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Wolfgang Grupp bedient Kunden bei Trigema persönlich an der Kasse

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Von: Sina Alonso Garcia

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Wolfgang Grupp persönlich in einer Filiale
Ihn erwartet man eigentlich nicht hinter der Kasse - doch Trigema-Chef Wolfgang Grupp hilft tatsächlich manchmal in einer Filiale aus. © Benjamin Köbler-Linsner/IMAGO/photothek (Fotomontage BW24)

Einen Unternehmer, der seine Firma so unkonventionell führt wie Wolfgang Grupp wird man in Deutschland nur noch selten finden. Auch mit 80 Jahren geht der Trigema-Chef täglich in die Firma - und hilft ab und zu an der Kasse in einer Filiale aus.

Burladingen - Trigema-Chef Wolfgang Grupp gilt durch und durch als Unternehmer der alten Schule. In einem Alter, in dem sich andere wohl längst zur Ruhe gesetzt hätten, gibt er weiterhin alles für seine Firma. Täglich dort zu erscheinen und das Geschehen zu leiten, ist für ihn selbstverständlich. Dabei mag so mancher Aspekt seines Arbeitsalltags unkonventionell wirken. So verzichtet das Trigema-Oberhaupt etwa auf einen Computer und lässt sich alle Mails ausdrucken. Grupp hält wenig von digitalen Medien und pflegt den direkten Austausch mit seinen Mitarbeitern. Auch Kunden in den Filialen bekommen ihn ab und an zu Gesicht. Wie ein Blogger, der zufällig bei Trigema einkaufen war, verwundert feststellte, bediente ihn der Firmenpatriarch persönlich in einer Testfiliale in Weitnau.

„Heute hatte ich ein faszinierendes Erlebnis im Trigema-Shop in Weitnau“, schreibt der Blogger Benjamin Köbler-Linsner in einem Beitrag auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn. „Ich wurde von niemand geringerem als Herrn Wolfgang Grupp Senior persönlich bedient. Ihm sei es wichtig, den Kundenkontakt aufrecht zu erhalten, so der Unternehmer. Da seine Jagdhütte in der Nähe sei, komme er Samstags öfter in die Filiale nach Weitnau. Hut ab!“ Als Beweis postet Köbler-Linsner einen Kassenzettel, auf dem als Bediener „Herr Grupp“ vermerkt ist.

Wolfgang Grupp bedient an Trigema-Kasse - und erzählt Kunden Geschichten aus seinem Leben

Wolfgang Grupps Präsenz in der Filiale scheint nicht nur den Blogger zu erstaunen. Mehr als 5.000 LinkedIn-Nutzer gaben dem Beitrag einen Daumen nach oben, mehr als 300 kommentierten ihn (Stand: 11. Oktober 2022, 12.38 Uhr). Eine Nutzerin möchte wissen, wie die Begegnung mit Grupp verlief: „Gab es einen Unterschied im Shopping-Erlebnis?“ Köbler-Linsner erwidert: „Ganz ehrlich: Ich hatte zunächst keine Ahnung, wer da hinter der Theke steht. Erst, nachdem wir gezahlt hatten, hat mich mein Freund darauf hingewiesen, wer uns gerade bedient hat.“ Danach habe man sich sympathisch mit Herrn Grupp unterhalten. Dieser schien sehr redselig zu sein. „Er erzählte, dass er in der Vergangenheit Aufträge von Aldi abgelehnt hat. Weil er bei deren Preispolitik seine Leute nicht fair beschäftigen konnte. Dann folgten noch einige Eindrücke aus seiner Schulzeit im Internat.“

Während einer der Kommentatoren auf LinkedIn findet, Grupps Anwesenheit im Shop sei ein „großartiges Erlebnis mit enormer Strahlkraft für sein Unternehmen“, sehen andere die beschriebene Situation kritischer. Ein Nutzer stellt infrage, „ob man das jetzt abfeiern muss“. „Ist das denn wirklich normal, dass ein Mensch in seiner Position selbst im Laden steht? Ich würde das mal stark bezweifeln.“ Andere fragen sich, ob das Aufeinandertreffen des Bloggers mit Grupp wirklich Zufall oder inszeniert war. Köbler-Linsner bestreitet diese Vorwürfe jedoch - und erklärt, dass er selbst bei einem Unternehmen angestellt ist, das mitunter Kleidung vertreibt. „Daher habe ich kein Interesse an einer Marketingwerbung für Trigema.“

Wolfgang Grupp wird im Netz gefeiert: „Ausnahme-Unternehmer“, „habe großen Respekt“

Insgesamt erhält Grupp für seine Aktion viel Zuspruch. „Herr Grupp ist ein Ausnahme-Unternehmer, auch weil er verstanden hat, wie unverzichtbar direkter Austausch mit Kunden für den Unternehmenserfolg ist“, schreibt ein LinkedIn-Nutzer. „Wer sich über Wolfgang Grupp informiert hat, der weiß, dass es keine Marketing-Aktion oder billige Show ist“, ist ein weiterer User überzeugt. „Der Mann tickt wirklich so. Ich habe sehr großen Respekt vor ihm. Seine Denkweise könnte vielen, sehr vielen Unternehmern als Beispiel dienen. Und die konsequente Haltung, in Deutschland zu produzieren, gehört da meines Erachtens auch dazu.“

Seiner Außenwirkung ist sich Grupp offenbar durchaus bewusst. „Ich vertrete Werte, die viele Menschen vermissen“, sagte der Trigema-Chef in einem Interview mit dem Schwarzwälder Boten. Dort erklärte er auch, dass es ihm neben Anstand und Respekt auch wichtig sei, Verantwortung zu übernehmen. Als eingetragener Kaufmann haftet er persönlich für Trigema. Sein Credo: „Kassieren, wenn es gut läuft und in schwierigen Zeiten Verluste dem Steuerzahler überlassen, das darf sicher nicht sein! Unsere Welt ist so verrückt. Ich schätze die alten Werte, ich bin traditionell. Ich hafte für alles, garantiere die Arbeitsplätze. Wenn ich jemanden bitte, bei mir zu arbeiten, dann kann ich ihn nach fünf Monaten nicht wieder entlassen! Ich verlange, dass jeder seine Leistung bringt - dafür gebe ich ihm eine sichere Arbeit.“ Erst kürzlich beruhigte Grupp seine Mitarbeiter: Trotz der Energiekrise seien bei Trigema keine Entlassungen geplant.

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