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Bundesfinanzminister Lindner: „Der Markt soll über die Zukunft des Verbrenners entscheiden“

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Von: Julian Baumann

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Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP, verlässt den Tagungsort für die Sondierungsgespräche.
Bundesfinanzminister und FDP-Chef Christian Lindner spricht sich in der Debatte um die Zukunft des Verbrenners weiterhin für eine Technologieoffenheit aus. © Christophe Gateau/dpa

In der Koalition ist ein Ende der Debatte um ein Verbrenner-Ende noch immer nicht abzusehen. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) spricht sich weiterhin für Technologieoffenheit aus.

Stuttgart/Berlin - Eigentlich galt ein endgültiges Verbrenner-Ende bereits als beschlossen. Autokonzern Mercedes-Benz will ab 2030 nur noch E-Autos produzieren, BMW setzt daneben auch auf eine Wasserstoff-Offensive. Laut dem EU-Entscheid sind ab 2035 nur noch Neuwagen erlaubt, die klimafreundlich sind. Was oftmals als Ende der Verbrenner-Produktion oder sogar als Verbrenner-Verbot bezeichnet wird, ist de facto keines. Synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, an denen unter anderem Porsche arbeitet, sollen auch Verbrennungsmotoren klimafreundlich antreiben können.

Weil die FDP in der Bundesregierung vehement für eine Technologieoffenheit und gegen ein endgültiges Verbrenner-Ende einstand, gestaltet sich die Frage nach der Mobilität der Zukunft in Deutschland noch immer schwierig. Der Betriebsratschef von Mercedes-Benz forderte bereits eine klare Ansage von der Politik. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sprach sich Bundesfinanzminister Christian Lindner erneut für eine Technologieoffenheit aus und dafür, dass der Markt über die Zukunft der Verbrenner entscheiden sollte.

Debatte um Verbrenner-Aus: Bundesfinanzminister überzeugt, „dass wir Technologieoffenheit brauchen“

Dass Verbrennungsmotoren, die mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden, auch nach 2035 noch verkauft werden dürfen, ist nicht nur ein Beschluss der EU-Mitgliedsstaaten, sondern auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung verankert. Porsche-Chef Oliver Blume soll sich mit Kontakten zu Christian Lindner gerühmt haben. Auf einer Mitgliederversammlung des Sportwagenbauers aus Stuttgart habe der zukünftige VW-Chef „falsche Worte“ gewählt, wie er nach einem ZDF-Bericht erklärte. „Dadurch ist ein falscher Eindruck entstanden. Das tut mir leid“, sagte Oliver Blume. Ein Sprecher hatte auf BW24-Anfrage mitgeteilt, dass Porsche ungeachtet des EU-Entscheids auf E-Fuels setzen werde.

In dem ZDF-Bericht wurde spekuliert, dass der Porsche-Chef durch seinen Kontakt zu Christian Lindner Einfluss auf die Entscheidung zugunsten von E-Fuels genommen habe. „Das war eine Falschaussage, für die sich Herr Blume entschuldigt hat“, sagte der Bundesfinanzminister erneut im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er selbst setze sich für die Marktwirtschaft ein und nicht für Einzelpersonen und bilde sich sein Urteil selbst. „Wenn ich mit einem Konzernchef spreche, der sich auf die Elektromobilität festlegt, wirft das meine Überzeugung nicht um, dass wir Technologieoffenheit brauchen und der Markt über die Zukunft des Verbrenners entscheiden sollte“, erklärte Christian Lindner.

Christian Lindner hat Porsche-Chef Blume als Experte kontaktiert - allerdings nach der Entscheidung

Porsche hatte schon früh damit begonnen, an den E-Fuels zu forschen und deshalb in Kooperation mit Siemens in Chile eine Pilotfabrik errichtet. Demnach wollte Christian Lindner Oliver Blume auch als Ansprechpartner kontaktieren. Dass er bereits vor der Entscheidung Kontakt mit dem Porsche-Chef hatte, stritt der Bundesfinanzminister im Handelsblatt-Interview erneut vehement ab. „Erst nachdem die Entscheidung stand, habe vielmehr ich mich kurz bei ihm gemeldet“, erklärte er. „Meines Wissens hat Annalena Baerbock das ebenfalls. Das ist kein Skandal, denn der Austausch mit Betroffenen und Experten ist unverzichtbar.“ Seine Position in Bezug auf die Zukunft der Verbrenner stehe aber bereits seit langem fest.

Nicht nur die Koalition ist sich bislang noch uneinig, ob die Verbrenner-Produktion mit Ausnahmen weiterlaufen oder ganz verboten werden soll, auch bei den europäischen Autoherstellern gehen die Meinungen stark auseinander. Oftmals wird kritisiert, dass durch ein endgültiges Verbrenner-Verbot auch die Plug-in-Hybride nicht mehr gebaut werden könnten. Der Renault-Entwicklungschef sagte deshalb, alles auf E-Autos zu setzen, „wäre wirklich riskant“. Der Chef von Audi befürwortete das Verbrenner-Verbot dagegen und bezeichnete es als „Riesenchance“ für Europa.

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