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Wolfgang Grupp: „Man sollte mit dem anderen immer so verhandeln, dass es nicht zu einem Krieg kommt“

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Von: Sina Alonso Garcia

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Trigema-Chef Wolfgang Grupp
Er sieht die USA und die NATO teilweise mitverantwortlich dafür, dass die Situation in der Ukraine nun so eskaliert ist: Trigema-Chef Wolfgang Grupp. © Patrick Seeger/dpa

Trigema-Chef Wolfgang Grupp hält es angesichts der wirtschaftlichen Lage für richtig, im Ukraine-Krieg eine diplomatische Lösung anzustreben. Mit der richtigen Gesprächsstrategie hätten Politik und NATO in seinen Augen eine Eskalation womöglich verhindern können.

Burladingen - Wenn es nach Unternehmer Wolfgang Grupp geht, sollten Politiker in Deutschland Gespräche mit Russland führen, statt Waffen zu liefern. Seine ablehnende Einstellung zu Sanktionen betonte der Trigema-Chef in den vergangenen Monaten immer wieder nachdrücklich - und schlug stattdessen alternative Lösungsansätze vor, um den Ukraine-Krieg zu beenden. Im Gespräch mit SWR 1 verleiht er seiner Forderung erneut Ausdruck - und sieht auch die NATO sowie die USA in der Pflicht, ihr bisheriges Handeln zu überdenken.

„Meiner Meinung nach hätte man schon viel früher reagieren müssen“, sagt Wolfgang Grupp. „Die NATO ist immer weiter Richtung Osten vormarschiert, und man hatte auch mit der Wiedervereinigung versprochen, dass die NATO sich nicht gegen Osten ausweitet. Man hat viele Versprechen nicht eingehalten. Hätte man sich an das gehalten, was man damals Gorbatschow und allen anderen versprochen hat, dann wäre es vielleicht nicht so weit gekommen. Aber das kann ich nicht beurteilen - das müssen andere. Ich sage: Wenn die Politik verantwortlich ist, dann hat sie zugelassen, dass wir in dieser Größenordnung abhängig sind von Russland und hat Alternativen nicht rechtzeitig eingeleitet.“

Trigema-Chef Wolfgang Grupp: „Ich frage mich, wenn es 16 Jahre geklappt hat, warum es nicht weiter geklappt hat“

Als der SWR1-Moderator einwirft, dass die NATO mitnichten vorgerückt und lediglich dem Wunsch der baltischen Staaten nachgekommen sei, der NATO beitreten zu dürfen, reagiert Grupp so: „Die Ukraine und das Baltikum - die gehörten ja alle mal zum russischen Reich. Und man muss immer so verhandeln, dass es nicht zu einem Krieg oder zu einem Streit kommt.“

Dass unter Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel diplomatische Gespräche mit Russland über einen langen Zeitraum möglich waren, wirft bei Grupp Fragen auf. „Ich frage mich, wenn es 16 Jahre lang geklappt hat, warum es nicht weiter geklappt hat“, sagt er. Seiner Ansicht nach wäre jetzt eine diplomatische Lösung durch Gespräche mit Kriegstreiber Wladimir Putin nötig, „damit wir diesen Krieg, der für beide Seiten nicht positiv, sondern nur negativ ist, so schnell wie möglich beenden“.

Wolfgang Grupp: „Ob es richtig war, manche Länder in die NATO aufzunehmen, müssen Politiker entscheiden“

Im Exklusiv-Interview mit BW24 sagte Grupp vor kurzem, dass Amerika nicht unschuldig am Ukraine-Krieg sei. Dort äußerte er auch den Verdacht, dass „der Amerikaner im Hintergrund alles steuert“. Im SWR1-Interview darauf angesprochen, antwortet Grupp: „Ich sage nur, vieles wurde von den USA - beispielsweise von Botschaftern - versprochen. Nach der Wiedervereinigung hat man zum Beispiel Russland versichert, dass man nicht näher ranrückt. Ob es richtig war, manche Länder in die NATO aufzunehmen, das müssen die Politiker entscheiden.“

Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs sind für Unternehmer Wolfgang Grupp schon seit einiger Zeit deutlich spürbar. Laut des Trigema-Chefs hätten sich die monatlichen Gaskosten in seinem Unternehmen im Vergleich zum Jahr 2020 ungefähr verzehnfacht - von rund 100.000 Euro im Monat auf aktuell rund eine Million Euro im Monat.

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