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Sanktions-Schlupfloch: So gelangt russisches Öl in amerikanische Autos

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Von: Lisa Mayerhofer

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Der Schriftzug von Lukoil, einem russischen Mineralölkonzern, an einer Tankstelle.
Lukoil, der zweitgrößte russische Ölkonzern, wurde von den USA nicht mit Sanktionen belegt. (Archivbild) © Horst Galuschka/Imago

Die USA befinden sich mit Russland im Wirtschaftskrieg. Doch Russland nutzt laut einem Medienbericht ein Schlupfloch in den US-Sanktionen, um sein Öl trotzdem in den Vereinigten Staaten zu verkaufen.

Washington – Seit dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine wurde Russland von den westlichen Staaten mit zahlreichen Sanktionen belegt. Zusätzlich zum Öl-Embargo der USA und der EU haben die G7-Staaten im September weltweit eine Preisobergrenze für russische Öllieferung beschlossen. Damit sollten Russlands Möglichkeiten beschränkt werden, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren, und der weltweite Anstieg der Energiepreise eingedämmt werden.

US-Finanzministerin über Öl-Preisdeckel: „Verfall der russischen Wirtschaft beschleunigen“

Die USA rechnen damit, dass die Festlegung eines Preisdeckels für sein Öl Russland deutlich schaden wird. US-Finanzministerin Janet Yellen verkündete in Washington zur Preisobergrenze für russisches Öl: „Sie wird sowohl Russlands Fähigkeit beeinträchtigen, seinen ungerechtfertigten Krieg in der Ukraine zu führen, als auch den Verfall der russischen Wirtschaft beschleunigen.“

Die G7 hätten einen „entscheidenden Schritt nach vorn gemacht“, um ein doppeltes Ziel zu erreichen, nämlich die weltweiten Energiepreise zu senken und gleichzeitig Putin die Einnahmen zur Finanzierung seines brutalen Krieges in der Ukraine zu entziehen, sagte Yellen.

Lukoil bringt russisches Öl über italienische Raffinerie in die USA

Kann Russland also bald nicht mehr sein Öl gewinnbringend verkaufen? Ein Bericht des Wall Street Journal erweckt daran Zweifel. Die Recherchen des US-Magazins zeigen, dass russisches Öl sogar als Kraftstoff für amerikanische Autos zum Einsatz kommt – ganz legal, trotz Öl-Embargos. Denn Russland nutzt für den Verkauf seines Öls ein Schlupfloch bei den US-Sanktionen.

Russland liefert dafür einfach Rohöl an die Raffinerie des russischen Mineralölkonzerns Lukoil in Sizilien, berichtet das Wall Street Journal. Bis zu 93 Prozent russisches Rohöl werden dort laut Magazin für die Benzinherstellung verwendet. Da das Öl in Italien raffiniert wurde, gilt es nun als italienisches Produkt – und nicht mehr als russisches.

Der Kraftstoff wird dann legal in die Vereinigten Staaten verschifft und an verschiedene Abnehmer verkauft. Dabei wird das Benzin aus russischem Rohöl vor allem an Tankstellen entlang der US-amerikanischen Ostküste verkauft, berichtet das Wall Street Journal. US-Behörden wollten sich zu dem Thema gegenüber dem Magazin nicht äußern.

Lukoil: Mysteriöser Tod des Vorstandschefs nach Ukraine-Kritik

Darüber hinaus wurde Lukoil, der zweitgrößte russische Ölkonzern, von den USA nicht mit Sanktionen belegt. Im März war Lukoil eines der wenigen russischen Unternehmen, die dazu aufriefen, die russische Offensive in der Ukraine zu stoppen. Monate später starb der Vorstandschef Rawil Maganow unter mysteriösen Umständen beim Sturz aus dem Fenster eines Moskauer Krankenhauses.

Immerhin: Wenn auch das Öl-Embargo der EU gegen Russland am 5. Dezember in Kraft tritt, könnte es mit dem Schlupfloch über die sizilianische Raffinerie für Lukoil vorbei sein.

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