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Würth pocht auf Krawattenpflicht bei Führungskräften: „Kleine Feinheiten, die Respekt verleihen“ 

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Von: Sina Alonso Garcia

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Hinter dem 87-jährigen Reinhold Würth liegt eine beispiellose Unternehmerkarriere. Noch immer prägt der Firmenpatriarch die Werte des Schraubenherstellers aus Künzelsau. So müssen etwa die Führungskräfte noch immer Krawatten tragen - für Würth ein Zeichen von Respekt.

Künzelsau - Als er das Unternehmen Würth 1954 von seinem Vater übernahm, war Reinhold Würth gerade einmal 19 Jahre alt. Heute gilt der inzwischen 87-Jährige als Vorzeigeunternehmer, der den Schraubenhersteller aus Künzelsau zum Weltmarktführer aufbaute. Mehr als 84.000 Mitarbeiter in über 80 Ländern arbeiten für die Würth-Gruppe. Zwar hat sich Reinhold Würth seit einigen Jahren aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Seine Werte prägen die Firma aber noch immer. Arroganz ist für ihn ein K.O.-Kriterium. Stattdessen setzt er auf Bodenständigkeit und mag es traditionell. Wie der Firmenpatriarch im Interview mit dem OMR-Podcast verriet, müssen Führungskräfte bei Würth Krawatte tragen - als Zeichen des Respekts.

„Unser Unternehmen ist natürlich eher traditionell orientiert“, so Würth. „Ich lege Wert darauf, dass die oberen Führungskräfte in Konferenzen Krawatten tragen.“ Dass der Schraubenhersteller sich dadurch von modernen Firmen abhebt, ist dem Unternehmer durchaus bewusst. „Für Google oder Amazon wäre sowas natürlich undenkbar.“ Für ihn seien es „kleine Feinheiten, die uns eben am Ende auch einen gewissen Respekt bei unseren Geschäftspartnern verleihen“. Wenn man mit Lieferanten oder Behörden rede, komme es ihm „respektlos“ vor, in einem „Freizeitlook“ zu erscheinen. Ein „labbriges Hemmet“ (schwäbisch für: ein lockeres Hemd, Anm. d. Red.) sei nicht angemessen. „Wenn ein Chef eines Weltunternehmens ohne Krawatte zu einer Besprechung bei Frau Merkel marschiert, dann empfinde ich das als ungehörig und sehe es sogar fast als Beleidigung der Gesprächspartnerin an.“

Reinhold Würth: Was die nachkommende Konzernführung entscheidet, liegt nicht in seinen Händen

Ob die Krawattenpflicht im Unternehmen noch in zehn Jahren ein Thema sein werde, wisse er nicht, sagt Würth im Podcast. „Bei mir sowieso nicht, weil ich ja jetzt 87 bin. Es ist logisch, dass mein Werdegang dem Ende zugeht - ganz automatisch. Aber es soll ja darüber hinaus weitergehen.“ Was dann die neue Konzernführung mache, liege in ihren Händen. „Wenn die sagen: Jetzt schneiden wir den alten Zopf ab und kippen die Krawattenpflicht - das können sie ja dann an Fasching machen“, scherzt Würth.

Reinhold Würth
Bei ihm sitzt die Krawatte stets perfekt: Reinhold Würth. (Archivfoto) © Sebastian Gollnow/dpa

Wie auf der Unternehmenswebsite von Würth zu lesen ist, habe Reinhold Würth von Anfang an eine Unternehmenskultur geprägt, die auf Hochachtung vor Mitarbeitern und ihren Leistungen basiert. