Zwischen Asien und Europa

Forscher entdecken vergessenen Kontinent – er liefert viele Erkenntnisse über heutige Welt

  • Jakob Koch
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„Balkanatolia“ – was klingt wie eine Zimmerpflanze, gilt als wissenschaftliche Sensation: Es handelt sich um einen vergessenen Kontinent, der viele Erkenntnisse liefert.

Paris – Was vor Millionen von Jahren auf unserem Planeten vor sich ging, ist für die Wissenschaft in Teilen noch immer ein Mysterium. Und so machte die Nachricht vom Fund eines neuen Kontinents schnell die Runde. Sein Name: „Balkanatolia“. Das Besondere: Auf der Landmasse zwischen Asien und Europa lebte eine ganz besondere Pflanzen- und Tierwelt. Davon sind heute noch Spuren in Form von Fossilfunden auf dem Balkan und der Türkei zu sehen.

Als Entdecker gilt das Forschungsteam um den Wissenschaftler Alexis Licht. Das Team will seine Forschungsergebnisse noch im März in der Fachzeitschrift „Earth Science Reviews“ veröffentlichen, teilte das französische Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) auf seiner Website mit.

Vergessener Kontinent „Balkanatolia“: Wissenschaftliche Erkenntnisse über heutige Welt

Was Forscher schon lange umtrieb: Warum wurden auf dem Balkan und in der Türkei immer wieder Fossilien gefunden, die auf eine Anwesenheit von asiatischen Säugetieren hindeuten? Erstaunlich ist, dass das Alter der Fossilien als Indiz auf deren Leben vor dem sogenannten „Grande Coupure“ gilt, also dem großen Faunenaustausch vor etwa 34 Millionen Jahren.

Bis zu diesem Ereignis hatte es sehr unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten in Westeuropa und Ostasien sowie den zwei unterschiedlichen Landmassen gegeben. „Wir wissen, dass Westeuropa vor etwa 34 Millionen Jahren von asiatischen Arten kolonisiert wurde, was zu einer großen Erneuerung der Wirbeltierfauna und dem Aussterben ihrer endemischen Säugetiere führte“, sagt Wissenschaftler Alexis Licht. Die Fossilienfunde reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück – und einige der gefundenen Arten konnte man weder dem asiatischen, noch dem europäischen Raum zuordnen.

Wissenschaftler Licht: „Diese Säugetierfauna stellt eine einzigartige Mischung endemischer Arten dar, die Region muss daher eine einzige Landmasse gebildet haben, die von den benachbarten Kontinenten getrennt ist.“ Demnach müsste der Kontinent Balkanatolia vor rund 50 Millionen Jahren Europa und Asien voneinander getrennt haben. Übrigens: An anderer Stelle wurde ein riesiges Fossil eines Urzeit-Monsters entdeckt – allein der Schädel wiegt eine Tonne.

Vor mehreren Millionen Jahren verschwand der Kontinent „Balkanatolia“ zwischen Asien und Europa.

„Atlantis gab es also wirklich“ – was das Netz über den vergessenen Kontinent Balkanatolia denkt

Die Reaktionen im Netz fallen gemischt aus, wobei ein Vergleich öfters fällt. „Atlantis gab es also wirklich“, bejubelt ein Nutzer auf Facebook die Nachricht mit einer kühnen und natürlich nicht belegten These. Ein anderer schreibt: „Ein alter Kontinent – ja und? Würde mich eher Atlantis interessieren. Aber gut, man soll ja nicht meckern.“ Ein weiterer Facebook-Nutzer sinniert: „Die Welt war eine andere damals und wird sich auch weiterhin ändern.“ Jemand anderes fragt sich: „Wie konnte man so einen Kontinent 40 Millionen Jahre vergessen?“

Wo liegt Atlantis? Existierte das griechische Inselreich wirklich?

Mythen und Gerüchte haben in den letzten mehr als 2000 Jahren immer wieder die Menschheit beschäftigt – doch niemand konnte die Existenz von Atlantis bislang belegen. Erstmals erwähnte der griechische Philosoph Platon in der Mitte des 4. Jahrhunderts vor Christus das Inselreich.

Platon beschreibt es als Seemacht, die von ihrer Hauptinsel „jenseits der Säulen des Herakles“ Teile Europas und Afrikas unterworfen hatte. Als „Säulen des Herakles“ gelten zwei Felsenberge, die die Straße von Gibraltar einfassen. Dem Philosophen zufolge sei Atlantis 9600 vor Christus in Folge einer Naturkatastrophe innerhalb „eines einzigen Tages und einer unglückseligen Nacht“ untergegangen. Althistoriker und Philologen gehen heute größtenteils von einer Erfindung Platons aus.

Das Ende von Balkanatolia wird übrigens auf die Senkung des Meeresspiegels vor gut 35 Millionen Jahren zurückgeführt. Die Wissenschaft geht davon aus, dass diese durch die Entstehung von Gletschern erfolgt ist – und sich letztlich die Landmassen miteinander verbunden haben.

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