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Ritter Sport reagiert auf Shitstorm und spendet Einnahmen aus Russland-Geschäft

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Von: Sina Alonso Garcia

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Ritter Sport Schokoladentafeln
Der Schokoladenhersteller Ritter Sport äußerte sich erstmals zu den schweren Vorwürfen bezüglich seines Russland-Geschäfts. © Manfred Segerer/Imago

Ritter Sport ist wegen seiner Russland-Geschäfte heftig in die Kritik geraten. Nun reagiert das Unternehmen mit einem klaren Statement, das viele Fans begrüßen.

Waldenbuch - Während einige deutsche Firmen ihre Lieferungen nach Russland eingestellt haben, hat sich der Schokoladenhersteller Ritter Sport anders entschieden. Wie das Unternehmen aus Waldenbuch (Kreis Böblingen*) mitteilte, wolle man die russische Bevölkerung trotz Putins Einmarsch in die Ukraine weiterhin mit den quadratischen Täfelchen versorgen. Im Netz brach daraufhin ein regelrechter Shitstorm los - Fans riefen zum Boykott von Ritter Sport auf (BW24* berichtete). Erstmals äußert sich der Hersteller nun in einem Statement auf Facebook - und reagiert mit einer überraschenden Ankündigung auf die Vorwürfe.

„Ein offener und ehrlicher Austausch mit euch ist uns sehr wichtig - auch jetzt, wo es unbequem ist und wir massiv kritisiert werden“, richtet sich Ritter Sport an die Kunden. Das Unternehmen betont, den Angriff Russlands auf die Ukraine zutiefst zu verurteilen. Allerdings sei Russland nach Deutschland für Ritter Sport der zweitwichtigste Absatzmarkt. „Um Arbeitsplätze und auch die Lebensgrundlage von vielen Kakaobauernfamilien zu sichern, liefern wir weiterhin Schokolade für die russische Bevölkerung, haben jedoch sämtliche Investitionen in Russland sowie unsere Werbung bereits seit einigen Wochen gestoppt“, so das Ritter-Sport-Team.

Ritter Sport zeigt sich betroffen von Shitstorm: „Verantwortung ist uns wichtiger als Gewinn“

Nach den nicht abreißen wollenden Vorwürfen - unter anderem auch vonseiten des ukrainischen Botschafters Andrij Melnyk* - sieht sich Ritter Sport in der Pflicht, zu handeln. „Wir stellen uns unserer Verantwortung, die wir für unsere Mitarbeitenden sowie ihre Familien haben und für die Menschen in der Ukraine empfinden. Uns ist Verantwortungsbewusstsein wichtiger als Gewinn“, heißt es in dem Statement auf Facebook. „Daher spenden wir jeglichen Gewinn aus dem laufenden Russland-Geschäft an humanitäre Hilfsorganisationen.“

Der Beitrag stieß im Netz auf breite Zustimmung. Mehr als 6.700 Menschen gaben einen Daumen nach oben (Stand 31. März, 12.48 Uhr). Die Reaktionen in der Kommentarspalte fielen hingegen gemischt aus. „Warum lasst ihr euch so unter Druck setzen?“, fragt eine Nutzerin. „Ich finde es richtig, dass weiterhin nach Russland geliefert wird, denn auch dort leben Menschen, die etwas zu essen haben möchten, die nichts mit dem Krieg zu tun haben. Abgesehen davon hängen viele Arbeitsplätze und das Wohl vieler Familien an der Produktion und dem Verkauf.“

Eine andere Nutzerin meint: „Was hat man denn davon, die russische Bevölkerung zu bestrafen? Auch in Russland gibt es Mütter mit Kindern, die nichts damit zu tun haben. Was würde es bringen, wenn Kinder in Russland keine Schokolade mehr bekommen würden? Man muss doch nicht alles immer rein politisch betrachten, sondern auch mal die menschliche Seite sehen.“ Ihr Kommentar erhielt mehr als 760 Likes.

Ritter Sport: Manche Fans sind mit der Entscheidung nicht zufrieden

Während ein Großteil der Nutzer die Entscheidung von Ritter Sport, weiter nach Russland zu liefern und die Einnahmen zu spenden, verstehen kann, reagierten andere weniger versöhnlich. „Ich und hoffentlich viele boykottieren Ritter Sport“, schreibt ein wütender Kommentator. „Wer mit Russland jetzt Geschäfte macht, unterstützt den Krieg. Hoffentlich bricht der Umsatz im Rest der Welt so ein, dass man daraus lernt, was richtig ist. Ritter Sport sollte sich schämen - das ist keine Begründung, die stichhaltig ist.“

Nicht nur Ritter Sport erntet aktuell Kritik für seine Russland-Geschäfte. Auch andere Handelsriesen wie Metro, Henkel oder Bayer halten an ihren Geschäftsbeziehungen zu Russland fest.* Die Unternehmen geraten nun zunehmend unter Druck und Rechtfertigungszwang. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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