Unerwartete Entdeckung

Forscher entdecken neue Lebensform unter dem Schelfeis der Antarktis

Durch Zufall haben Forscher in der Antarktis Leben tief unter dem Eis entdeckt. Die Tierchen haben sich den dort eigentlich lebensfeindlichen Bedingungen angepasst.

Antarktis - Auch wenn die Wissenschaft weit ist in Forschung und Entwicklung, konnte noch nicht allem auf den Grund gegangen werden. Vor allem in der Natur stolpern Wissenschaftler immer wieder zufällig über großartige Entdeckungen. So auch in der Antarktis: Tief unter dem Eis wurde eine Fülle von unerwarteten Lebensformen entdeckt.

Wie die Tierchen in der Dunkelheit, Tiefe und Kälte überleben, stellt die Forscher allerdings bisher vor ein Rätsel.

77 Arten unter dem antarktischen Schelfeis entdeckt

Wie iflscience.com berichtet, haben Forscher des British Antarctic Survey 77 Arten unter dem antarktischen Schelfeis entdeckt, darunter schwertförmige Moostierchen und Serpuliden. Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift Current Biology. Forscher warnten jüngst auch: Der „Weltuntergangs-Gletscher“ in der Antarktis schmilzt schneller als gedacht.

Genauer gesagt handelt es sich bei den entdeckten Lebensformen um Bryozoen, auch Moostierchen genannt. Sie sind ein Stamm einfacher wirbelloser Tiere, die im Wasser leben. Sie werden nicht größer als einen Millimeter, bestehen oft aus einem zähen Exoskelett, das dem von Korallen ähnelt, sowie einem Bündel haarähnlicher Tentakeln, die zum Filtern der Nahrung dienen. Serpulid-Würmer sind ähnliche sogenannte Suspensionsfresser und ernähren sich von im Meerwasser schwebenden Partikeln (Suspension).

Die Kamera des Forschungsteam stieß zufällig auf Lebewesen unter dem Schelfeis der Antarktis.

Bei der Forschung wurde das Eis durch ein 200 Meter tiefes Loch erschlossen, das 2018 auf dem Ekström-Schelfeis nahe der Neumayer-Station III im südöstlichen Weddellmeer gebohrt wurde. Zwar wurden schon früher Lebensformen unter dem Schelfeis der Antarktis entdeckt, von Krill bis hin zu Fischen, doch die aktuelle Forschung hat viel Unerwartetes hervorgebracht. Denn die Bedingungen an der Oberfläche sind dort rau, die Temperaturen sinken oft unter null Grad Celsius. „Eine weitere Überraschung war es, herauszufinden, wie lange das Leben hier schon existiert“, erklärte Dr. Gerhard Kuhn, Mitautor der Studie vom Alfred-Wegener-Institut, der das Bohrprojekt koordinierte.

„Diese Entdeckung von so viel Leben unter diesen extremen Bedingungen ist eine völlige Überraschung“

So großartig die Entdeckung der Forscher auch ist, so groß sind auch die Fragen, die sich den Wissenschaftlern nun stellen. Schon das Vorhandensein dieser Lebewesen wirft einige auf: Wie können die Lebensformen in Hunderten Metern von Eis überleben? Die meisten Ökosysteme beginnen mit Sonnenlicht, das absorbiert und durch Fotosynthese in nutzbare Energieformen umgewandelt wird. Die entdeckten Tierchen wurden jedoch weit weg vom Sonnenlicht entdeckt. Wie können sie also überleben und sich sogar vermehren?

Die Kohlenstoffdatierung der toten Fragmente dieser Meeresbodentiere variierte von heute bis zu 5.800 Jahren. Obwohl die gefundenen Tiere drei bis neun Kilometer vom nächsten offenen Wasser entfernt lebten, könnte unter dem Schelfeis also seit fast 6.000 Jahren eine Oase des Lebens existiert haben. Ein weiteres Forscherteam entdeckte in der Antarktis ein Wassersystem, das mit dem ganzen Planeten verbunden sein soll.

„Diese Entdeckung von so viel Leben unter diesen extremen Bedingungen ist eine völlige Überraschung und erinnert uns daran, wie einzigartig und besonders die antarktische Meeresfauna ist. Es ist erstaunlich, dass wir Nachweise für so viele Tierarten gefunden haben, von denen sich die meisten von Mikroalgen (Phytoplankton) ernähren, obwohl keine Pflanzen oder Algen in dieser Umgebung leben können“, so Dr. David Barnes, Hauptautor der Studie und Meeresbiologe beim British Antarctic Survey, in einer Erklärung. Die Vermutung der Forscher: Die Tiere ernähren sich von den großen Mengen an Algen, die aus dem offenen Wasser unter das Schelfeis getragen wurden. Doch auch diese Vermutung wirft weitere Fragen auf. Denn ungeklärt ist bisher, wie es sein kann, dass das Leben unter dem Schelfeis reichhaltiger ist als in offenen Gewässern, so iflscience.com.

Rubriklistenbild: © British Antarctic Survey/Dr Huw Griffiths/dpa

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