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Reinhold Würth in Sorge: „Wissen nicht, ob wir schon im dritten Weltkrieg sind“

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Von: Sina Alonso Garcia

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Hinter Reinhold Würth liegen viele Jahrzehnte Lebenserfahrung. Niemals zuvor hat der Unternehmer jedoch Katastrophen auf der Welt so geballt erlebt wie jetzt. Nun fürchtet er, dass der Ukraine-Krieg weiter eskalieren könnte.

Künzelsau – Mit seinen 87 Jahren hat Reinhold Würth schon einige Krisen kommen und gehen sehen. Nach dem frühen Tod seines Vaters im Jahr 1954 übernahm er bereits mit 19 Jahren große Verantwortung und baute die Firma Würth – anknüpfend an die Aufbaujahre der Nachkriegszeit – zum Weltmarktführer auf. Nun sorgt sich Würth um sein Vermächtnis. Wie er im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt, habe er noch nie in seinen 73 Berufsjahren „eine solche Häufung von Negativismen“ erlebt. „Der Ukrainekrieg ist brandgefährlich. Da wissen wir nicht, ob wir schon im dritten Weltkrieg sind.“ Hinzu kämen die Pandemie, die Inflation und die Klimakatastrophe.

Angesichts der geballten Probleme auf der Welt gibt sich Würth wenig zuversichtlich in Hinblick auf die Zukunft. „Der Einzelne kann gar nichts tun. Solche Dinge entwickeln eine Eigendynamik, die kein Mensch vorhergesehen hat.“ Gute Miene zum bösen Spiel zu machen, sei aktuell nicht angebracht – auch nicht in seinem Unternehmen. „Ich versuche, keinen überschäumenden Optimismus zu verbreiten, weil das nicht der Realität entspricht. Wir können nur auf die Vernunft hoffen, dass Putin nicht auf die Idee kommt, Atomwaffen einzusetzen. Das wäre die rote Linie.“ Würth glaubt, dass sich der Krieg nur durch Vernunft beenden lässt. Dass China in den Konflikt eingreift, hält er für unwahrscheinlich. „Für Xi Jingping ist es zu früh, einzugreifen und den großen Konflikt anzuzetteln.“ Die EU habe der Krieg derweil enger zusammengeschweißt.

Reinhold Würth: Firma steht kurz vor neuem Meilenstein – „Umsatzverdopplung in weniger als zehn Jahren“

Während Würth die Bemühungen der EU lobt, auch Interessen nach dem Motto „Europa first“ zu verfolgen, ist er froh, dass er mit seinem Unternehmen unabhängig vom Staat agiert. „Ich brauche keine Politik“, sagt er. „Das ist bei unserer Größe auch gut so!“ Im Jahr 2022 steuere Würth auf einen Umsatz von fast 20 Milliarden Euro zu. Würde die 20-Milliarden-Marke geknackt, wäre das laut dem Firmenpatriarchen ein neuer Meilenstein. Konkret spricht er von einer „Umsatzverdopplung in weniger als zehn Jahren“. Um die Mitarbeiter anzuspornen, habe er eine Art Wettbewerb ausgeschrieben, damit die Firma die Marke knackt. „Vielleicht werden es am Ende nur 19,898 Milliarden, aber weit weg sind wir nicht.“

Reinhold Würth
Reinhold Würth ist angesichts der Krisen wie dem Ukraine-Krieg, der Corona-Pandemie, der Inflation und die Klimakatastrophe wenig zuversichtlich für die Zukunft. © Marijan Murat/dpa

Trotz Energiekrise und Inflation dürfen sich Mitarbeiter von Würth glücklich schätzen: Der Schraubenhersteller bezahlt seinen Angestellten eine Inflationsprämie von 4.000 Euro. Das ist nicht zuletzt Reinhold Würth zu verdanken. Auch, wenn der Firmenpatriarch schon vor Jahren die operative Führung abgegeben hat, gilt er als Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats nach wie vor als letzte Instanz der Firma. Tochter Bettina Würth führt als Konzernleitung seine Tradition fort. Dazu gehört auch, dass das Unternehmen großen Wert auf Bodenständigkeit legt. Arroganz ist für Reinhold Würth „die ekelhafteste Eigenschaft, die ein Unternehmer haben kann“.

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