf dem Planeten ausgelöscht.

Auf dieses Ereignis stützte sich auch die aktuelle Studie. Um zu untersuchen, wie sich diese apokalyptische Episode auf die Süßwasser-Ökosysteme auswirkte, analysierten die Forscher die Fossilien-, Sediment- und chemischen Aufzeichnungen in den Felsen rund um das Sydney-Becken in Australien. Dabei stellten sie einen massiven Anstieg mikroskopisch kleiner Algen und Cyanobakterien kurz nach der EPE fest. Deren Blütezeit dauerte unglaubliche 100.000 Jahre.

Unter normalen Umständen tragen solche Mikroben zum Gedeihen von Ökosystemen im Wasser bei, indem sie das Wasser mit Sauerstoff anreichern. Wenn die Algenblüten jedoch außer Kontrolle geraten, haben sie den gegenteiligen Effekt: Sie verbrauchen Sauerstoff und setzen Giftstoffe frei, welche die Umwelt für alle anderen Lebensformen lebensfeindlich macht.

Algenblüte wird zur Bedrogung: Phänomen trat bisher bei jedem Massensterben auf

Wie die Wissenschaftler in ihrer Studie schreiben, wurden die Süßwasserkörper in schädlichen Schlamm umgewandelt. Dieser Vorgang hatte zur Folge, dass die Ökosysteme nach der EPE rund 3 Millionen Jahre benötigten, um sich wieder zu erholen. Hinzu kam, dass die Algenblüte den Zustand noch verschlimmerte. Die Blüte wurde durch beschleunigte Treibhausgasemissionen und höhere globale Temperaturen infolge vulkanischer Aktivitäten in Verbindung mit einem Zustrom von Nährstoffen in Süßwasserkörper ausgelöst. Diese dritte Komponente trat auf, als Waldbrände und Dürren zu einer massiven Abholzung der Wälder führten, wodurch Verbindungen im Boden in die Wasserläufe gelangten.

Außerdem stellten die Forscher fest, dass dieses Phänomen bei jedem Massenaussterben auftrat, mit Ausnahme des Endes der Dinosaurier. Als vor 66 Millionen Jahren der Asteroid zur Auslöschung der Dinosaurier führte, gab es keinen ausreichenden Anstieg der Treibhausgase, um eine große Algenblüte auszulösen.

Klimawandel als Auslöser: Artensterben bereits zum Ende des Jahrhunderts?

Der von uns Menschen verursachte Klimawandel könnte das Potenzial haben, die Bedingungen für eine solche Algenblüte wiederherzustellen - und somit eine große ökologische Katastrophe auslösen. „Wir sehen immer mehr toxische Algenblüten in Seen und in flachen Meeresgebieten, die mit dem Temperaturanstieg und den Veränderungen in den Pflanzengemeinschaften zusammenhängen, was zu einem Anstieg der Nährstoffeinträge in die Süßwasserumgebung führt“, sagt Studienautorin Tracy Frank. „Es gibt also viele Parallelen zu heute. Der Vulkanismus war in der Vergangenheit eine CO2-Quelle, aber wir wissen, dass die Geschwindigkeit des CO2-Eintrags damals ähnlich hoch war wie die Geschwindigkeit des CO2-Anstiegs, den wir heute aufgrund anthropogener Einflüsse erleben.“

Die Forscher haben berechnet, dass eine Wassertemperatur zwischen 20 und 32 Grad das Wachstum von schädlichen Algen fördert. Das Besorgniserregende: Laut aktueller Klimamodelle werden die sommerlichen Oberflächentemperaturen in den mittleren Breiten des Kontinents bereits bis zum Ende dieses Jahrhunderts in diesen Bereich fallen. Hinzu kommt, dass die Zahl der Waldbrände in jüngster Zeit deutlich zugenommen hat, wie etwa die Brände dieses Jahr in Griechenland, der Türkei und Italien, was diese Blüte noch verstärken kann, da Nährstoffe aus dem Boden in Flüsse und Seen gelangen.

„Unsere Ergebnisse aus den tiefen geologischen Schichten unterstreichen diese Warnungen und liefern eine beunruhigende Vorhersage für die langfristigen Folgen der anhaltenden Erwärmung und Entwaldung“, so die Wissenschaftler. Forscher sind bereits dabei, bedrohte Arten zu schützen und zu bewahren. So wurde ein seltenes Nashorn mithilfe von künstlich erzeugten Embryos gerettet.

Rubriklistenbild: © Matias Basualdo

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