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Wolfgang Grupp will nicht zum Weltwirtschaftsforum: „Habe dort nichts zu suchen“

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Von: Sina Alonso Garcia

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Während sich die Wirtschaftselite derzeit in Davos versammelt, meidet ein deutscher Unternehmer das Event. Trigema-Chef Wolfgang Grupp fühlt sich als Mittelständler nicht ausreichend repräsentiert.

Burladingen - Nach zwei Jahren Corona-Pause ist es wieder so weit: Beim Weltwirtschaftsforum in Davos versammelt sich seit dem 22. und noch bis zum 26. Mai 2022 alles, was in der internationalen Wirtschaft Rang und Namen hat. Rund 3.000 Unternehmen, Staatsbeamte, Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft besuchen das Event - und diskutieren wichtige Themen der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Unter den hunderten Konzernchefs und Staatsführern sucht man einen Mittelständler aus Baden-Württemberg allerdings vergeblich: Trigema fühlt sich neben den großen Fischen nicht ausreichend repräsentiert.

Obwohl er mit Sicherheit eine Eintrittskarte bekommen hätte, hält Trigema-Chef Wolfgang Grupp nichts davon, dem Treffen in Davos beizuwohnen. „Ich habe da nichts zu suchen“, sagt er im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Trigema sei ein mittelständisches Unternehmen, kein Weltmarktführer. Die weltwirtschaftlichen Diskussionen in Davos haben mit seiner Lebensrealität offenbar wenig zu tun. „Ich kümmere mich lieber um meine Probleme vor Ort. Da gibt es zurzeit genug Themen.“

Wolfgang Grupp: Trigema-Chef ist nicht der einzige Mittelständler, der Davos meidet

Ähnlich wie Grupp geht es auch einem anderen Mittelständler aus dem Schwabenland. Maschinenbauer Trumpf aus Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) nimmt ebenfalls nicht am Wirtschaftsforum teil. „Wir sehen solche Großveranstaltungen nicht als den geeigneten Ort an, um uns als Unternehmen des Mittelstands in unseren spezifischen Positionen zu präsentieren, die uns und anderen Firmen der Branche unter den Nägeln brennen“, sagt ein Trumpf-Sprecher.

Trigema-Chef Wolfgang Grupp sitzt an einem Schreibtisch.
Seit 1969 führt Wolfgang Grupp den Textilhersteller Trigema. © Bernd Weißbrod/dpa

Wie Trumpf betonte, prüfe man als Mittelständler bei öffentlichen Auftritten stets im Voraus, wo man seine Botschaften setzen könne, „damit sie auch gehört werden“. Für den Ausbau bestehender Kundenbeziehungen sei Davos jedoch „nicht relevant“ für Trumpf. Obwohl das Unternehmen das World Economic Forum (WEF) durchaus als wichtige Zusammenkunft von politischer und wirtschaftlicher Elite wertschätzt, sieht Trumpf den Mittelstand dort - genau wie Grupp - schlichtweg unterrepräsentiert.

Davos spricht über Ukraine-Krieg und Klimaschutz, Trigema kämpft um Existenz

Während in Davos Themen wie der Ukraine-Krieg, die Weltwirtschaft und der Klimaschutz auf der Tagesordnung stehen, kämpft Trigema derzeit mit ganz anderen Problemen. In Folge des russischen Angriffskriegs stieg die Gasrechnung der Firma von 100.000 auf 600.000 Euro. „Wenn das so weitergeht, dann müssten wir die Produktion einstellen“, warnte der Trigema-Chef. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation bei Trigema sprach sich Grupp klar für Gasimporte aus Russland aus. „Die Wirtschaft braucht es“, so sein Statement. Auf die Politik vertraut er in Krisenzeiten nicht.

Die Vorbehalte des Mittelstands gegenüber dem WEF kann Markus Jerger, Chef des Mittelstand-Bundesverbandes BVMW, gut nachvollziehen. „Der Mittelstand muss endlich von der Ersatzbank aufs Spielfeld“, sagte er der WirtschaftsWoche. „Der Mittelstand - nicht nur aus Deutschland - findet in Davos nicht statt.“ Das World Economic Forum scheine sich auch bei seinem fünfzigsten Treffen und nach zweijähriger Corona-Pause selbst genug zu sein. „Dabei ist es gerade jetzt von größter Bedeutung, das für Arbeitsplätze, Wachstum und Wohlstand stehende Rückgrat der dort anwesenden Staaten in die Entwicklung der Post-Corona-Strategien von Anfang an einzubinden.“ Verbände, die den Mittelstand repräsentieren, könnten dazu laut Jerger entscheidende Beiträge liefern. Er sei sich sicher, wenn klein- und mittelständische Betriebe eine Stimme bei diesem zweifelsfrei wichtigen Zusammentreffen in den Schweizer Bergen erhalten würden, „wären die Vorbehalte gegen das WEF in der Öffentlichkeit wesentlich geringer“.

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