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Experte warnt: Ritter Sport droht durch Russland-Geschäft Image-Schaden - „maximal unglücklich für die Marke“

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Von: Sina Alonso Garcia

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Ritter Sport will weiter Schokolade nach Russland liefern - und wird im Netz dafür angefeindet. © picture alliance / Marijan Murat/dpa

Die Entscheidung von Ritter Sport, weiterhin Schokolade nach Russland zu liefern, könnte laut eines Experten schwerwiegende Folgen für das Unternehmen haben. „Die Marke hat jetzt einen Makel“, sagt er.

Waldenbuch - „Quadratisch. Praktisch. Blut.“ Kommentare wie diese überfluten seit Tagen die Facebook-Seite von Ritter Sport. Der Schokoladenhersteller aus Waldenbuch (Kreis Böblingen) ist übel in die Kritik geraten. Der Grund: Das Unternehmen will weiterhin nach Russland liefern. Obwohl Ritter Sport inzwischen reagiert hat und erklärte, die Einnahmen aus dem Russland-Geschäft zu spenden, rufen noch immer zahlreiche Menschen zum Boykott des Herstellers auf.

Neben Fotomontagen, die Ritter-Sport-Tafeln in den Sorten „Panzerschokolade“ oder „Kinderblut“ zeigen, tauchte zuletzt auch ein gruseliges Video auf Facebook auf. Darin werden nackte, mit Blut übersäte Puppen, auf einem Fließband zerstückelt. Zwischen den Puppen purzeln Ritter-Sport-Tafeln umher. „Ritter Sport, ihr tötet ukrainische Kinder“, schreibt die Absenderin des Videos.

Ritter Sport: Experte fürchtet gravierende Image-Schäden durch Russland-Geschäft

Bisher galt Ritter Sport unter Fachleuten als starke und positiv besetzte Marke. Angesichts der aktuellen Entwicklungen fürchtet Colin Fernando, Partner bei der Managementberatung Brandtrust, nun jedoch Schlimmes für die Zukunft der Marke. „Beim Thema Russland gibt es aktuell für die allermeisten Menschen keine zwei Seiten, auf denen man stehen kann“, sagte er gegenüber der Welt. Das Unternehmen werde nun als Unterstützer von Russlands Präsident Wladimir Putin wahrgenommen. Nach Ansicht von Colin Fernando sei das für Ritter Sport ein Imageschaden, der sich noch lange als Makel erweisen könnte.

Auch, wenn Shitstorms häufig in bestimmten Social-Media-Blasen stattfinden, glaubt Fernando, dass im Fall Ritter Sport ein wirklich kritischer Punkt erreicht sei. „Der aktuelle Fall ist in vielerlei Hinsicht anders und besonders“, sagt er. Obwohl der Schutz von Mitarbeitern und Kakaobauern eigentlich lobenswert wäre, habe das Unternehmen laut des Experten die „Lage zu eindimensional interpretiert“. Gerade in Krisenzeiten seien die Menschen nochmal aufmerksamer und sensibler für solche Signale als im klassischen Alltag. „Diese eine Aktion kann prägender sein für die Wahrnehmung der Marke als es zu normalen Zeiten viele Werbemillionen schaffen können.“

Ritter Sport: Experte prophezeit Abschreckung bei potenziellen Mitarbeitern

Neben dem Wegfall von Kunden warnt Fernando auch vor Folgen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern. „Gut möglich, dass für viele Ritter Sport erstmal nicht mehr als Arbeitgeber infrage kommt“, sagt er. „Denn die Marke hat jetzt einen Makel. In Zeiten des Fachkräftemangels ist das keine wünschenswerte Situation.“ Zudem müssten auch diejenigen, die bereits bei Ritter Sport angestellt sind, sich jetzt für die Position des Unternehmens rechtfertigen.

Wenig förderlich für das Image des Unternehmens ist laut des Experten auch der Zuspruch, den es aktuell von der AfD in Baden-Württemberg erhält. Bernhard Eisenhut, verbraucherpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Landtag, sagte, Ritter Sport sei lediglich krisenbewusst. „Ein Mittelständler, der zehn Prozent seines Umsatzes in einem bestimmten Markt erwirtschaftet, kann sich nicht über Nacht von diesem Markt zurückziehen - auch nicht, wenn es der russische ist. Das zeugt nicht nur von Verantwortung gegenüber den eigenen Mitarbeitern, sondern auch den davon betroffenen Zulieferern.“

AfD klatscht Beifall für Ritter Sport: „Maximal unglücklich für die Marke“

Ritter Sport zeige „genau die Verantwortung, die Bundes- und Landesregierung für die eigenen Bürger nicht mehr wahrnehmen, sondern sie im Gegenteil unter moralistischen Pseudoargumenten auf die Bürger abwälzen“, so der AfD-Politiker.

Den Beistand der AfD hält Experte Fernando für „maximal unglücklich für die Marke“. Es verstärke derzeit nur nochmal das negative Bild von Ritter Sport. „Beim Thema AfD gibt es keine Mitte, nur Gut und Böse. Und letzteres überwiegt dabei für die Menschheit deutlich.“

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