1. bw24
  2. Wirtschaft

„Haben noch keinen Grund erfahren“: Deutscher Ex-Twitter Mitarbeiter spricht über Kündigung

Erstellt:

Von: Julian Baumann

Kommentare

Eine Empfangsdame arbeitet in der Lobby des Gebäudes, in dem sich das Twitter-Büro in New York befindet.
Elon Musk hat nach der Twitter-Übernahme viele Angestellte entlassen. Laut einem deutschen Ex-Mitarbeiter nennt das Unternehmen keinen Grund für die Kündigungen (Symbolbild). © Mary Altaffer/dpa

Twitter-Neueigentümer Elon Musk hat die Belegschaft beim Kurznachrichtendienst massiv ausgedünnt. Ein Ex-Mitarbeiter von Twitter Deutschland weiß noch immer nicht, warum er gekündigt wurde.

Stuttgart - Twitter-Neueigentürmer Elon Musk krempelt das Unternehmen und den gleichnamigen Kurznachrichtendienst seit der Übernahme massiv um. Nachdem er sowohl die Führungsriege als auch den Kontrollrat entlassen hatte, meldeten Medien, dass Elon Musk bei Twitter bald jede zweite Stelle streichen werde. Dass der Tesla-Boss bei dem Unternehmen mit Hauptsitz in San Francisco nach der Übernahme die Belegschaft verkleinern muss, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben, war von Beginn an klar. Das Vorgehen des reichsten Menschen der Welt stößt seit der Übernahme allerdings auf massive Kritik.

Statt eines persönlichen Gesprächs mit dem neuen Chef oder mit einem anderen Vorgesetzten, erfuhren die Twitter-Mitarbeiter per E-Mail, ob sie noch einen Job bei dem Unternehmen haben oder nicht. Diese sehr unpersönliche Vorgehensweise von Elon Musk traf auf deutliche Kritik, zumal Twitter nur wenige Tage später bereits gekündigte Angestellte wieder zurückholte. Gegenüber dem ZAPP Medienmagazin, das zum Norddeutschen Rundfunk (ndr) gehört, sprach nun erstmals ein deutscher Twitter-Mitarbeiter über die Kündigungswelle.

Twitter-Kündigungswelle: Ex-Mitarbeiter erhielt erst E-Mail, dann schriftliche Kündigung

Bei Kündigungen scheint Tech-Milliardär Elon Musk insgesamt ziemlich radikal vorzugehen. Ein ehemaliger Tesla-Mitarbeiter sah vor seiner eigenen Kündigung weinende Kollegen in der Lobby der Tesla-Büroräume in Fremont (Kalifornien). Während in diesem Fall zumindest eine Führungskraft die schlechte Nachricht überbracht hatte, geht Twitter offenbar noch viel unpersönlicher vor. Der ehemalige Web-Entwickler bei Twitter Germany, der vom ZAPP Medienmagazin „Tom“ genannt wird, erzählte ebenfalls von gewissen Vorzeichen. Als er am 4. November um 2 Uhr morgens noch gearbeitet hatte, sei beispielsweise auf einmal sein Slack-Zugang gesperrt worden. „Man weiß erstmal nicht: Ist das jetzt nur ein Fehler“, erzählte er dem Format.

Nur wenige Stunden später erhielt Tom allerdings eine Mail von Twitter, die so offenbar auch an unzählige andere Mitarbeiter weltweit versandt worden war. „Deine Rolle ist eventuell betroffen“, hieß es dem ehemaligen Twitter-Mitarbeiter zufolge in der Mail. „Wir haben noch keinen Grund erfahren, warum wir gekündigt wurden“, erzählt Tom in einem kurzen Auszug des Interviews mit dem Sender, den dieser auf Twitter veröffentlicht hatte. Rund zwei Wochen später sei dann die schriftliche Kündigung per Post gekommen. „Hiermit kündigen wir Ihnen dann bis zum 31. Dezember“, fasst Tom den Inhalt des Schreibens zusammen.

Ex-Twitter-Deutschland-Mitarbeiter wollen Betriebsrat gründen

Wie das ZAPP Medienmagazin auf Twitter weiter ausführt, war Tom nicht der einzige Mitarbeiter, der auf diese Weise gekündigt wurde. Mehrere Kollegen, die ebenfalls entlassen wurden, habe er davon überzeugt, mit ihm bei der Gewerkschaft Verdi einzutreten. Gemeinsam wollen sie einen Betriebsrat für Twitter Deutschland gründen und gegen die Entlassung klagen. Elon Musk selbst hält von Mitbestimmung offenbar grundsätzlich wenig. Bei Tesla in Grünheide wurde im März zwar ein Betriebsrat gewählt, dieser besteht allerdings nicht aus Vertretern der Produktion des E-Autobauers.

Tom und die anderen gekündigten Twitter-Mitarbeiter schreckt die Einstellung des mächtigen Firmenchefs aber nicht ab. „Union Buster (jemand, der systematisch Gewerkschaften bekämpft, Anm.d.Red) funktionieren auch darüber, dass man Leute aus dem Konzern drängt, die eine Gewerkschaft reinbringen oder einen Betriebsrat gründen wollen“, erklärte Tom. Da er und seine Kollegen ja bereits die Kündigung von Twitter erhalten haben, müssen sie sich vor solchen Konsequenzen nicht fürchten. Sie wollen laut eigener Aussage ein Zeichen in der Tech-Branche setzen und künftige Twitter-Mitarbeiter schützen.

Auch interessant

Kommentare