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„Macht mich wütend“: Fans nehmen Ritter Sport in Schutz

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Von: Sina Alonso Garcia

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Täfelchen der Ritter Sport Goldschatz Schokolade.
Um die Lieferungen von Ritter Sport nach Russland entfachte eine hitzige Debatte. © Daniel Maurer/dpa

Die Kritik am Schokoladenhersteller Ritter Sport reißt nicht ab. Während Experten die Weiterführung des Russland-Geschäfts nicht gutheißen, nehmen Fans die Marke in Schutz.

Waldenbuch - „Quadratisch. Praktisch. Blut.“ Seit Tagen ist in den sozialen Medien der bekannte Slogan der Marke Ritter Sport in abgewandelter Form zu lesen. Nutzer fordern den Boykott des Unternehmens und werfen ihm vor, Kriegsverbrechen zu unterstützen. Der Grund: Ritter Sport will trotz des Ukraine-Kriegs weiter nach Russland liefern. Während einige Menschen offenbar mit den bunten Tafeln abgeschlossen haben, werden nun Stimmen laut, die Ritter Sport in Schutz nehmen.

„Ich habe 15 Jahre bei Ritter Sport gearbeitet“, schreibt eine ehemalige Mitarbeiterin auf Twitter. „Es ist ein kleines, schwäbisches Unternehmen - seit über 120 Jahren in Familienbesitz. Das Unternehmen hat nur knapp 1.500 Mitarbeiter auf der ganzen Welt.“ Wie die Ex-Angestellte erklärt, sei Russland ein wichtiger Markt für die Firma. „Sie verdienen mit diesem Markt einen wichtigen Anteil ihres Umsatzes. Der Umsatz, der Arbeitsplätze schafft. Der soziale Projekte unterstützt. Der sich für ökologische Projekte einsetzt.“

Ritter Sport: Fans verteidigen den Schokoladenhersteller - „Wir reden hier von einem Familienkonzern“

Um ihre Argumentation zu unterstreichen, betont die ehemalige Angestellte: „Wir reden hier von einem Familienunternehmen, das von EINEM Produkt lebt. Nicht von einem Großkonzern, der seinen Umsatz über verschiedene Produkte ausgleichen kann. Nur weil dieses Familienunternehmen seinen Sitz in Deutschland hat, werden sie jetzt verurteilt.“

Was die Nutzerin ebenfalls bemängelt: „Ich habe euch über keinen anderen Lebensmittelhersteller herziehen sehen. Ist ja klar, die haben ihren Hauptsitz im Ausland.“ Kaum eine der ausländischen Firmen habe ihrer Beobachtung zufolge Lieferungen nach Russland eingestellt. Laut ihrer Einschätzung könne ein Lieferstopp nach Russland das mittelständische Familienunternehmen ruinieren. „Ich bin für Sanktionen gegen Russland. Aber an der richtigen Stelle.“

Tweet zu Ritter Sport trifft auf viel Feedback

Mit ihrem Statement fachte die Twitter-Nutzerin die Debatte weiter an, die bereits seit kurzem auf der Plattform kursiert. Mehr als 12.000 Menschen vergaben dem Beitrag einen Like (Stand 5. April, 11.30 Uhr). In den Kommentaren wurden wild Argumente für und gegen das Vorgehen des Schokoladenherstellers ausgetauscht. „Es ist immer leicht, Dinge zu boykottieren, wenn einen die Auswirkungen davon nicht betreffen“, meint ein Nutzer.

Auch andere Nutzer nahmen Ritter Sport in Schutz und verwiesen auf ein aktuelles Statement, dem zufolge Ritter Sport alle Einnahmen aus seinem Russland-Geschäft an humanitäre Hilfsorganisationen spendet. Andere wiederum blieben dabei, die Schokotafeln zu boykottieren. „Wenn es ein kleines, mittelständisches Unternehmen ist, dann ist es natürlich ok, dass Menschen derweil sterben. Der Markt regelt das“, bemerkt ein Ritter-Sport-Gegner zynisch.

Ritter Sport: CEO nimmt öffentlich Stellung und reagiert auf Vorwürfe

Laut eines Experten droht Ritter Sport jetzt ein enormer Image-Schaden. Tatsächlich schlug der Fall so weite Wellen, dass sogar der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk gegen den Schokoladenhersteller aus Waldenbuch wetterte. Ritter-Sport-Chef Andreas Ronken zeigt sich betroffen von den Vorwürfen. Auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn teilte er seine Meinung zum Thema in einem Beitrag.

„Es ist okay, Firmen wie uns zu kritisieren“, so Ronken. Die Hetzjagd, die teilweise gegen das Unternehmen gestartet wurde, mache ihn jedoch betroffen. „Die Art und Weise dieser Kommunikation gegen uns und gegen Mitarbeiter von uns persönlich, erschüttert mich.“ Die Situation sei „komplexer, als sie manchen erscheinen mag.“ Ritter Sport sei kein internationaler Multi-Konzern. „Jahrelang haben wir faire und nachhaltige Lieferketten gemeinsam mit unseren Kakaobauern in Westafrika, Mittel- und Südamerika aufgebaut. Viele davon verlören bei Lieferstopp einen Großteil ihrer Existenzgrundlage.“

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