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WM in Katar: Dinkelacker glaubt trotz Umständen an Fans „die sich die Lust am Fußball nicht vermiesen lassen“

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Von: Julian Baumann

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Links: Wappen und Schriftzug der Familienbrauerei Dinkelacker. Rechts: Bierglas mit Schaum in Form der Umrisse von Katar.
Bierkonsum und Fußballfest? In diesem Jahr aufgrund mehrerer Faktoren schwierig. Die Familienbrauerei Dinkelacker ist dennoch zuversichtlich. © Lindenthaler/Imago & agefotostock/Imago (Fotomontage: BW24)

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ist nicht nur stark umstritten, sondern auch die erste, die im Winter stattfindet. Die Brauereien können deshalb nicht auf Einnahmen wie bei den bisherigen Wettbewerben hoffen.

Stuttgart - Egal ob im Stadion auf den Rängen oder in der Kurve oder gemütlich daheim auf dem Sofa: Zum Fußballschauen gehört für viele Fans ein kühles Bier dazu. Beim größten Fußballwettbewerb überhaupt, der Weltmeisterschaft, sind normalerweise die Bars und Kneipen und auch die Biergärten rege besucht. Bei der aktuell laufenden WM in Katar sieht das anders aus. Zum einen ist die WM 2022 die erste überhaupt, die im Winter stattfindet - zum anderen steht das Gastgeberland aufgrund von Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. „Beim Thema Menschenrechte darf es keine Kompromisse geben“, sagte auch ein Gewerkschafter zur WM in Katar.

Eben weil die WM im Winter stattfindet, fällt das übliche Public Viewing auf großen Plätzen weg. Einige Kneipen und Bars in Deutschland boykottieren den Wettbewerb zudem und strahlen die Spiele nicht aus. Auch VfB-Legende Timo Hildebrand sagte, „man kann die WM in Katar boykottieren“. Die Stuttgarter Brauerei Dinkelacker-Schwaben Bräu erklärte auf Anfrage von BW24, dass die Winter-WM in Sachen Umsatz nicht mit den bisherigen Fußball-Weltmeisterschaften vergleichbar sei. Dennoch glaubt das Familienunternehmen, dass viele Fans sich von den schwierigen Umständen rund um das Turnier die Lust am Fußball und auch die Lust an einem kühlen Bier nicht vermiesen lassen.

Dinkelacker-Marketing-Leiter: „WM in Katar ist nicht mit einer WM in der Vergangenheit vergleichbar“

Statt einem Bier könnte man bei den aktuellen Temperaturen schon eher einen Glühwein trinken, aber auch viele Weihnachtsmärkte - auch der in Stuttgart - haben die Ausstrahlung der WM-Spiele abgelehnt. Ob der Wettbewerb in diesem Jahr ähnliche Einkünfte wie die Turniere zuvor bringen wird, wird bei den deutschen Brauereien deshalb bezweifelt. „Generell ist die WM in Katar nicht mit einer WM in der Vergangenheit vergleichbar“, erklärte auch Stefan Seipel, Leiter Marketing der Familienbrauerei Dinkelacker auf BW24-Anfrage. „Dies liegt, neben der einer teilweisen Ablehnung der Bevölkerung aufgrund der Umstände in Katar, vor allem auch an der Jahreszeit.“

Einige Gastronomiekunden von Dinkelacker würden trotz der Umstände Übertragungen anbieten und auf Fußball-Übertragungen setzen, so Stefan Seipel. Die Frage sei jedoch, ob das Unternehmen die Umsätze während der Winter-WM in Katar mit denen „einer WM im Juni/Juli, die natürlich eher einen Push bringt“ vergleichen kann, oder eher mit dem, was die Brauerei normalerweise im November und Dezember verkauft. Auch bei Krombacher hieß es der WirtschaftsWoche zufolge, eine zuverlässige Prognose sei bei der „aktuellen Gemengelage“ kaum möglich.

Dinkelacker glaubt, dass Fans sich die „Lust und die Freude am Fußball“ nicht vermiesen lassen

Die Umstände in Katar bereiten auch anderen Brauereien in Deutschland in Bezug auf ihren Absatz Sorgen. „Die aktuelle WM in Katar gehört sicherlich zu den umstrittensten Fußballweltmeisterschaften, die es je gab“, sagte eine Sprecherin von Bitburger der WirtschaftsWoche. Veltins sprach sogar von einem „weitreichenden Strömungsabriss der ansonsten flammenden Fußballbegeisterung“ in Deutschland. Dass die WM in Katar bei weitem nicht die Begeisterung der bisherigen Wettbewerbe erreicht, zeigt auch die Reaktion von Profi-Fußballern. FC-Bayern-Stürmerin Lea Schüller verzichtet beispielsweise auf die WM-Spiele.

Dinkelacker ist in Bezug auf das Fußballfieber in den eigenen vier Wänden zuversichtlicher. „Generell glauben wir, dass es doch einige Fußball-Fans gibt, die sich durch die zugegebenermaßen sehr bedenklichen Umstände und Rahmenbedingungen nicht die Lust und die Freude am Fußball vermiesen lassen werden“, führte Stefan Seipel gegenüber BW24 aus. Wie viel Bier die deutschen Brauereien während der Zeit der WM in Katar verkaufen können, hängt noch von einem weiteren Faktor ab. „Wie bei jeder WM oder EM spielt hierbei auch das Abschneiden der deutschen Elf eine große Rolle, wie groß und breit die Begeisterung dann werden kann.“

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