Massaker an Meeressäugetieren

1.400 Delfine vor Färöer-Inseln brutal abgeschlachtet

  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Einheimische Fischer und Jäger haben auf den Färöer-Inseln zahlreiche Delfine in einen Fjord getrieben und getötet. Umweltschutzorganisationen schlagen Alarm.

Kopenhagen - Die Videos im Netz, die die Umweltschutzorganisation Sea Sheperd veröffentlicht hat, machen sprachlos: Darauf zu sehen sind Männer, die tote Delfine aus blutrotem Wasser an einen Strand ziehen. 1.400 der Tiere sind laut Medienberichten am Sonntagabend auf den Färöer-Inseln in einen Fjord getrieben und getötet worden. Die Regierung der zu Dänemark gehörenden Inseln verteidigte die Treibjagd und spricht von einer traditionellen Jagdpraxis, die gut reguliert und organisiert sei. Kritiker sagen, dass die Tötung außer Kontrolle geriet.

„Soweit wir wissen, ist es das größte Massaker an Meeressäugetieren, das jemals dokumentiert wurde“, erklärte Manuel Abraas von Sea Sheperd gegenüber der Tagesschau. Wie auch der dänische Rundfunk berichtet, entfachte die Aktion eine hitzige Debatte über die traditionelle Waljagd auf den Faröern, auch bekannt als „Grindadrap“. Eigentlich werden innerhalb dieser Praxis Grindwale getötet und nicht so viele Delfine.

Delfine und Grindwale werden Opfer von Jagdpraxis auf den Färöern

Auf den im Nordatlantik gelegenen Färöer-Inseln ist der Grindwalfang ein langer Brauch. Die Regierung hat dies sogar gesetzlich geregelt. Über Tausend Tiere treiben die Bewohner jährlich an die Küste und teilen sich Fleisch und Speck. Dass in diesem Jahr auch massenhaft Weißseiten-Delfine zum Fang gehörten, sorgt international für Empörung. Sogar der ehemalige Vorsitzende der faröischen Vereinigung für den Grindwalfang sagte gegenüber dem faröischen Rundfunksender KVF, die Tötung einer solch großen Anzahl an Delfinen sei überzogen.

Die Tradition des Walfangs auf den Färöer-Inseln geht bis in die Wikingerzeit zurück. Mithilfe von Booten und Schiffen werden die Tiere in eine Bucht getrieben und geschlachtet. 2020 wurden bei der Jagd insgesamt 576 Grindwale sowie 35 Weißseitendelfine getötet, berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa) und bezieht sich dabei auf faröische Zählungen. Die Anzahl von 1.400 getöteten Delfinen ist also ungewöhnlich hoch.

Delfine: Jagd auf die Sympathieträger schockiert die Welt

Delfine, die als besonders intelligent gelten und sogar Geheimcodes nutzen, um untereinander zu kommunizieren, sind Sympathieträger. Umso schockierter fallen die Reaktionen auf ihre grausame Abschlachtung auf den Färöer-Inseln aus. „Eine Delfinschule ist etwas Schönes, das man bewundern und nicht auf einen blutgetränkten Strand ziehen soll“, schreibt beispielsweise ein Nutzer als Reaktion auf die Berichte von Sea Sheperd auf Facebook.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Sea Shepherd/AP | Uncredited

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