1. bw24
  2. Wirtschaft

Weihnachtsgeld 2022: So viel zahlen Unternehmen in Baden-Württemberg

Erstellt:

Von: Sina Alonso Garcia

Kommentare

Zum Jahresende dürfen sich viele Beschäftigte wieder auf Weihnachtsgeld freuen. Auch im wirtschaftsstarken Baden-Württemberg gibt es den Bonus in einigen Branchen. Eine Übersicht zeigt, wie viel Porsche, Kärcher, Lidl und Co. bezahlen.

Stuttgart - Selten dürften sich Arbeitnehmer in Deutschland so über Weihnachtsgeld gefreut haben wie in diesem Jahr. Angesichts der Inflation kommt die Finanzspritze Ende 2022 für viele gerade recht. Zwar bezahlen nicht alle Betriebe einen Weihnachtsbonus an ihre Angestellten, gut stehen die Chancen aber, wenn man in einem tarifgebundenen Unternehmen beschäftigt ist. So bekommen dieses Jahr 79 Prozent der Mitarbeiter von Firmen mit Tarifverträgen die Sonderzahlung. Bei Betrieben ohne Tarifvertrag sind es nur 42 Prozent. Die Höhe des Weihnachtsgeldes unterscheidet sich je nach Branche. Wie viel Unternehmen in Baden-Württemberg bezahlen, zeigt die folgende Übersicht.

Automobilindustrie: So viel bezahlen Porsche, Mercedes-Benz und Bosch

Bei den Autobauern aus Stuttgart fällt die weihnachtliche Sonderzahlung wie gewohnt äußerst erquicklich für die Beschäftigten aus. Am großzügigsten zeigt sich der Sportwagenhersteller Porsche. Laut eines Berichts der Stuttgarter Zeitung stockt Porsche die tariflich vorgegebene Bonuszahlung von 55 Prozent des Monatsgehalts wie bereits in den Vorjahren auf 100 Prozent auf - so viel gibt es sonst nirgendwo.

In der Metall- und Elektroindustrie sieht der Tarifvertrag laut IG Metall vor, dass die Angestellten im Tarifgebiet Nordwürttemberg/Nordbaden zwischen 25 und 55 Prozent eines Monatsverdienstes erhalten – je nach Betriebszugehörigkeit. Der volle Anspruch besteht meist nach 36 Monaten. Im Gegensatz zu Porsche halten sich Mercedes-Benz und Bosch beim Weihnachtsgeld an den vorgegebenen Pflichtbetrag.

Maschinenbauer: Kärcher, Stihl und Trumpf regeln Sonderzahlung unterschiedlich

Bei Kärcher aus Winnenden (Rems-Murr-Kreis) erhalten Mitarbeiter zusätzlich zum tariforientierten Weihnachtsbonus ein freiwilliges „Kärcher-Weihnachtsgeld“, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Dieses orientiert sich an der Betriebszugehörigkeit der Mitarbeiter.

Auch Stihl aus Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) orientiert sich bei der Auszahlung des Weihnachtsbonus an der Betriebszugehörigkeit der Mitarbeiter. Hier beträgt die Sonderzahlung zwischen zehn und 55 Prozent eines Monatseinkommens. Bereits im Mai erhielten die Angestellten eine Erfolgsprämie in Höhe von 75 Prozent eines Monatsgehalts.

Maschinenbauer Trumpf aus Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) wollte sich auf Anfrage zwar nicht zur konkreten Höhe des Weihnachtsgeldes äußern, nannte aber ebenfalls die Betriebszugehörigkeit und die Entgeltgruppe als entscheidende Kriterien. Darüber hinaus verwies das Unternehmen auf die Gewinnbeteiligung, die dieses Jahr 2.400 Euro brutto beträgt.

Handel: Lebensmittel-Riesen Kaufland und Lidl halten sich an tarifliche Vorgaben

Bereits Ende Oktober hat die Schwarz-Gruppe, zu der neben Kaufland auch Lidl gehört, bekannt gegeben, dass sie die staatlich initiierte Inflationsausgleichsprämie nutzen will. Mitarbeiter bekommen zum Jahresende also 250 Euro zusätzlich in ihrer Entgeltabrechnung. Mit dem tariflich geregelten Weihnachtsgeld hat dieser Bonus allerdings nichts zu tun.

Der Tarifvertrag im Einzelhandel sieht vor, dass Mitarbeiter als Weihnachtsbonus 62,5 Prozent des individuellen Tarifentgelts erhalten. Das schreibt die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft verdi. Allerdings gilt diese Regelung nur dann, wenn der Beschäftigte am 1. Dezember mindestens zwölf Monate ununterbrochen beschäftigt gewesen ist. Sollte dies nicht der Fall sein, wird die Sonderzahlung meist anteilig berechnet.

Lidl und Kaufland wollen sich, wie auch in den vergangenen Jahren, beim Weihnachtsgeld an die Tarifverträge halten. Auf Anfrage von echo24.de hatte auch eine Kaufland-Sprecherin im vergangenen Jahr mitgeteilt, dass das Weihnachtsgeld je nach Tarifgebiet zwischen 50 und 62,5 Prozent des jeweiligen monatlichen Bruttogehalts betrage.

Handel: dm bezahlt Weihnachtsgeld, Aldi Süd und Edeka machen keine Angaben

Wie Christian Harms, Geschäftsführer der Drogeriekette dm, gegenüber der Stuttgarter Zeitung erklärte, dürfen sich die dm-Mitarbeiter im Dezember über eine Sonderzahlung freuen. Mit der Maßnahme, für die der Drogerieriese insgesamt 16 Millionen Euro aufbringt, will dm laut Harms dazu beitragen, der Inflation und dem Anstieg der Lebenshaltungskosten entgegenzuwirken.

Konkrete Angaben zum Weihnachtsgeld wollten sowohl Aldi Süd als auch Edeka nicht machen. Aldi Süd erklärte aber, dass das Gehalt der Mitarbeiter in der Regel über dem tariflich vorgegebenen Betrag liege. Bei Edeka wird ein Großteil der Märkte von selbständigen Kaufleuten betrieben, welche die Vergütung selbst regeln.

Handel: Ritter Sport verteilt Sonderzahlung auf Sommer und Winter, Breuninger zahlt freiwilliges Weihnachtsgeld

Leer gehen an Weihnachten auch die Mitarbeiter des Schokoladenherstellers Ritter Sport aus Waldenbuch (Kreis Böblingen) nicht aus. Im Gegenteil: Dort bekommen die Beschäftigten laut Stuttgarter Zeitung ein 13. Monatsgehalt, von dem die eine Hälfte allerdings bereits im Sommer ausgezahlt wurde. Rechnet man den Betrag im Sommer nicht mit ein, entspricht das Weihnachtsgeld hier also einem halben Monatsgehalt. Auch die Mitarbeiter, die keine Tarifverträge haben, erhalten eine individualvertraglich geregelte Sonderzahlung. Die Warenhauskette Breuninger mit Sitz in Stuttgart zeigt sich ebenfalls großzügig und bezahlt ihren Angestellten ein Weihnachtsgeld, das einem halben Monatsgehalt entspricht.

Textilhersteller Trigema: Kein Weihnachtsgeld, aber Inflationsausgleich

Wolfgang Grupp, Geschäftsführer des Textilherstellers Trigema aus Burladingen (Zollernalbkreis), wetterte im Oktober noch gegen einen Inflationsausgleich für seine Mitarbeiter. „Die Regierung soll Geschenke, die sie verteilt, gefälligst selber bezahlen“, sagte er gegenüber dem Schwarzwälder Boten. Inzwischen hat Grupp seine Meinung offenbar geändert. So bestätigte seine Pressestelle, dass alle Vollzeitbeschäftigten ab 1. Oktober 100 Euro Inflationsprämie pro Monat erhalten, Teilzeitbeschäftigte anteilig. Die Regelung gelte vorerst bis Ende des Jahres. Dann solle die wirtschaftliche Lage neu bewertet und über eine Verlängerung entschieden werden. Ein separates Weihnachtsgeld bezahlt Trigema seinen Mitarbeitern aber nicht, wie Angestellte auf der Arbeitgeberbewertungsplattform Kununu schreiben.

