Forscher stehen vor Rätsel

Spektakuläre Theorie: Experiment in der Antarktis soll auf Paralleluniversum hindeuten, in dem die Zeit rückwärts läuft

Forscher lassen in der Antarktis einen Ballon zu Forschungszwecken steigen
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Wissenschaftler haben mithilfe eines Forschungsballons in der Antarktis Neutrinos entdeckt, die sich anomal verhalten. (Symbolbild)

Bei einem Experiment in der Antarktis haben Forscher Teilchen beobachtet, die sich völlig anomal verhalten – manche Wissenschaftler sehen darin einen Beweis für eine alternative Realität.

Antarktis - Bei extremen Minusgraden und eisiger Kälte könnte man meinen, nicht nur das Leben, sondern auch die Zeit friere in der Antarktis im wahrsten Sinne des Wortes ein. Die Entdeckung eines Forscherteams der University of Hawaii könnte einer weit verbreiteten Theorie zufolge alles auf den Kopf stellen, was wir über unsere Welt und Zeitrechnung zu glauben schienen: Seltsame Teilchen, die bei einem Experiment in der Antarktis beobachtet wurden, könnten laut einigen Forschern auf die Existenz eines Paralleluniversums hindeuten.

Dabei hatten der Wissenschaftler Peter Gorham und sein Team überhaupt nicht damit gerechnet, ein womöglich neuartiges Partikel zu entdecken, das zu spektakulären Theorien über parallele Universen führen könnte. Die Forscher selbst nehmen nämlich Abstand von der Theorie einer alternativen Realität: „Unserer Meinung nach ist das eher mit physikalischen Mitteln zu erklären, die weit weniger exotisch sind“, betonen die Wissenschaftler in einer Stellungnahme. Die These kursiert allerdings weiterhin — und ist auch unter Physikern populär.

Forscherteam in der Antarktis entdeckt durch Zufall hochenergetische Teilchen

Einen Monat lang beobachteten die Forscher aus Hawaii, wie ein riesiger Ballon mit einer Reihe von Antennen hoch über dem Eis schwebte und mehr als eine Million Quadratkilometer der gefrorenen Landschaft nach Hinweisen auf hochenergetische Teilchen aus dem Weltraum absuchte. Doch zur Enttäuschung der Wissenschaftler konnte der Ballon nach dem ersten Flug lediglich Aufnahmen von Hintergrundgeräuschen vorweisen, wie newcientist.com berichtet. Auch nach dem zweiten Flug, rund ein Jahr später, brachte der Ballon keine neuen Erkenntnisse.

In der Antarktis werden immer wieder große Entdeckungen gemacht. Forscher fanden ein Wassersystem in der Antarktis, das mit dem ganzen Planeten verbunden sein soll. Aufgeben kam auch für das Team um Peter Gorham nicht infrage. Während sich der Ballon auf seinem dritten Flug befand, werteten die Wissenschaftler die Daten des ersten und zweiten Experiments nochmals aus.

Ein besonderes Augenmerk schenkten die Forscher dieses Mal den Aufnahmen, die sie lediglich als Rauschen abgetan hatten. Und siehe da: Bei genauerer Betrachtung schien ein Signal die Signatur eines hochenergetischen Teilchens — eines kosmischen Neutrinos — zu sein. Dabei handelt es sich um Partikel, deren kinetische Energie weit über den thermischen Geschwindigkeiten liegen und die sehr schwer zu messen sind, sobald sie die Erdatmosphäre durchquert haben.

Die Theorie eines Paralleluniversums: Positiv ist negativ, links gleich rechts und die Zeit läuft rückwärts

Nach solch einem Teilchen hatten die Wissenschaftler eigentlich überhaupt nicht gesucht. Außerdem schien das, was die Forscher entdeckt hatten, überhaupt nicht möglich zu sein. Denn laut der Auswertungen kam das besagte Teilchen nicht von oben, sondern aus dem Boden heraus. Normalerweise bewegen Neutrinos sich exakt so, wie Strahlung aus dem All auf die Erde trifft: von oben nach unten. Einige der in der Antarktis gemessenen Neutrinos bewegten sich allerdings aus der Erde nach oben, sozusagen „rückwärts“. Da sich dieses Phänomen bislang nicht erklären ließ, wurde in manchen Forscherkreisen schnell über die Existenz eines Paralleluniversums spekuliert.

Seit nunmehr fünf Jahren beschäftigt diese Entdeckung die Wissenschaft. Jegliche Theorie, die die Physik lieferte, wurde schnell wieder verworfen. Das Rätsel um das Phänomen ließ sich nicht entschlüsseln. Denn allein die Existenz des Signals übersteigt das bisherige Wissen der Forschung: Es lässt sich mit heute bekannter Physik nicht erklären. Einige nicht an der Forschung in der Antarktis beteiligte Wissenschaftler stellten deshalb eine Theorie auf, die über die Grenzen des aktuell Vorstellbaren hinausgeht — ein auf den Kopf gestelltes Universum. Viele Physiker gehen schon länger davon aus, dass Paralleluniversen existieren, in denen Doppelgänger von uns leben. Auch Astrophysiker Stephen Hawking glaubte an diese Theorie — er ging sogar von der Existenz von Multiversen aus.

Nach den Messungen in der Antarktis haben deshalb einige Forscher darüber spekuliert, ob die anomalen Funde in der Antarktis das theoretische Konzept eines Paralleluniversums erklären könnten: Dieses „andere Universum“ müsste im selben Urknall wie unser eigenes entstanden sein. In dieser Spiegelwelt wäre positiv gleich negativ, links gleich rechts und die Zeit liefe rückwärts. Einen Beweis hierfür konnte die Physik bisher allerdings nicht liefern. Die Theorie eines Paralleluniversums bleibt also vorerst eine Theorie, von der sich die Wissenschaftler der University of Hawaii weiterhin strikt distanzieren. Die sichere Erkenntnis der Antarktis-Forscher ist lediglich, dass die Ursache des entdeckten Signals noch nicht erklärt werden kann — die spekulative physikalische Theorie eines parallel existierenden Universums sei „missinterpretiert“ worden, machten die Wissenschaftler in ihrer Stellungnahme deutlich.

Transparenzhinweis: Eine frühere Version dieses Textes hatte den falschen Schluss zugelassen, dass die Forscher der University of Hawaii Hinweise auf die Existenz eines Paralleluniversums entdeckt hatten oder zumindest von dieser Theorie überzeugt sind. Die Redaktion weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich hierbei lediglich um eine Spekulation handelt, die unter nicht an der thematisierten Forschung beteiligten Wissenschaftlern kursiert.

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