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Ritter-Sport-Chef: Weiter nach Russland zu liefern, war „die richtige Entscheidung“

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Von: Sina Alonso Garcia

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Nach dem Mega-Shitstorm gegen Ritter Sport ist es ruhiger um das Unternehmen geworden. Geschäftsführer Andreas Ronken steht nach wie vor hinter der Entscheidung, weiter Schokolade nach Russland zu liefern.

Waldenbuch - „Ritter Mord“ - „Panzerschokolade“ - „Granatsplitter“: Wer durch die Community-Seite von Ritter Sport auf Facebook scrollt, findet dort zahlreiche Fotomontagen von Schokotafeln mit eindeutiger Botschaft. Fans rufen zum Boykott von Ritter Sport auf und schimpfen das Unternehmen als „gewinnorientiert“ und „gewissenlos“. Der Grund: Trotz des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine will das Unternehmen Lieferungen nach Russland nicht einstellen.

Die Entscheidung sei Ritter Sport keineswegs leicht gefallen, wie Geschäftsführer Andreas Ronken gegenüber dem Handelsblatt betont. Russland sei der zweitwichtigste Markt für das 1912 gegründete Familienunternehmen. 15 bis 16 Prozent der produzierten Schokolade lande in Russland. „Das ist für uns die entscheidende Größe, nicht der Umsatz“, so Ronken. Es gehe vor allem um Arbeitsplätze - in Russland, in Waldenbuch und auch in den Anbauländern bei den Kakaobauern.

Ritter-Sport-Chef: „Es entsteht ja der Eindruck, wir wären die Einzigen, die noch nach Russland liefern“

Das Russland-Geschäft einzustellen wäre für Ritter Sport laut Ronken eine kostspielige Angelegenheit gewesen. Er spricht von einem „zweistelligen Millionen-Eurobetrag“. Dennoch positioniert sich Ritter Sport klar gegen den russischen Angriffskrieg und hat beschlossen, alle Einnahmen aus dem Russland-Geschäft an humanitäre Hilfsorganisationen zu spenden. Auch Neuprojekte und Werbe-Maßnahmen in Russland wurden eingestellt.

Inzwischen hat der Ritter-Sport-Chef den Shitstorm verarbeitet und damit abgeschlossen. Dass die Kritik mit derartiger Wucht auf das Unternehmen einprasselt, hätte er vorher allerdings nicht gedacht. „Mir war schon klar, dass der Sturm kommt, auch wenn ich das Ausmaß nicht erwartet habe“, so Ronken. „Es entsteht ja der Eindruck, wir wären die Einzigen, die noch nach Russland liefern. Das stimmt nicht. Wir waren aber als mittelständisches Familienunternehmen mit bekannter Marke eine geeignete Projektionsfläche.“

Ritter-Sport-Chef: „Unsere Marke wäre wahrscheinlich für wenig Geld in Russland verkauft worden“

Laut Ronken gehe es auf Social Media nur um Reichweite. „Der damalige ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat es verstanden, diese emotional zu nutzen.“ Neben dem Shitstorm gegen das Unternehmen sah sich Ronken zudem mit Bedrohungen gegen seine Person konfrontiert. Dennoch steht er heute voll hinter der Entscheidung, für die er gemeinsam mit der Eigentümerfamilie die Verantwortung trägt. „ Man kann eine solche Fragestellung nicht in moralisch und geschäftlich trennen und vor allem nicht emotional entscheiden.“ In der Gesamtsicht sei es „die richtige Entscheidung“ gewesen.

Andreas Ronken ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Ritter Sport. Das Unternehmen sitzt im Landkreis Böblingen. Foto: Daniel Maurer/dpa
Andreas Ronken ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Ritter Sport. Das Unternehmen sitzt im Landkreis Böblingen.  © Daniel Maurer/dpa

Einerseits sei der moralische Aspekt „total wichtig“. Andererseits sei stets auch klar gewesen, dass es Grauimporte geben würde, wenn sich Ritter Sport aus dem russischen Markt zurückziehe. „Unsere Marke wäre verauktioniert und wahrscheinlich für wenig Geld in Russland verkauft worden“, ist sich der CEO sicher.

Ritter Sport: CEO spricht von „jahrzehntelangen“ Bemühungen im Bereich Nachhaltigkeit

Hinter der Weiterführung des Russland-Geschäfts steckt laut Ronken ein ganz anderer Hintergedanke als Profitgier. So habe man durch Russland Lieferketten mit langfristigen Partnern aufgebaut. „Nur so bekommen wir nachhaltigen Kakao von den Bauern - ohne Kinderarbeit. Das ist das Ergebnis jahrzehntelanger gemeinsamer Arbeit, das setzt man nicht mal so eben aufs Spiel.“

In der Hochphase eines Shitstorm befeuert man ihn, wenn man sich äußert, egal womit. Daher haben wir zwei Wochen gewartet.

Andreas Ronken, Geschäftsführer von Ritter Sport

Während Marketing-Experten schon früh vor einem drohenden Image-Schaden für Ritter Sport warnten, hat sich der CEO zunächst mit einem Statement in der Öffentlichkeit zurückgehalten. Die Entscheidung, erst zwei Wochen nach dem Shitstorm mit einem Statement auf LinkedIn Stellung zu nehmen, sei durchaus bewusst getroffen worden. „Wenn die Welle gegen einen ist, dann reitet man sie nicht“, erklärt Ronken. „In der Hochphase eines Shitstorms befeuert man ihn, wenn man sich äußert, egal womit. Daher haben wir zwei Wochen gewartet.“

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