Sanktionen gegen Russland

Traditionsunternehmen vom Bodensee rechnet mit 600 Millionen Euro Verlust wegen Ukraine-Krieg

Eine Luftaufnahme von Friedrichshafen am Bodensee bei heiterem Wetter mit blauem Himmel.
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Das Traditionsunternehmen Zeppelin aus Friedrichshafen am Bodensee rechnet wegen des Ukraine-Kriegs mit einem „Totalverlust“.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die Sanktionen gegen Russland aufgrund des Ukraine-Krieges haben Folgen für die Wirtschaft in Baden-Württemberg. Zeppelin droht ein regelrechtes Fiasko.

Friedrichshafen - Am 24. Februar startete Russland entgegen des Völkerrechts einen Angriff auf die Ukraine, mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung und für ganz Europa. Die EU und auch andere Nationen wie die USA haben erhebliche Sanktionen gegen Russland verhängt. Aufgrund des Ukraine-Krieges ist auch die deutsche Automobilwirtschaft in Sorge. Autobauer und Zulieferer sorgen sich um ihre Mitarbeiter in den beiden osteuropäischen Ländern. Mercedes-Benz stoppte bereits die Exporte nach Russland.

Die Zeppelin GmbH mit rechtlichem Sitz in Friedrichshafen (Bodenseekreis) befürchtet aufgrund der Sanktionen gegen den Aggressor erhebliche Umsatzverluste, berichtet deutschlandfunkkultur.de. Das Unternehmen Zeppelin geht auf den legendären Luftschiffbauer gleichen Namens zurück, erwirtschaftet inzwischen aber den meisten Umsatz mit Baumaschinen und übernahm beispielsweise exklusiv den Vertrieb der Geräte des US-Konzerns Caterpillar in vielen Ländern. Dazu zählen sowohl Russland, als auch die Ukraine. Zudem hat der Konzern aus Friedrichshafen auch selbst Standorte in den beiden Ländern. Die drastischen Sanktionen gegen Russland wird das Unternehmen deutlich spüren. Zeppelin-Geschäftsführer Peter Gerstmann rechnet mit einem Umsatzverlust in dreistelliger Millionenhöhe.

Wegen Ukraine-Krieg und Sanktionen gegen Russland: Zeppelin erwartet „extrem schlechtes Ergebnis“

Internationale Konzerne wie Mercedes-Benz, Bosch oder eben auch Zeppelin haben Standorte auf der ganzen Welt. Für den Konzern aus dem äußersten Süden Baden-Württembergs werden die Sanktionen gegen Russland aber wohl besonders fatal sein. Laut deutschlandfunkkultur.de erwirtschaftet Zeppelin allein in Russland, der Ukraine und Belarus mehr als drei Milliarden Euro im Jahr. Durch die Kooperation mit Caterpillar sind auf Baustellen von Krasnojarsk über Moskau bis nach St. Petersburg Bagger mit dem Firmennamen von Zeppelin im Einsatz. Aufgrund des immer weiter eskalierenden Krieges ist das aber nur noch eine Frage der Zeit.

Der Zeppelin-Konzern macht mit den Baggern von Caterpillar auch in Russland und der Ukraine großen Umsatz. Durch die Sanktionen rechnet das Unternehmen mit einem erheblichen Umsatzverlust.

Eigentlich plante Zeppelin, in diesem Jahr erstmals die Marke von vier Milliarden Euro Umsatz in Russland, der Ukraine und Belarus zu knacken. Aufgrund der Sanktionen sieht der Chef dafür aber Schwarz. „Wir werden einen Totalverlust erleiden, wenn sich die Situation nicht entschärft“, sagte Peter Gerstmann laut deutschlandfunkkultur.de. „Wir werden alle Vermögenswerte im Land verlieren und damit einen Vermögenswert in dreistelliger Millionenhöhe.“ Der Zeppelin-Geschäftsführer rechnet durch die Sanktionen mit einem Umsatzausfall von 450 Millionen Euro in Russland und 150 Millionen Euro in der Ukraine. „Wir werden in diesem Jahr ein extrem schlechtes Ergebnis haben“, so Gerstmann.

Zeppelin in Friedrichshafen: Neben wirtschaftlichen Problemen führen Sanktionen auch zu menschlichen Abgründen

Für den Zeppelin-Konzern sind die derzeitigen Sanktionen gegen Russland nicht die ersten, die das Unternehmen verkraften muss. „Wir haben die Krimkrise 2014/2015 ja erlebt“, sagte Peter Gerstmann. „Damals sind unsere Umsätze um 50 Prozent eingebrochen, in der Ukraine sogar noch stärker.“ Man habe sich notgedrungen darauf eingestellt und sich verkleinert. Das blüht dem internationalen Unternehmen aus dem Südwesten nun möglicherweise noch stärker. „Wir sind stark aufgestellt“, erklärte Gerstmann. Den Verlust des Russlandgeschäfts würde das Unternehmen demnach verkraften. „Aber danach wäre Zeppelin ein anderes Unternehmen, als es vorher war. Ein kleineres!“

Die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges auf Unternehmen in Baden-Württemberg sind dramatisch. Zudem kommen aber auch noch menschliche Abgründe dazu, da Zeppelin sowohl in Russland als auch in der Ukraine Standorte unterhält und Mitarbeiter beschäftigt. „Wir haben ein internationales Fußball-Turnier bei Zeppelin“, erklärte Gerstmann. „Und dort gab es immer eine russisch-ukrainische Mannschaft, eine gemeinsame Mannschaft.“ Zudem hat das Unternehmen in dieser Region auch ein IT-Team, das unter anderem aus Russen und Ukrainern besteht. Diese Mitarbeiter könnten sich im schlimmsten Fall im Ukraine-Krieg nun mit Waffen gegenüberstehen. „Das wäre die drastischste Konfrontation“, so Gerstmann.

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