Plädoyer für mehr Verantwortung

Trigema-Chef warnt vor Fehler heutiger Führungskräfte, der zu einem „Desaster“ führen könnte

Trigema-Chef Wolfgang Grupp
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Trigema-Chef Wolfgang Grupp feierte im April 2022 seinen 80. Geburtstag.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Wolfgang Grupp ist dafür bekannt, klare Kante zu zeigen. So warnt der Trigema-Chef jetzt vor einem Fehler von Managern, der in einem Desaster enden könnte.

Burladingen - Andere Manager sind mit 80 Jahren längst im Ruhestand. Trigema-Chef Wolfgang Grupp hingegen will einfach nicht aufhören. Noch immer zieht er die Fäden beim Burladinger Textilhersteller und beweist sich derzeit als Krisenmanager. Nach der Pandemie folgte mit dem Ukraine-Krieg ein erneuter Schlag für Trigema: Die Energiepreise stiegen zuletzt auf das Neunfache der bisherigen Kosten. Ganz gleich, wer von Grupps Kindern einmal das Unternehmen übernehmen wird - es wird sicher nicht einfach, das Versprechen „100 Prozent Made in Germany“ in der Form umzusetzen, wie es bislang der Fall war.

Noch ist nicht endgültig geklärt, ob Tochter Bonita in Zukunft an der Spitze von Trigema stehen wird oder ob Sohn Wolfgang Grupp Junior das Ruder übernimmt. In Hinblick auf seine eigene Rolle als Firmenpatriarch sieht Grupp Senior jedenfalls ein gelungenes Modell. In all seinen Schaffensjahren habe er stets „überlegt, verantwortungsvoll und vor allem nicht der Gier und dem Größenwahn ausgesetzt“ gehandelt, wie er gegenüber der Mainpost erklärte. Bei heutigen Führungskräften zeige sich häufig ein anderes Bild. „Heute hört man oft: ‚Kein Problem, ich habe schon dreimal Insolvenz gemacht, es geht mir gut.‘ Wenn das so weiter geht, werden wir ein Desaster erleben“, warnte Grupp.

Trigema-Chef Wolfgang Grupp über Nachfolge: „Ich übergebe selbstverständlich an meine Kinder“

Statt Geldgier erhofft sich Grupp in Zukunft mehr Verantwortungsbewusstsein von Führungskräften - und sieht auch die Politik in der Pflicht, zu handeln. „Warum nicht 50 Prozent Rabatt auf die Einkommenssteuer für Unternehmer, die persönlich haften?“, schlug er in der Mainpost vor.

Dass beide seiner Kinder bereit wären, seine Nachfolge anzutreten, gleicht für Grupp einer Bestätigung seines eigenen Führungsstils. „Ich führe Trigema in der dritten Generation. Ich hätte sicher ein falsches Vorbild abgegeben, wenn meine Kinder den Betrieb nicht weiterführen wollten“, sagte er im Gespräch mit Focus. „Ich übergebe ihn selbstverständlich an meine Kinder. Sofern meine Kinder das Erbe nicht antreten wollten, hätten wir sicher versagt, denn die Eltern sind das erste Vorbild für die Kinder“.

Trigema-Chef Wolfgang Grupp: Mitarbeiter dürfen mitreden, doch er hat das letzte Wort

Was das Wohl seiner Mitarbeiter angeht, versucht Patriarch Grupp so viel Mitbestimmung wie möglich zu gewährleisten. „Ich würde nie eine Entscheidung treffen, hinter der die Mitarbeiter nicht mehrheitlich stehen“, sagte er der Mainpost. Zudem garantiert Wolfgang Grupp den Kindern seiner Beschäftigten einen sicheren Ausbildungsplatz. Am Ende müsse er jedoch für alles haften und habe daher das letzte Wort.

Der Mangel an Bewerbern für den Job als Näherin oder Näher führe laut Grupp derweil dazu, dass Stellen in Deutschland zunehmend mit ausländischen Fachkräften besetzt werden. Ein Problem sieht der Firmen-Patriarch auch darin, dass sich in Deutschland viele junge Menschen für ein Studium statt einer Ausbildung entscheiden. Auch sein Sohn, Wolfgang Grupp Junior, sieht den Fachkräftemangel problematisch. Der Trigema-Juniorchef plant sogar, Näherinnen auf lange Sicht durch Automaten zu ersetzen.

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