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„Notfalllösung“: Trigema stellt zeitweise auf Öl um

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Von: Sina Alonso Garcia

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Die Energiekrise trifft auch den schwäbischen Textilhersteller Trigema mit voller Wucht. Als Maßnahme gegen die steigenden Kosten stellt die Firma nun zeitweise von Gas auf Öl um.

Burladingen - Seit dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine kämpft die Wirtschaft in Deutschland mit steigenden Energiepreisen. Auch bei der Firma Trigema in Burladingen macht sich eine deutliche Erhöhung der Gaskosten bemerkbar. Laut Geschäftsführer Wolfgang Grupp rechne das Unternehmen im Jahr 2022 mit einer Verzehnfachung der Gaspreise im Vergleich zu 2020. Damals beliefen sich diese laut Grupp noch auf 1,2 Millionen Euro im Jahr. Die Hochrechnung zeige, dass man in diesem Jahr bereits bei 12 Millionen Euro landen werde. Nun hat die Firma reagiert und zeitweise auf Öl umgestellt.

Wie der Schwarzwälder Bote berichtet, hat Trigema schon vor einigen Monaten eine außenstehende Fachfirma mit der Erstellung eines langfristigen Energiekonzepts beauftragt. Für die Färbung der Stoffe werde Dampf benötigt, der bisher über Gasturbinen kommt. Gutachter sollen im Rahmen des Energiekonzepts feststellen, wie Trigema den Einsatz fossiler Brennstoffe reduzieren und in Zukunft mehr erneuerbare Energien nutzen kann.

Wolfgang Grupp Junior über Umstellung bei Trigema auf Öl: „Wir sind nicht stolz darauf“

Als Zwischenlösung hat Trigema einen Gas-Öl-Kessel bestellt, der wohl in einigen Monaten geliefert und montiert werden kann. Laut Wolfgang Grupp Junior (31) sei es aber lediglich „eine Notfalllösung“, auf die man nicht stolz sei. „Das ist nur zur Überbrückung“, sagt er. „Wir alle müssen nach Lösungen suchen. Trigema ist ja nicht allein von der Krise betroffen. Ich hoffe, dass wir ganz am Ende gestärkt da rausgehen.“

Über die Gasproblematik hat auch Grupp Senior kürzlich im Exklusiv-Interview mit BW24 gesprochen. In diesem erklärte er, dass die Firma bereits 1986 von Öl auf Gas umgestellt habe, was von der Regierung anschließend sogar subventioniert wurde. „Heute werde ich dafür bestraft, dass ich den Gesamtbetrieb auf Gas umgestellt habe“, so der Trigema-Chef. „Ich verstehe nicht, dass man 20 Jahre mit Herrn Putin bestens befreundet ist, sich 100 Prozent abhängig macht und innerhalb von zwei Monaten ist man Todfeind.“ Wie Grupp schon zu Kriegsbeginn mitteilte, befürwortet er Gasimporte aus Russland und spricht sich immer wieder gegen Sanktionen aus.

Trigema: Zeitnahe Installation von weiteren Solarflächen auf den Firmengebäuden

Die Firma Trigema
Das schwäbische Traditionsunternehmen Trigema will bald noch mehr Solarflächen auf den Firmengebäuden installieren. © Christoph Schmidt/dpa

Aktuell sinken die Gaspreise zwar wieder, wie lange das so bleibt, ist aber unklar. Trigema will sich mit dem Gas-Öl-Kessel absichern. Strom hergestellt werden kann damit laut Schwarzwälder Bote allerdings nicht. Zeitnah sollen noch mehr Solarflächen auf den Firmengebäuden installiert werden. Als weitere Maßnahme, um Kosten zu sparen, verschwinden nun auch türkisfarbene T-Shirts aus dem Sortiment. Der Grund: Die Farbe Türkis ist beim Färben besonders energieintensiv.

Trotz der wirtschaftlichen Krise betont Firmenchef Wolfgang Grupp, dass bei Trigema keine Entlassungen geplant sind. „Ich garantiere die Arbeitsplätze und Kurzarbeit darf es ebenfalls nicht geben“, sagte er im Gespräch mit BW24. Die Problematik rund ums Gas sei dennoch nicht zu unterschätzen. „Irgendwann werden wir hoffentlich auf Wasserstoff umstellen können“, so Grupp.

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