Erforschung des Sonnensystems

Ist ein Stück vom Mond abgebrochen? Himmelskörper kreist um die Erde

Der kleine Asteroid Kamo‘oalewa umkreist die Sonne und bleibt dabei immer in der Nähe der Erde. Er gilt als Quasisatellit der Erde. (Symbolbild)
+
Der kleine Asteroid Kamo‘oalewa umkreist die Sonne und bleibt dabei immer in der Nähe der Erde. Er gilt als Quasisatellit der Erde. (Symbolbild)
  • Tanja Banner
    VonTanja Banner
    schließen

Der Asteroid Kamo‘oalewa gilt als Quasisatellit der Erde. Nun veröffentlichen Forscher neue Daten und eine Theorie: Ist der kleine Asteroid ein Bruchstück vom Mond?

Tucson – Die Erde wird nicht nur von einem Mond umkreist, sondern auch von fünf sogenannten Quasisatelliten, kleinen Asteroiden, die die Sonne auf einer ähnlichen Umlaufbahn wie die Erde umkreisen und ihr daher nicht von der Seite weichen. Über diese Quasisatelliten ist relativ wenig bekannt, da sie klein und schwierig zu beobachten sind. Nur ein Mal im Jahr – im April – haben große Teleskope auf der Erde die Möglichkeit, den stabilsten Quasisatelliten der Erde, den Asteroiden (469219) Kamo‘oalewa, zu beobachten. Diese Chance haben Forschende um den Astrophysiker Benjamin Sharkey (University of Arizona) genutzt und nun im Fachjournal Communications Earth & Environment eine Studie zu dem wenig bekannten kleinen Erdbegleiter veröffentlicht.

Der Quasisatellit Kamo‘oalewa umkreist die Sonne – und bleibt der Erde dabei treu. (Archivbild)

Die Forschenden um Sharkey schlagen in ihrer Studie vor, dass (469219) Kamo‘oalewa in einem Zusammenhang mit dem Mond stehen muss. Um zu diesem Schluss zu kommen, hat das Forschungsteam um Sharkey unter anderem das Reflexionsspektrum des kleinen Asteroiden – also das Licht, das er reflektiert – untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass Kamo‘oalewa eine rötliche Oberfläche hat. Das deute auf eine Silikat-basierte Zusammensetzung hin, schreiben die Autor:innen der Studie. Allerdings sei das Material rötlicher als das, was man normalerweise bei Asteroiden im inneren Sonnensystem sehe. Am meisten ähnele das Material lunarem Gestein, das Nasa-Astronauten* der Mission „Apollo 14“ vom Mond mit zur Erde brachten.

Asteroid (469219) Kamo‘oalewa ist ein Quasisatellit der Erde – Stammt er vom Mond?

Doch woher kommt der Asteroid Kamo‘oalewa? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Forschenden ebenfalls in ihrer Studie und entwickeln gleich mehrere Theorien. Eine Möglichkeit sei es, dass der kleine Himmelskörper, dessen Durchmesser auf weniger als 100 Meter geschätzt wird, ein simples erdnahes Objekt (near-earth object, NEO) sei. Auch bisher noch nicht entdeckte stabile Trojaner-Asteroiden könnten eine mögliche Herkunft für Kamo‘oalewa sein, schreiben die Forschenden. Die Theorie, der die Forschenden jedoch am meisten Platz in ihrer Studie widmen, hat mit dem Mond zu tun – nachvollziehbar, angesichts der Beschaffenheit des kleinen Asteroiden.

Die Forschenden beschreiben, dass Kamo‘oalewa ein Bruchstück des Mondes sein könnte, das bei einem Einschlag auf der Oberfläche des Mondes herausgelöst wurde. „Das Reflexionsspektrum von Kamo‘oalewa unterstützt die Hypothese des lunaren Auswurfs“, heißt es in der Studie weiter. Und auch die geringe Geschwindigkeit des kleinen Asteroiden während seiner Annäherung an Erde und Mond sei ein Hinweis darauf, dass der Himmelskörper wohl aus dem Erde-Mond-System oder aus dessen Nähe stamme, so die Autor:innen weiter. Schließlich hätten erdnahe Objekte größere Geschwindigkeiten bei der Annäherung an die Erde.

Quasisatellit Kamo‘oalewa „im Tanz mit der Erde gefangen“, sagt ein Nasa-Experte

Der Asteroid Kamo‘oalewa, auch genannt 2016 HO3, wurde im April 2016 entdeckt.* „Der Asteroid ist in einem kleinen Tanz mit der Erde gefangen“, erklärte Paul Chodas vom Nasa-Programm für erdnahe Objekte (NEO) damals. Der hawaiianische Name Kamo‘oalewa bezieht sich auf ein oszillierendes Himmelsobjekt. Der Quasisatellit der Erde benötigt 366 Tage für eine Umrundung der Sonne, sein Abstand zum Zentralgestirn ist fast exakt der Abstand, den auch die Erde zur Sonne hat.

Die Umlaufbahn von Kamo‘oalewa bringt den Quasisatelliten bis auf etwa 16 Millionen Kilometer an die Erde heran (Perigäum), seine maximale Entfernung von der Erde (Apogäum) ist so groß wie die hundertfache Entfernung zwischen Erde und Mond. Berechnungen zeigen, dass Kamo‘oalewa seit knapp hundert Jahren ein stabiler Quasisatellit der Erde ist. Etwa im Jahr 2341 wird er jedoch seine Umlaufbahn so verändern, dass sie eine Hufeisenumlaufbahn annimmt. (tab) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare