1. bw24
  2. Wirtschaft

Start-up entwickelt einzigartigen Haushaltsroboter: „Elon Musk ist nicht besser als wir“

Erstellt:

Von: Franziska Vystrcil

Kommentare

Haushaltsroboter von Neura Robotics
Der von „Neura Robotics“ entwickelte Haushaltsroboter räumt nicht nur auf, er soll auch unterhalten können. © Neura Robotics GmbH

Mit seinem Start-up „Neura Robotics“ in Metzingen will David Reger Mensch und Maschine einander näher bringen. Dabei hat der Unternehmer ehrgeizige Ziele.

Metzingen - Er räumt den Tisch ab, holt Milch aus dem Kühlschrank oder gießt die Pflanzen: Der Haushaltsroboter von Neura Robotics aus Metzingen (Baden-Württemberg) ist keine Zukunftsmusik, sondern Wirklichkeit. Seit Monaten werkelt das Start-up an dem kleinen Helfer. Im Sommer 2022 soll der Prototyp fertig sein.

Ein Roboter für jedermann, wie Gründer und CEO David Reger im Gespräch mit BW24 erklärt. Leicht zu bedienen und erschwinglich soll der digitale Haushaltsroboter sein. Zum „E-Bike-Preis“, wie es David Reger selbst beziffert, von etwa 3.800 Euro soll man den Helfer in naher Zukunft kaufen können.

„Neura Robotics“-CEO David Reger beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer 2022 in Schwäbisch Hall
Mit seinen Robotern und Entwicklungen will „Neura Robotics“-CEO David Reger das Leben der Menschen erleichtern und besser machen. © Stefanie Hergenröder

Denn der Start-up-Chef hat ein Ziel vor Augen: Unseren Alltag einfach zu machen, wenn nicht sogar zu revolutionieren. Doch ausgerechnet im Land der Dichter und Denker stößt das Unternehmen mit seinen Robotern häufig auf Abneigung. Das will David Reger ändern. „Ich arbeite daran, die Angst der Menschen vor künstlicher Intelligenz aus deren Köpfen zu bekommen.“

Start-up aus Metzingen will Menschen von Nutzen der Roboter überzeugen

Viele Zweifel und auch die Abneigung der Menschen kommt nicht von ungefähr: in zahlreichen Hollywoodfilmen übernehmen Maschinen die Macht, wollen der Menschheit schaden. Obwohl es sich dabei um Fiktion handelt, scheint sich dieses Bild in vielen Köpfen festgesetzt zu haben. In anderen Ländern stehe man solchen Innovationen offener gegenüber, berichtet David Reger. In Dubai etwa seien alle von ihren Prototypen begeistert gewesen. „Dort gibt es keine Industrie, daher sind die Roboter für den Haushalt, für Restaurants oder ähnliches interessant. Es war erstaunlich zu sehen, wie leicht die Menschen dort diese Technik angenommen haben.“

Der Haushaltsroboter von Neura Robotics aus Metzingen gießt eine Pflanze
Keine Zukunftsmusik mehr, sondern Realität: Der Haushaltsroboter von „Neura Robotics“ gießt sogar die Blumen. © Neura Robotics GmbH

Die Skepsis vieler kann David Reger nicht ganz nachvollziehen. Doch es scheint ihn nur noch mehr anzuspornen, die Meinung der Leute zu ändern. „Wir müssen Gas geben, um auch die Deutschen zu überzeugen. Wenn Elon Musk kommt und von einem Tesla-Bot berichtet und alle begeistert sind, dann müssen wir uns doch nicht verstecken. Wir sind in der Robotik viel weiter als Elon Musk und Co“, erklärt er. „Elon Musk ist nicht besser als wir, er ist einfach gut im Marketing.“ Der Tesla-Boss setzt seinen Fokus neuerdings auf humanoide Roboter.

David Reger und sein Team von Neura Robotics setzen daher alles daran, es den Skeptikern zu beweisen. Angst müsse man vor dem Fortschritt keine haben. „Unsere Robotersysteme werden als Hilfen eingesetzt. Wir sagen immer: We serve Humanity“, so der Unternehmer.

„Neura Robotic“-CEO David Reger: „Der Roboter soll helfen, unsere Welt zu entschleunigen“

Genau dafür werden die Roboter von Neura Robotics entwickelt. „Der Roboter soll helfen, unsere Welt zu entschleunigen. Ich merke es bei mir selbst. Ich bin viel unterwegs, oft im Stress“, erzählt David Reger. Wenn er dann nach Hause kommt, ist da der Haushalt, die Blumen wollen gegossen und das Kind umsorgt werden. „Solche Dinge, wie etwa aufräumen, kann der Roboter erledigen und einem abnehmen.“ In dm-Filialen könnten ferngesteuerte Roboter in Zukunft den Einkauf erledigen.

