1. bw24
  2. Wissen

„Tödlichstes Tier der Welt“ in BW: Expertin zu Therapien und Impfungen

Erstellt:

Von: Jason Blaschke

Kommentare

Die Asiatische Tigermücke ist auch in Baden-Württemberg angekommen. Für BW24 fasst Dr. Ulrike Thieme zusammen, wie es um Therapien und Schutzimpfungen steht.

Stuttgart – Die Winter in Baden-Württemberg und ganz Deutschland fallen tendenziell immer milder aus. Für Meteorologen ist klar, dass der Klimawandel unlängst auch in Mitteleuropa spürbar angekommen ist. Davon zeugen auch immer mehr invasive Tier- und Pflanzenarten, die im Südwesten heimisch werden. In Konstanz etwa machte erst vor ein paar Wochen die Quagga-Muschel im Bodensee Probleme, die DLRG berichtete von verletzten Badegästen.

„Tödlichstes Tier der Welt“ kann schwere Krankheiten übertragen – Expertin informiert

Doch auch in der Luft gibt es eine invasive Art in Baden-Württemberg, die Probleme macht: Die Asiatische Tigermücke, die von Bill Gates einst als „tödlichstes Tier der Welt“ bezeichnet wurde. Wie gefährlich die Tigermücke wirklich ist, schätzt Dr. Ulrike Thieme für BW24 in einem ersten Interview ein. Im folgenden Interview fasst die Medizinerin, die medizinische Leiterin bei der Online-Arztpraxis ZAVA ist, zusammen, wie Infizierte behandelt werden und welche Schutzmaßnahmen es gibt.

Mit unserem Verbraucher-Newsletter versorgen wir Sie regelmäßig mit den wichtigsten Service- und Verbraucher-Themen der Woche. Hier geht es zur Anmeldung.

Frau Thieme, kann tatsächlich jede Asiatische Tigermücke gefährliche Krankheiten übertragen?

Der Stich einer Tigermücke ist per se nicht gefährlich. Die Mücke kann jedoch als Überträger diverser Krankheiten wie dem Dengue-Fieber oder dem Zika-Virus infrage kommen. Doch um als Überträger zu dienen, muss die Mücke zuvor einen infizierten Menschen gestochen haben. Daher ist es trotz zunehmender Verbreitung im mittel- und nordeuropäischen Raum noch eher unwahrscheinlich, sich über einen Stich der Tigermücke zu infizieren.

Gibt es Symptome, die auf eine Infektion mit einer der gefährlichen Krankheiten deuten?

Wer nach einem Mückenstich grippeähnliche Symptome wie Fieber oder Gliederschmerzen bemerkt, sollte einen Arzt aufsuchen. In Panik muss man aber nicht verfallen, da die Wahrscheinlichkeit einer schwerwiegenden Infektion äußerst gering ist.

Infektion nach Tigermücken-Stich: Was zu Therapien und Impfungen bekannt ist

Wenn aber eine der Krankheiten diagnostiziert wird, wie kann diese therapiert werden?

Weder gegen das Denguefieber noch gegen das Gelbfieber gibt es im Moment medikamentöse oder anderweitige Behandlungsmethoden. Im Falle einer Erkrankung ist lediglich eine symptomatische Behandlung möglich.

Gibt es zumindest Impfungen, die vor einer Infektion über die Asiatische Tigermücke schützen?

Im Jahr 2018 wurde der Lebendimpfstoff Dengvaxia® gegen das Denguefieber für den europäischen Markt zugelassen – allerdings nur für Personen zwischen neun und 45 Jahren. Sie müssen zudem in einem Endemiegebiet wohnen und nachweislich einmal mit dem Dengue-Virus infiziert gewesen sein.

Asiatische Tigermücke auch in Baden-Württemberg: Welche Personen besonders gefährdet sind

Sind für die Zukunft neue Impfstoffe in Aussicht und gibt es weitere Vakzine, etwa gegen das Gelbfieber?

Ja, aktuell befindet sich etwa der Lebendimpfstoff TAK-003 in der EU in der zulassungsrelevanten Prüfung. Eine Impfung gegen das Gelbfieber ist wiederum möglich und wird vor Reisen in bestimmte Länder dringend empfohlen.

Gibt es Personengruppen, die von der Asiatischen Tigermücke besonders gefährdet sind?

Gefährdet ist besonders, wer in stark betroffene Regionen reist, ohne die nötigen Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Sei es eine Impfung, Insektenschutz oder ein Moskitonetz für die Nacht. Wer gegen Gelbfieber geimpft ist, ist zu fast 100 Prozent gegen eine Infektion geschützt. Grundsätzlich sollte besonders bei Kindern sowie immunschwachen Personen und bei Schwangeren penibel auf einen guten Insektenschutz geachtet werden – für letztere können Viren wie das Zika-Virus besonders gefährlich sein.

Die Asiatische Tigermücke in Baden-Württemberg: Kommunen ergreifen Maßnahmen

Damit es in Baden-Württemberg erst gar nicht zu Infektionsfällen kommt, setzen viele Kommunen auf Eiweiße, Bakterien oder auch Strahlung, um die Populationen gering zu halten. Welche Methoden im Kampf gegen die Asiatische Tigermücke effektiv sind, erklärt Dr. Ulrike Thieme im zweiten Interview gegenüber BW24. Fest steht aber schon heute, dass das Tier die Menschen im Südwesten in Zukunft noch weiter beschäftigen wird.

Nach Heilbronn und Stuttgart wurde das „tödlichste Tier der Welt“ auch am Bodensee entdeckt, wo die Behörden sofort Maßnahmen ergriffen haben. Experten gehen mittlerweile aber davon aus, dass es kaum möglich sein wird, die Asiatische Tigermücke in Deutschland komplett auszurotten. Ähnlich sieht es bei anderen invasiven Arten aus, die hierzulande heimisch geworden sind – etwa die Nosferatu-Spinne.

Auch interessant

Kommentare