Experten mit düsterer Prognose

„Tödlichstes Tier der Welt“ breitet sich im Südwesten aus – Bill Gates warnte bereits 2014 davor

  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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Das „tödlichste Tier der Welt“, die asiatische Tigermücke, erobert zunehmend die Wiesen, Wälder und Gärten in Deutschland – Experten sind alarmiert.

Stuttgart – Wer an das „tödlichste Tier der Welt“ denkt, vermutet im ersten Moment mit Sicherheit nicht, dass es sich dabei um ein millimetergroßes Insekt handeln könnte. Dennoch sind es ausgerechnet Moskitos, die bereits 2014 von keinem geringeren als Bill Gates diesen inoffiziellen Titel zugesprochen bekommen haben. Seit Jahren warnt Bill Gates vor der großen Gefahr durch winzig kleine Mikroben - also Bakterien, Pilze und Viren. In Form von Seuchen und Epidemien können diese, wie nicht zuletzt Corona gezeigt hat, verheerende Auswirkungen haben.

Übertragen werden die Erreger oftmals von Moskitos - wie etwa der Asiatischen Tigermücke. Dabei handelt es sich beispielsweise um Dengue-, Zika- oder Chikungunya-Viren. Und speziell das Zika-Virus ist aus Expertensicht nicht zu unterschätzen. Denn es wird zunehmend für eine von geistigen Einschränkungen begleitete Schädel-Deformation bei Föten und Neugeborenen verantwortlich gemacht. Das Dengue-Virus wiederum kann beim Menschen Fieber, starke Muskelschmerzen und manchmal fleckigen Hautausschlag auslösen, ähnliche Symptome zeigen sich beim Chikungunya-Virus. All das sind nur ein paar Gründe, warum Wissenschaftler auf der ganzen Welt das „tödlichste Tier der Welt“ genau im Auge behalten.

Tödlichstes Tier der Welt in Deutschland unterwegs – Sichtungen nehmen zu

Und das ist auch dringend notwendig. Denn die exotische Moskito-Art ist mittlerweile auch in unseren Breitengraten vermehrt anzutreffen. So wurde die Asiatische Tigermücke in Baden-Württemberg schon in mehreren Regionen gesichtet – etwa im Kreis Ludwigsburg (Korntal-Münchingen), im Kreis Esslingen (Leinfelden-Echterdingen) sowie auch im Rems-Murr-Kreis (Kernen). Der Grund für die rasante Ausbreitung in ganz Deutschland ist der Klimawandel und die immer heißeren Sommer in der Bundesrepublik – ideale Bedingungen für die Asiatische Tigermücke.

NameAsiatische Tigermücke (Aedes albopictus)
FamilieStechmücken (Culicidae)
GattungAedes
Wissenschaftlicher NameAedes albopictus
UnterfamilieCulicinae

Experten mit düsterer Prognose – gefährliche Tigermücke wird zum Dauergast

Mit Blick auf die Wettertendenzen gehen Experten davon aus, dass die Mücke in Zukunft verstärkt in ganz Deutschland unterwegs sein wird. Schon heute sei das Klima am Oberrheingraben in Baden-Württemberg gut genug, dass sich das tödlichste Tier der Welt hier auf Dauer etablieren könne, heißt es von Experten der Universität Bayreuth. In etwa zehn Jahren könnte der ganze Südwesten Heimat für die einst exotische Moskito-Art sein.

Die dunkle Prognose zur Verbreitung der Asiatischen Tigermücke in Baden-Württemberg sowie in ganz Deutschland führt nur allzu deutlich vor Augen, dass reagiert werden muss. Je mehr Exemplare vom laut Bill Gates „tödlichsten Tier der Welt“ unterwegs sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Menschen mit gefährlichen Krankheitserregern infizieren und möglicherweise sterben. Um das zu verhindern, gibt es Pläne, die Stechmücken hierzulande auszurotten – mit unterschiedlichen Ansätzen.

„Tödlichstes Tier der Welt“ ausrotten – diese Möglichkeiten gibt es

In Baden-Württemberg zum Beispiel geht die „Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage“ mit neuen, biologischen Mückengiften und Gammastrahlen gegen das tödlichste Tier der Welt vor und will es damit ausrotten. Ob das damit gelingt, ist ungewiss. Sicher ist: Neue Technologien sollen die Asiatische Tigermücke ausmerzen oder zumindest den wachsenden Populationen Einhalt gebieten.