Zunächst soll die Technik allerdings in einem anderen Bereich zum Einsatz kommen. David Regers Schwester arbeitet in der Pflege. Aus ihren Erzählungen weiß er, wie körperlich anstrengend dieser Beruf sein kann. „Unser Roboter hat genug Kraft in den Armen und Power, dass er auch etwas anheben kann. Wir haben bereits Systeme, die Reha-Aufgaben übernehmen können“, erzählt er. Sie können bei Übungen helfen oder aber auch Patienten verlagern. „Die Bewohner bekommen nicht genug Aufmerksamkeit, weil viele Pfleger keine Kraft mehr dazu haben. Man hat sowieso schon zu wenig Mitarbeiter, die von einem Patienten zum anderen laufen. So ein Robotersystem wäre dort definitiv eine gute Unterstützung.“

Ich arbeite daran, die Angst der Menschen vor künstlicher Intelligenz aus deren Köpfen zu bekommen.

David Reger, CEO von Neura Robotics

Doch alles in allem ist das Einsatzgebiet der Technik vielseitig. „Der Roboter, der in der Automotiv-Straße schweißt, ist der gleiche Roboter, der hilft, den Tisch abzuräumen. Er kann aber auch unterhalten und mit Menschen Schach spielen. Maira etwa versteht, was ich von ihr will. Und das ist das Besondere hinter dieser Technik“, so David Reger. Roboter werden auch in der Automobilindustrie immer häufiger eingesetzt. Intelligente Roboter sollen bald E-Autos mit Strom versorgen.

Vom Modellbauer zum Roboter-Unternehmen: David Regers Lebensweg

Dass er einmal fühlende und denkende Roboter entwickeln würde, hätte David Reger wohl früher nicht gedacht. Sein Lebensweg scheint beinahe einem Film-Drehbuch entsprungen zu sein. Ein Puzzleteil fügte sich in das andere. Denn eigentlich ist der gebürtige Rottweiler gelernter Modellbauer. Nach seiner Ausbildung absolvierte er ein soziales Jahr in den USA. Doch es zog ihn zurück zur Technik. Er bewarb sich beim Schweizer Formel-1-Team „Sauber Motorsport“ im Bereich Entwicklung und Design und bekam den Job. Auf dem Weg zur Vertragsunterzeichnung legte er einen Stopp für ein weiteres Bewerbungsgespräch in der Schweiz ein - und landete auch bei der Mabi AG einen Treffer. Dort sollte er einen ganz neuen Geschäftszweig aufbauen: in der Robotik.

Ingenieur bei Neura Robotics arbeiten an Robotern
Das Start-up in Metzingen ist mittlerweile fast hundert Mann groß. Gestartet hatte David Reger mit 14 Leuten. © Neura Robotics GmbH

„Ich hatte noch nie zuvor einen Roboter gesehen. Doch dann habe ich begonnen, in der Schweiz Roboter zu entwickeln - und drei Jahre später konnten wir dem Markt drei Produkte präsentieren“, erzählt David Reger. Von da an hatte ihn das „Roboter-Fieber“ gepackt. „Ich bin ein sehr gläubiger Mensch. Daher denke ich auch, dass sich das alles perfekt gefügt hat.“

Sieben Jahre später will David Reger mehr erreichen. Der Wunsch nach der Umsetzung seiner Ideen wird immer größer. „Ich habe immer nach mehr gestrebt“, sagt er selbst. Aus diesem Streben ist schließlich die Idee zu Neura Robotics entstanden.

Robotik-Unternehmen in Metzingen: In der Outlet-City entsteht das neue „Cyber Valley“

David Reger ist stolz auf sein Unternehmen und sein Team. Innerhalb von drei Jahren haben sie viel erreicht. Nach sieben Monaten konnte das Start-up den ersten Prototypen vorweisen, nach zehn Monaten den ersten Kunden beliefern. Mit 14 Leuten hat Neura Robotics angefangen. Mittlerweile ist die Zahl auf etwa 100 angestiegen. Den Erfolg schreibt David Reger nicht nur seinem Team zu, sondern auch dem Standort Metzingen. „Solch ein rasantes Wachstum hätte ich in der Schweiz oder in Rottweil nicht erzielen können“, ist er sich sicher.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 2. April 2022. Da er für unsere Leser noch immer eine Relevanz hat, hat die Redaktion ihn aktualisiert.

Die Wahl fiel damals eher zufällig auf die Outlet-City. Man suchte nach einem Standort mit Stadtnähe, im Idealfall zu Stuttgart. „Zwischen Tübingen, Reutlingen und Stuttgart entsteht derzeit das neue „Cyber Valley“. Das hat perfekt gepasst, auch weil ich hier Mitarbeiter herkriege“, begründet David Reger die Entscheidung für Metzingen.

Aktuell konzentriert sich das Start-up auf den Release im Sommer. „Dann werden wir uns neben der großen Konkurrenz platzieren und zeigen, was die Robotik eigentlich machen kann und wozu sie in der Lage ist“, freut sich David Reger. Man darf gespannt sein.

Auch interessant

Kommentare