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Start-up „RückMal“: Mit Schuhen für Tische wollen Stuttgarterinnen Rückenschmerzen den Kampf ansagen

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Von: Franziska Schuster

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Die Gründerinnen von RückMal Carina Kreidler und Christina Kunz
Die kreativen Köpfe hinter „RückMal“: Carina Kreidler (links) und Christina Kunz. © RückMal

Mit ihrem Start-up „RückMal“ wollen Carina Kreidler und Christina Kunz Rückenschmerzen den Garaus machen. BW24 hat mit den Stuttgarter Gründerinnen über ihre Idee und ihre Ziele gesprochen.

Stuttgart - Die Unternehmerinnen Carina Kreidler und Christina Kunz aus Stuttgart tüfteln seit eineinhalb Jahren an ihrer Idee „RückMal“, einem „Schuh für Tischbeine“, wie sie ihre Erfindung beschreiben. Dabei handelt es sich um Module und eine Plattform, auf die der Schreibtisch gestellt werden kann. Per Knopfdruck fährt dieser dann auf die gewünschte Position. Für ihr Start-up haben die Stuttgarterinnen bereits zahlreiche Preise gewonnen. BW24 hat die beiden Gründerinnen zum Gespräch getroffen.

BW24: Warum ist Ihnen das Thema Rückengesundheit so wichtig? 

Christina Kunz: Das hat tatsächlich persönliche Hintergründe. Wir sind beide in unseren jungen Jahren schon von Rückenschmerzen betroffen, Carina ganz besonders. Schnell haben wir gemerkt, dass wir nicht die Einzigen sind und die Statistiken bestätigen unseren Eindruck. Rückenschmerzen haben wirklich immense Auswirkungen – in allen Lebensbereichen, die mittlerweile generationenübergreifend unsere Mitmenschen treffen – das wollten wir nicht einfach so hinnehmen.

Wie kam es zur Idee von RückMal?

Carina Kreidler: Nachdem wir uns über unsere eigenen Rückenschmerzen Gedanken gemacht haben, sind wir schnell auf viele andere Menschen zugegangen und haben ähnliche Erfahrungsberichte gehört. Eine gute Präventionsmaßnahme und Lösung sind höhenverstellbare Tische, doch das ist in vielen Fällen zu aufwendig, zu teuer und oft nicht nachhaltig. Wir haben uns gefragt: warum nicht einfach den bestehenden Tisch höhenverstellbar machen? So kam die Idee RückMal ins Leben: Eine Art Schuh für Tische, der diese elektrisch höhenverstellbar macht.

Der Sprung in die Selbstständigkeit ist ein gewagter Schritt. Was haben Sie aus Ihrem Umfeld für Rückmeldungen erhalten, als sie ein Start-up gründen wollten?

Christina Kunz: Freudigerweise viel Gutes: natürlich schwenkt manchmal die liebevolle Sorge mit, aber im Großen und Ganzen haben wir aus unserem Umfeld viel Zuspruch und Unterstützung erhalten. Wir sind auch sehr glücklich darüber, dass uns tolle Mentoren begleiten und wir Teil von Acceleratoren-Programmen sein durften und sind. Es ist enorm wichtig, dass man auf dieser Startup-Reise nicht alleine ist.

Wie lange dauerte der Entwicklungsprozess?

Carina Kreidler: Wir sind jetzt seit etwa eineinhalb Jahren dran. Am Anfang haben wir uns sehr darauf konzentriert, zunächst das Problem und unsere Kunden zu verstehen - das war schließlich auch in der Lösungsentwicklung enorm wichtig. 

Was sind die Vorteile vom Arbeiten in einer stehenden Position?

Carina Kreidler: Studien zeigen, dass das abwechselnde Stehen und Sitzen am Schreibtisch verschiedene Vorteile hat: Ganz vorne mit dabei sind natürlich die Entlastung von Rückenmuskulatur, Schultern und Nacken, sowie eine bessere Durchblutung des Körpers. Das führt ultimativ dazu, dass Nebenbeschwerden wie Kopfschmerzen, Verspannungen und Unproduktivität wissenschaftlich belegt abnehmen. Zu betonen ist jedoch, dass viele Wissenschaftler den Standpunkt vertreten: Jede Zwangshaltung ist schlecht! Das heißt, die Mischung aus Stehen und Sitzen ist für uns Menschen die beste Kombination!

Wie kann man sich die Benutzung von RückMal genau vorstellen?

Christina Kunz: Das ist ganz einfach. RückMal besteht aus zwei Modulen mit einer dünnen Plattform, die man links und rechts unter die Tischbeine schiebt. Wir sagen immer: So als ob man den Tischbeinen ein Paar Schuhe anzieht. Das ist nicht schwer und man kann es selbst machen. Steht der Tisch nun auf der RückMal-Plattform, kann diese per Knopfdruck elektrisch hoch- und heruntergefahren werden, so wie man möchte. Durch eine Memory-Funktion kann man sich seine Lieblingshöhe auch einspeichern und kann den Tisch beim nächsten Mal sofort auf die perfekte (ergonomisch korrekte) Höhe fahren lassen. 

Unser Produkt ist für jegliche Tischbeine geeignet – egal ob vierbeinig, T-Tischbein oder Tischwand. Durch die eben erwähnte Plattform unserer Module konnten wir realisieren, dass Tische, auch wenn sie nicht die klassischen vier Tischbeine haben, trotzdem mit RückMal aufgerüstet und hochgefahren werden können

Auf Ihrer Webseite kann man RückMal bereits vorbestellen. Gibt es schon Liefertermine? 

Christina Kunz: Wir planen mit einem Markteintritt Anfang 2023. Wir sind zunächst an Unternehmen gerichtet, um Büroräume oder Mitarbeitende im Homeoffice auszustatten. Da wir für den Anfang noch keinen automatisierten Bestellungsprozess haben, sondern sehr in die persönliche Absprache und Beratung gehen, kann man uns zum Beispiel über die Website erreichen und wir freuen uns, mit Ihnen zu sprechen.

Können Sie schon einen Preis nennen?

Christina Kunz: Aktuell bezahlen Unternehmen durchschnittlich 1.000 Euro im Einkauf für höhenverstellbare Tische. Wir liegen aktuell bei einem validierten Preis von 350 Euro pro Set. 

Welche nächsten Schritte sind geplant? 

Carina Kreidler: Wir sind aktuell dabei, das Produkt für die größere Produktion anzupassen und die letzten Änderungen vorzunehmen. Dann sind die Zertifizierungen wie z.B. ein freiwilliges TüV Zertifikat in der Pipeline. Wenn das durch ist, werden wir die Pilotphase mit unseren Kunden starten.

Sie haben bereits Awards und Preise mit RückMal gewonnen. Was bedeuten Ihnen diese Auszeichnungen?

Carina Kreidler: Zum einen ist das für uns eine schöne Validierung, dass wir auf dem richtigen Weg sind - gerade, wenn die positive Rückmeldung von Branchenexperten kommt. Darüber hinaus sind diese Auszeichnungen meistens damit verbunden, dass wir unser Netzwerk erweitern können und hilfreiches Feedback erhalten, was uns enorm weiterhilft.

Weiter spannende Geschichten rund um Start-ups aus Baden-Württemberg gibt es auf der Ressortseite Wirtschaft bei BW24.

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