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Ukrainischer Außenminister: Bosch hat Komponenten geliefert, „damit Fahrzeuge unsere Städte zerstören können“

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Von: Julian Baumann

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Der ukrainische Außenminister erhob bei „Anne Will“ schwere Vorwürfe gegen Bosch. Der Konzern soll Hauptkomponenten für russische Panzer geliefert haben.

Stuttgart - Im Zuge des anhaltenden Kriegs in der Ukraine geriet vor kurzem der Autokonzern Mercedes-Benz in die Kritik. Mercedes arbeitete mit einem Panzerwagenhersteller aus Russland zusammen. In der Talkshow „Anne Will“ erhob der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba nun schwere Vorwürfe gegen einen weiteren Konzern aus Stuttgart. Der Automobilzulieferer und Maschinenbauer Bosch soll die russische Armee, die am 24. Februar entgegen dem Völkerrecht in die Ukraine einmarschiert ist, mit militärischen Komponenten beliefert haben.

Nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs zeigte sich die deutsche Autoindustrie in Sorge um ihre Mitarbeiter in den beiden osteuropäischen Ländern. Inzwischen haben Konzerne wie Mercedes-Benz, BMW und VW aber ihre Verbindungen zu Russland gekappt und die Lieferungen in das Land eingestellt. Bosch soll dagegen bereits im Vorfeld der Invasion geholfen haben, die derzeitige Militärmacht Russlands aufzubauen, so der Vorwurf des ukrainischen Außenministers. Die Regierung in Kiew erhofft sich dagegen mehr militärische Unterstützung aus Deutschland.

Bosch soll dazu beigetragen haben, „die aktuelle Macht von Russland aufzubauen“

In der Ausgabe von „Anne Will“ im ARD am Sonntagabend (13. März) ging es um den Angriff auf die Ukraine und die Frage, wie Putins Krieg beendet werden könne. Im Rahmen der Sendung erhob Dmytro Kuleba, Außenminister der Ukraine, schwere Vorwürfe gegen Deutschland. „Es tut mir leid, das sagen zu müssen“, sagte der Politiker. „Aber Sie haben dazu beigetragen, die aktuelle Macht von Russland mit aufzubauen.“

Den Stuttgarter Konzern Bosch hob Kuleba dabei als negatives Beispiel hervor. „Vor ein paar Tagen hat unsere Armee russische Infanteriefahrzeuge für sich aufgetan“, erklärte er in der Talkshow. „Und wir haben in eines dieser Fahrzeuge hineingeschaut und gesehen, dass eines der Hauptkomponenten, die das Fahrzeug mit antreiben, tatsächlich von Bosch geliefert wurde.“ Demnach habe Bosch jahrelang wichtige Komponenten für das russische Militär geliefert, „damit diese Fahrzeuge in die Ukraine einmarschieren und unsere Städte zerstören können“, so Kuleba.

Der Außenminister der Ukraine sagte weiter, er finde es nicht fair, dass Deutschland über mehrere Jahre eine groß angelegte Verteidigungszusammenarbeit mit Russland unterhalten habe. Da Deutschland und die Ukraine Partnerländer seien, erwarte die Regierung in Kiew eine größere Unterstützung. Besonders „sollten wir die Unterstützung mit allen nötigen Waffen bekommen, damit wir unser Land verteidigen können“, erklärte Kuleba bei „Anne Will“.

Stuttgarter Konzern widerspricht Vorwürfen: „Grundsätzlich vertreibt Bosch keine Waffen“

Nach der Folge von „Anne Will“ am Sonntagabend und die darin getätigten Vorwürfe des ukrainischen Außenministers gegen Bosch, meldeten sich auf Twitter zahlreiche Nutzer zu Wort. „Das ist eigentlich unglaublich“, schreibt ein User unter dem Hashtag #Bosch. „Andererseits ist es aber nichts Neues, dass deutsche Technik Diktatoren hilft.“ Ein anderer Nutzer ist der Meinung, die Lieferung von Bosch an das russische Militär habe „die Steuereinkünfte in Deutschland erhöht, von denen nun wieder Hilfe und Waffen für die Ukraine finanziert werden.“

Dmytro Kuleba, Außenminister der Ukraine. Recht oben: Die Zentrale von Bosch in Stuttgart.
Der ukrainische Außenminister erhob schwere Vorwürfe gegen Bosch. Der Stuttgarter Konzern widerspricht. © Harry Melchert/dpa und Gleb Garanich/dpa/Pool Reuters/AP (Fotomontage: BW24).

Inzwischen hat sich der Konzern Bosch selbst zu Wort gemeldet und bestreitet die Vorwürfe. Die vom ukrainischen Außenminister genannten Komponenten seien nicht von Bosch an den Fahrzeughersteller geliefert worden, auch wenn es sich dabei um einen Teil aus der eigenen Produktion handele, teilte der Konzern am Montag (14. März) am rechtlichen Hauptsitz in Gerlingen mit.

„Für die Belieferung von russischen Automobilkunden ist in den lokalen Verträgen grundsätzlich geregelt, dass Bosch-Produkte ausschließlich für zivile Anwendungen eingesetzt werden“, hieß es in dem Statement laut der Deutschen-Presse-Agentur (dpa). „Grundsätzlich entwickelt, fertigt und vertreibt Bosch im Rahmen seiner weltweiten strategischen Ausrichtung keine Waffen sowie Systeme und Komponenten ausschließlich für wehrtechnische Anwendungen und treibt keine Forschung und Entwicklung im militärtechnischen Bereich.“

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