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Rentner will wieder persönlich am Bank-Schalter bedient werden - und sammelt 600.000 Unterschriften

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Von: Lisa Mayerhofer

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Zwei ältere Personen sitzen auf einer Bank.
Der spanische Rentner Carlos San Juan will, dass die Banken wieder mehr persönlichen Service vor allem für ältere oder kranke Menschen anbieten. (Symbolbild) © Stephan Scheuer/dpa/dpa-tmn/Symbolbild

Mehr als 600.000 Unterschriften hat der spanische Rentner Carlos San Juan gesammelt. Er will, dass die Banken wieder mehr persönlichen Service vor allem für ältere oder kranke Menschen anbieten.

Madrid - Kontostand abfragen, Überweisungen beauftragen oder Geld abheben: Das alles können Kunden in einer Bankfiliale abwickeln*. Doch im Zuge der Digitalisierung verlagern sich alle diese Dienste immer mehr ins Internet - und alte oder kranke Menschen werden abgehängt.

Der spanische Rentner Carlos San Juan hat nun mehr als 600.000 Unterschriften für seine Kampagne „Ich bin alt, aber kein Idiot“ gesammelt - als Protest gegen die Digitalisierung der Banken. Die Unterschriften überreichte der 78-Jährige am Dienstag symbolisch beim Wirtschaftsministerium und bei der Zentralbank in Madrid.

Banken: Immer mehr Filialen müssen schließen

Der pensionierte Arzt setzt sich dafür ein, dass die spanischen Banken gerade ältere Menschen, die mit der Digitalisierung und dem Online-Banking nicht so zurechtkommen, durch Mitarbeiter persönlich bedient werden. Momentan sind die Schalter in den meisten Bankfilialen Spaniens auch wegen der Corona-Pandemie nur vormittags bis 11 Uhr geöffnet - und auch nur mit vorheriger Anmeldung.

Zudem haben viele Filialen komplett geschlossen - was vor allem Menschen in ländlichen Regionen hart trifft. Die nächste Filiale mit Bankberater ist dann teilweise bis zu 30 Kilometer entfernt. Seit der Finanzkrise 2008 hat Spanien im europaweiten Vergleich die meisten Bank- und Sparkassen-Niederlassungen verloren, wie Daten der EZB zeigen - insgesamt 23.673. Viele Tätigkeiten, wie etwa Überweisungen, lassen sich nur noch online ausführen. Spanien gilt als Vorreiter der Digitalisierung.

Rentner San Juan: „Ich bin alt, aber nicht blöd“

Doch während die Digitalisierung in ihrem Land immer weiter voranschreitet, werden ältere oder kranke Menschen abgehängt, findet San Juan. Der Rentner fordert von den Banken, dass sie ihre Schalter wieder den ganzen Vormittag ohne Voranmeldung öffnen, damit die Menschen Geld abheben oder Überweisungen tätigen können. Seine Kampagne stieß in ganz Spanien auf großen Anklang, sogar der spanische Notenbankchef rief ihn persönlich an. Die Regierung versprach, sich bei den Banken dafür einzusetzen, dass für ältere Menschen Mitarbeiter zur Verfügung stünden. Die Branche habe das Problem erkannt und Abhilfe zugesagt.

San Juan zeigte sich aber noch skeptisch: „Sie werden versuchen, die Bedienung der Apparate und Geldmaschinen für uns mit Hilfe von Beratern zu erleichtern. Aber ich bin im Kopf fit. Ich bin nicht blöd. Es ist nur, dass ich Parkinson habe und manchmal auf den falschen Knopf oder die falsche Taste drücke“, sagt der Rentner im Gespräch mit der Deutschen Welle. „Ich habe Angst, dadurch Geld zu verlieren.“ Er habe schon mehrmals bei seiner Hausbank beobachtet, wie auch andere Senioren mit dem Geldautomaten kämpften*.

Mit Material der dpa

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