1. bw24
  2. Wirtschaft

Ukraine-Krieg: Putin will Russland vom Internet abkoppeln

Erstellt:

Von: Lisa Mayerhofer

Kommentare

Der russische Präsident Putin will bis Ende der Woche das Internet  in Russland kontrollieren.
Der russische Präsident Putin will bis Ende der Woche das Internet in Russland kontrollieren. (Symbolbild) © Mikhail Klimentyev/dpa

Videos und Berichte über den Ukraine-Krieg strafen Putins Propaganda Lügen. Jetzt will der Präsident offenbar das Internet in Russland weitgehend vom Rest der Welt abkoppeln.

Moskau - In der digitalen Informationswelt hat Russland den Ukraine-Krieg verloren: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyi macht als Verteidiger seines Landes* mit Videos und Aufrufen in Kampfmontur eine viel bessere Figur als der mürrische russische Präsident Wladimir Putin.

Auch die ukrainische Bevölkerung veröffentlicht Videos in den sozialen Medien, die den Grauen des Krieges zeigen. Russland hat sich durch den Ukraine-Krieg international isoliert. Zugleich treffen die Sanktionen das Land mit voller Wucht.

Ukraine-Krieg: Putin will bis 11. März das Internet in Russland kontrollieren

Das ist Gift für Putins Propaganda, die Russland als Großmacht und Beschützer darstellen möchte. Der Krieg in der Ukraine darf als solcher unter Strafandrohung nicht bezeichnet werden - es sei eine Militäroperation, bei dem die Zivilbevölkerung angeblich geschont wird und die Ukrainer als Aggressoren dargestellt werden.

Die Berichte und Videos über den Ukraine-Konflikt* in den sozialen Medien strafen diese Darstellung Lügen - und die Plattformen wurden deshalb in Russland ziemlich schnell nach dem Einmarsch gedrosselt. Es ist nun für Russen fast unmöglich, Facebook, Twitter und Co. zu nutzen. Auch ausländische Medien wie die Deutsche Welle und BBC wurden gesperrt.

Nun geht Putin offenbar noch einen Schritt weiter und scheint an einer weitgehenden Abkoppelung seiner Internet-Infrastruktur vom Rest der Welt zu arbeiten. Das legt eine Anordnung des Ministeriums für Digitale Entwicklung Kommunikation und Massenmedien nahe, von der russische Medien berichteten.

Demnach sollen bis spätestens 11. März alle Server und Domains in die russische Zone verlegt werden. Darüber hinaus werden detaillierte Daten über die Netzwerkinfrastruktur der Standorte gesammelt. Auch das Hosting auf ausländischen Plattformen - wie Amazon, Google oder Microsoft - wird verboten.

Ukraine-Krieg: Russische Behörden erhalten Zugriff auf alle digitalen Inhalte

Wenn alle Server und Domains zwangsweise auf russische DNS- und Hosting-Server umgezogen wurden, haben die russischen Behörden Zugriff und Kontrolle über deren Angebote. Damit kann Russland eine komplette Zensur oder Blockade missliebiger Inhalte erreichen. Wer in Russland lebt, hat kaum mehr eine Chance, an unabhängige Informationen zu kommen.

Laut Berichten möchte die russische Regierung so unabhängiger gegen Cyberangriffe werden - immerhin haben auch Hacker seit dem Ukraine-Krieg vermehrt russische Regierungsseiten* angegriffen und außer Kraft gesetzt. Aber natürlich hilft es Putin ebenso, seine Propaganda ohne Widerrede oder Faktenchecks zu verbreiten.

Komplett vom World Wide Web verabschiedet sich Russland damit übrigens nicht. Zwar testet Russland schon seit längeren unter dem Namen „Runet“ eine temporäre Abtrennung vom Internet. Diese ist aber nur für den absoluten Notfall gedacht. Noch ist auch das Internet in Russland zu verwoben* mit westlichen Plattformen, um es komplett zu trennen.

*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare