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Wolfgang Grupp Jr. plant bei Trigema „Polohemd-Automat“ als Ersatz für Näherinnen

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Von: Sina Alonso Garcia

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Trigema Co-Chef Wolfang Grupp Junior neben einer Näherin an einer Maschine
Trigema Co-Chef Wolfgang Grupp Junior will in Zukunft auf einen Automaten setzen, der Polohemden herstellen und damit Näherinnen ersetzen kann. © IMAGO / Panthermedia / Bernd Weißbrod/dpa (BW24-Collage)

Automatisierung nimmt in der Wirtschaft inzwischen überhand. Auch Trigema Co-Chef Wolfgang Grupp Jr. will auf mehr Technik statt auf Personal setzen.

Burladingen - Das Familienunternehmen Trigema mit Sitz in Burladingen (Baden-Württemberg) gilt als der größte deutsche Textilproduzent. In der Coronakrise stellte der Textilkonzern seine Produktion um und produzierte neben Kleidung auch Masken. Als ein Maschinenbauer aus Südhessen davon las, kontaktierte er den Textilriesen und bot an, den Prozess zu automatisieren. Zwar wurde aus dem Masken-Automaten nichts. Stattdessen träumt Trigema-Co-Chef, Wolfgang Grupp Junior, nun von einem „Polohemd-Automaten“ - und lässt sich dessen Entwicklung rund eine halbe Million Euro kosten.

Wie Wolfgang Grupp Junior gegenüber der WirtschaftsWoche erklärte, gebe es in Burladingen nicht genug Näherinnen und Näher. Noch bestehe zwar kein Personalengpass, jedoch müsse man das Thema „rechtzeitig angehen“. Die Produktion ins Ausland zu verlagern, kommt für das Traditionsunternehmen nicht infrage. Nicht umsonst lautet der Firmen-Slogan „100 Prozent made in Germany“. Statt Mitarbeiter zu ersetzen, verfolge man das Ziel, den Standort Deutschland zu sichern - wofür Automatisierung eine Hilfe sei.

Wolfgang Grupp Jr. erklärt die Idee für den Polohemd-Automaten bei Trigema

Seit 2015 ist Wolfgang Grupp Junior gemeinsam mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Bonita Mitglied der Geschäftsleitung. Nachdem ihr Vater Wolfgang Grupp Senior viele Jahrzehnte an der Spitze des Unternehmens stand, soll eines der Kinder die Firma in Zukunft übernehmen. Während Bonita für den Bereich Onlinehandel und Personal verantwortlich ist, leitet Wolfgang Junior den Bereich B2B und ist IT-Projektleiter.

Die konkrete Idee für einen Polohemd-Automaten entstand, als die Chefs der Firma „3Defacto“ in Mühltal bei Darmstadt anboten, einen Automaten für Trigema zu bauen, der Masken aus Stoff näht. Als die hessische Firma ihr Konzept präsentierte, war allerdings die Nachfrage nach Stoffmasken nicht mehr so hoch wie zuvor und Trigema stoppte die Produktion. Stattdessen reifte beim Trigema-Juniorchef die Vorstellung, einen solchen Automaten für die Produktion von Kleidung einzusetzen. „Die Firma 3Defacto versucht, einen solchen Spezialautomaten für uns zu entwickeln“, so der Grupp-Junior gegenüber der WirtschaftsWoche.

Polohemd-Automat könnte im Akkord produzieren

Wenn die Pläne von Trigema aufgehen, könnte der Polohemd-Automat innerhalb von nur einer Minute ein fertiges Polohemd produzieren. Eine Näherin oder ein Näher braucht hingegen fünfzehn Minuten. Noch handelt es sich nur um Berechnungen. Falls das Konzept so umgesetzt werden kann wie geplant, könnte Trigema bald im Akkord Shirts produzieren und damit die Produktionszahl erhöhen. Immerhin zwei Mitarbeiter sind laut des Grupp-Juniors noch nötig, um die Maschine zu bedienen.

Wie Wolfgang Grupp Junior gegenüber der WirtschaftsWoche betonte, handle es sich bei dem Projekt bislang lediglich um ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Man müsse jetzt abwarten, was daraus entstehe. „Ich gehe aber schwer davon aus, dass zumindest eine Teilautomatisierung herauskommt“, sagte er. Obwohl die Automatisierung in der Wirtschaft voranschreitet, sehen die meisten Deutschen dadurch bislang keine Bedrohung ihrer Arbeit.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Die Automatisierung von Prozessen ist derweil auch in anderen Branchen ein Thema, das stetig an Bedeutung zunimmt. In Filialen der Drogeriekette dm beispielsweise könnten ferngesteuerte Roboter in Zukunft den Einkauf erledigen.

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