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Baumarktkette Obi gibt Russland-Filialen auf - Unternehmer kauft sie für umgerechnet 10 Euro

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Von: Julian Baumann

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Eine ehemalige Obi-Filiale im Aviapark Einkaufszentrum in Moskau.
Die Baumarktkette Obi hat alle Filialen in Russland aufgegeben. Ein Unternehmer übernahm 60 Prozent, den Namen darf er aber nicht verwenden. © IMAGO/Kirill Kallinikov

Die deutsche Baumarktkette Obi hat ihre Filialen in Russland samt Sortiment aufgegeben. Ein Unternehmer übernahm sie für den symbolischen Preis von umgerechnet 10 Euro.

Stuttgart/Wermelskirchen - Im Rahmen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine haben sich viele deutsche Unternehmen aus Russland zurückgezogen und die Geschäfte mit dem Land eingestellt. Mercedes-Benz hat beispielsweise die Lieferungen nach Russland gestoppt und auch Software-Konzern SAP hat sich nach anfänglichem Zögern zurückgezogen. Porsche-Chef Oliver Blume sagte ebenfalls: „Solange Krieg herrscht, wird nicht geliefert“.

Die deutsche Baumarktkette Obi mit Hauptsitz in Wermelskirchen (Nordrhein-Westfalen) ist noch einen ganzen Schritt weitergegangen und hatte bereits vor vier Monaten angekündigt, alle Filialen in Russland verschenken zu wollen. Ein russischer Unternehmer übernahm die ehemaligen Obi-Märkte für den symbolischen Preis von 10 Euro, wie das Handelsblatt berichtet. Den Namen der deutschen Baumarktkette darf er allerdings nicht verwenden.

Obi-Märkte in Russland: Unternehmer übernimmt 60 Prozent, darf Markennamen aber nicht verwenden

Nach dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine am 24. Februar belegten die westlichen Länder den Aggressor mit weitreichenden Sanktionen. Viele deutsche Unternehmen, die Standorte in Russland haben, versuchten so schnell wie möglich die Verbindungen zum Kriegstreiber abzubrechen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, kündigte Obi an, die 27 Heimwerkermärkte in Russland mitsamt Sortiment aufgeben zu wollen. „Alle Märkte waren bereits am 17. März 2022 geschlossen, und gestern wurden alle juristischen Einheiten ohne Kaufpreiszahlung an einen Investor übertragen“, erklärte das Unternehmen im April auf Handelsblatt-Anfrage.

Nun ist bekannt, wer die ehemaligen Obi-Filialen in Russland künftig führen soll. Der russische Unternehmer Josef Liokumowitsch erklärte der russischen Forbes-Ausgabe am Montag, 15. August, dass er 60 Prozent des Russland-Geschäfts von Obi für den symbolischen Preis von umgerechnet 10 Euro erworben habe. Im Gegenzug habe er die Schulden des Geschäfts von umgerechnet rund 30 Millionen Euro abgelöst. Der deutschen Baumarktkette, die zum Tengelmann-Konzern gehört, war es wichtig, dass der Markenname in Russland künftig nicht mehr verwendet wird. Das habe Liokumowitsch dem Unternehmen zugesichert. Er plant, die Filialen unter neuem Namen wiederzueröffnen.

Russland-Geschäft: Nicht alle deutschen Unternehmen haben sich zurückgezogen

Wer die anderen 40 Prozent des Russland-Geschäfts von Obi übernehmen wird, ist dem Handelsblatt zufolge nicht bekannt. Sicher ist jedoch, dass Obi in dem Land auch nach einem Kriegsende keine Geschäfte mehr führen wird. „Damit ist die Obi-Gruppe nach der Transaktion weder direkt noch indirekt in Russland tätig“, hieß es von dem Unternehmen. Doch auch fast ein halbes Jahr nach dem Beginn des Ukraine-Krieges gibt es noch immer deutsche Unternehmen, die weiterhin geschäftliche Beziehungen zu Russland unterhalten.

Dazu zählt beispielsweise das Großhandelsunternehmen Metro mit Hauptsitz in Düsseldorf. Metro beschäftigt die Mitarbeiter auch in der Ukraine weiterhin. „Seit der Krieg begonnen hat, kümmern wir uns in der ersten Morgenkonferenz um 6 Uhr zuerst um die Frage, ob alle unsere Mitarbeiter noch am Leben sind“, erklärte Olena Vdovychenko, Metro-CEO in der Ukraine im April der WirtschaftsWoche. Der Schokoladenhersteller Ritter Sport liefert ebenfalls weiterhin nach Russland. Das brachte dem Unternehmen aus Waldenbuch deutliche Kritik ein. Ritter Sport kündigte darauf an, die Einnahmen des Russland-Geschäfts an wohltätige Organisationen spenden zu wollen.

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