Was die Moskito-Art im Unterschied zu anderen Tieren, die Krankheiten übertragen, extrem gefährlich macht, ist die Tatsache, dass sich ihr Lebensraum nicht bloß auf Wälder oder Parks beschränkt. Auch in Gärten fühlt sich die Asiatische Tigermücke pudelwohl – ganz besonders, wenn es stehende Gewässer wie Regentonnen gibt. Um das “tödlichste Tier der Welt“ aus dem Garten zu verjagen, empfiehlt es sich daher, ein paar wichtige Expertentipps zu beherzigen.

Steckbrief asiatische Tigermücke

Die asiatische Tigermücke ist ein Insekt und gehört zur Familie der Stechmücken. Das winzige Tier erreicht eine maximale Körpergröße von 0,9 Zentimeter und hebt sich mit seiner schwarz-weißen Färbung von vielen seiner Artgenossen ab. Die Tigermücke kommt ursprünglich aus dem Asiatisch-Pazifischen Raum, ist mittlerweile weltweit beheimatet. Die Mücke ist extrem anpassungsfähig, weshalb sie auch in kühleren Regionen wie Deutschland überlebt.

Ein Weibchen legt zwischen 300 und 350 Eier ab, aus denen Larven schlüpfen, die sich im Puppenstadium in flugfähige Mücken wandeln, die sich nach etwa zwei bis drei Tagen wieder paaren und Eier ablegen. Das heißt: Einmal angekommen vermehrt sich das tödlichste Tier extrem schnell

Quelle: Umweltbundesamt

Asiatische Tigermücke in Gärten unterwegs – diese Tipps schaffen Abhilfe

Die wichtigste Maßnahme ist, Wasserbehälter – die für die Asiatische Tigermücke Unterschlupf und Brutstätte zugleich sind – regelmäßig zu säubern und gut zu verschließen, damit weder was herein noch herauskommt. Eine andere Methode der Bekämpfung in Hobbygärten sind Tabletten, die im Wasser aufgelöst werden und das „tödlichste Tier der Welt“ abtöten. Sie beinhalten ein Bakterium, das für andere Tiere und Pflanzen nicht schädlich ist.

Im Kreis Ludwigsburg werden die Bakterien-Tabletten gegen das „tödlichste Tier der Welt“ schon erfolgreich eingesetzt. Wie groß in Deutschland die Bedrohung ist, lässt sich in Zahlen nur schwer ausrücken, denn: Eine repräsentative Übersicht über die Bestände an Tigermücken gibt es nicht. Einzelne Forschungsprojekte wie der „Mückenatlas“ geben bloß bedingt Auskunft, weil die Forscher auf private „Mückenjäger“ angewiesen sind, die tote Tiere einschicken.

Tödlichstes Tier der Welt in Deutschland – über 20.000 Exemplare gesichtet

Berichten der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge wurden bislang 24.400 Exemplare der asiatischen Tigermücke eingeschickt. Laut der Zeit gibt es in Deutschland geschätzt 50 unterschiedliche Mückenarten, weltweit rund 3.500. Dass sich das „tödlichste Tier der Welt“ vermehrt auch in Deutschland überwintert, ist ein weiterer Grund zur Sorge. Besonders im Südwesten sind immer mehr Regionen betroffen. Auch in Heilbronn ist die asiatische Tigermücke schon angekommen.

Die Asiatische Tigermücke stammt aus den Subtropen, kommt aber auch in Deutschland vor.

Nach Informationen des Umweltbundesamts ist die asiatische Tigermücke in den Sommer- und Herbstmonaten regelmäßig im südlichen Bayern und Baden-Württemberg entlang von Reiserouten aus dem Süden kommend anzutreffen. Nachweise gibt es in Deutschland unter anderem in Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg. Experten haben zudem rausgefunden, dass das tödlichste Tier der Welt schon in drei Bundesländern regelmäßig überwintert.

Berichten von t-online zufolge sind das Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen. In allen drei Bundesländern hat man die Mücke mittlerweile auf dem Radar und versucht, die Populationen mit verschiedenen Maßnahmen in Schach zu halten. Von der Gamma-Bestrahlung der Tigermücken-Männchen (Sterilisation) versprechen sich die Wissenschaftler besonders viel, denn: Mit der Methode lässt sich das Insekt ganz gezielt bekämpfen, ohne dass fremde Bakterienstämme oder Gifte eingesetzt werden müssen.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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