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„Große Katastrophe“: Wolfgang Grupp macht sich Sorgen um Trigema

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Von: Sina Alonso Garcia

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Wolfgang Grupp bei Maischberger
Wolfgang Grupp sprach in der ARD-Sendung „Maischberger“ Klartext. © WDR/Oliver Ziebe

Die Firma Trigema aus Burladingen kämpft derzeit mit steigenden Energiepreisen. Unternehmenschef Wolfgang Grupp fürchtet, dass der Kostenwucher nicht mehr lange durchhaltbar ist.

Burladingen - Zuerst die Corona-Pandemie, jetzt der Ukraine-Krieg: Derzeit scheint eine Krise nach der nächsten die Wirtschaft zu beuteln. Auch Unternehmer Wolfgang Grupp spricht von fatalen finanziellen Auswirkungen, die seine Textilfirma Trigema derzeit belasten. In der Sendung Maischberger (ARD) erklärt er, dass die hohen Gaskosten für das Unternehmen auf Dauer „nicht durchhaltbar“ seien. Zwar sei die Nachfrage nach Trigema-Produkten zumindest im Moment noch nicht gesunken - dennoch fürchtet er, dass ihm irgendwann die Kunden wegbrechen könnten: „Wenn die Inflation in dieser Form galoppiert und die Verbraucher immer weniger zum normalen Leben haben, weil alle Preise teurer werden, dann ist natürlich zu erwarten, dass irgendwann unser Produkt nicht mehr gekauft wird.“

Grupp ist überzeugt: „Wenn man es sich nicht mehr leisten kann, wird als erstes an der Kleidung gespart. Das war früher nach dem Krieg so und könnte jetzt wieder kommen.“ Moderatorin Sandra Maischberger bringt einen weiteren Problempunkt ins Spiel: „Noch ist es nicht so weit, aber was Sie jetzt schon spüren, sind die steigenden Energiepreise. Wie stark sind die bei Ihnen jetzt gestiegen?“ Resigniert erwidert Grupp: „Das ist für uns im Moment die größte Schwierigkeit - eine große Katastrophe. Wenn man daran denkt, dass wir 2020 im Schnitt pro Monat 100.000 Euro Gaskosten gehabt haben. 2021 sind sie auf 200.000 gestiegen, also 1,2 Millionen Euro im Jahr mehr. Und jetzt liegen sie zwischen 500.000 und 600.000 pro Monat. Das heißt, wir zahlen jetzt insgesamt fünf Millionen mehr als vergangenes Jahr und sechs Millionen mehr als 2020.“

Trigema-Chef Wolfgang Grupp: 100 Prozent Eigenstromherstellung im Unternehmen

Was viele vermutlich nicht wissen: Trigema stellt aus Gas selber Strom her. „Sie haben 100 Prozent Eigenstromherstellung“, sagt Maischberger. „Und Sie machen das mit Gas und haben das umgestellt von Öl, was Sie früher hatten?“ Wie Grupp bestätigt, habe man 1986 von Öl auf Gas umgestellt und Gasturbinen angeschafft. „Wir haben eine 1.000-Kilowatt-Gasturbine und eine 600-Kilowatt-Gasturbine und machen damit 100 Prozent Eigenstrom. Wir brauchen ja sehr viel Strom. Wir betreiben Hunderte Nähmaschinen, Strickmaschinen, Färbereimaschinen und so weiter.“ Drei Jahre nach der Einführung der Gasturbinen sei die Firma sogar noch dafür subventioniert worden. Heute würde er dafür „bestraft“, dass er alles so umgesetzt habe, wie die Politik es damals gewollt habe.

Wolfgang Grupp zum Ukraine-Krieg: „Wir müssen eine diplomatische Lösung finden“

Fünf bis sechs Millionen Euro im Jahr seien für ihn auf Dauer nicht tragbar, so Grupp. „Wir machen nicht jedes Jahr fünf oder sechs Millionen Euro Gewinn. Natürlich kann ich die Verluste aufgrund von 100 Prozent Eigenkapital noch ausgleichen im Moment - aber wie lange, kann ich nicht beurteilen.“ Es gebe zwar bald eine neue Gasturbine, die zu 30 Prozent auch mit Wasserstoff betrieben werden könne. Das sei aber erst in drei, vier Jahren möglich. Und auch, wenn Grupp alle Firmendächer mit Solaranlagen ausstatten würde, könnten diese nur wenige Prozent des Strombedarfs abdecken.

In Hinblick auf den Ukraine-Krieg erklärte Grupp: „Wir müssen eine diplomatische Lösung finden und nicht über Krieg und Waffenlieferungen das Problem lösen.“ Da die Wirtschaft dringend darauf angewiesen sei, befürwortet Grupp sogar Gasimporte aus Russland.

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