Gastronomie: Sonderzahlung für Tarifangestellte, freiwillige Zahlungen in vielen Betrieben

Die Corona-Pandemie hat die Gastronomie in eine Personal-Krise gestürzt. Einige ehemalige Mitarbeiter haben sich wegen der vielen Lockdowns einer neuen Beschäftigung zugewandt. Wer während der Corona-Krise seinen Job weiter ausüben konnte, darf sich jedoch in diesem Jahr über Weihnachtsgeld freuen. Wie Daniel Ohl vom Hotel- und Gaststättenverband Deutschland (Dehoga) gegenüber der Stuttgarter Zeitung mitteilt, erhalten Mitarbeiter im baden-württembergischen Hotel- und Gaststättengewerbe, die zum 1. November länger als zwei Jahre in ihrem Betrieb beschäftigt waren, eine Sonderzahlung in Höhe von 750 Euro. Wer in Teilzeit angestellt ist, hat ebenfalls einen anteiligen Anspruch auf den Bonus. Die Sonderprämie ist im Manteltarifvertrag des Hotel-und Gaststättengewerbes festgelegt. Laut Ohl zahlen viele Gastronomiebetriebe sogar ein 13. Monatsgehalt.

IT-Branche: Leistungsbezogene Boni statt Weihnachtsgeld

Der Softwareriese SAP mit Sitz in Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) bezahlt seinen Mitarbeitern kein Weihnachtsgeld aus. Traditionell gibt es bei dem Unternehmen aber eine Sonderzahlung, die teilweise an den Erfolg gekoppelt ist. Je nach Tätigkeit und Bereich werden die Boni leistungsbezogen ermittelt. Auch die Softwareunternehmen GFT aus Stuttgart und Bechtle aus Neckarsulm sehen von einem Weihnachtsgeld ab.

Handwerk: Weihnachtsgeld sowohl in tariflich gebunden als auch in nicht tariflich geregelten Anstellungsverhältnissen üblich

Im Handwerk gibt es keine allgemeingültige Regel fürs Weihnachtsgeld. In den meisten Fällen ist die Sonderzahlung über einen Tarifvertrag geregelt. Wie Peter Haas, Hauptgeschäftsführer des Baden-Württembergischen Handwerktags gegenüber der Stuttgarter Zeitung sagt, sei ein Weihnachtsgeld aber auch in nicht tariflich gebunden Betrieben üblich. Die Höhe bewege sich zwischen 20 Prozent und fast 100 Prozent eines Monatsgehalts.

Banken und Versicherungen zeigen sich großzügig beim Weihnachtsgeld

Auch Banken und Versicherungen zeigen sich großzügig, wenn es um die Sonderzahlung an Weihnachten geht. Laut Stuttgarter Zeitung bezahlt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ihren Mitarbeitern ein über den Tarif geregeltes 13. Monatsgehalt. Zudem erhalten alle Beschäftigten einen Inflationsausgleich in Höhe von jeweils 2.000 Euro. Angestellte der Allianz-Versicherung in Stuttgart bekommen eine tariflich geregelte Sonderzahlung, die 80 Prozent eines Monatsgehalts beträgt.

Baubranche und Energiebranche: So viel zahlen Züblin und EnBW

Das Bauunternehmen Züblin, das zum Strabag-Konzern gehört, zahlt seinen Mitarbeitern ein tariflich geregeltes Weihnachtsgeld. Gewerbliche Arbeitnehmer erhalten laut Stuttgarter Zeitung das 123-fache des Gesamtstundenlohns, Angestellte 72 Prozent des Tarifgehalts. Auch beim Energieanbieter EnBW läuft die Regelung zum Weihnachtsgeld über einen Tarif. Dieser sieht vor, dass die Angestellten eine Sonderzahlung in Höhe eines 13. Monatsgehalts bekommen.

Auch interessant

Kommentare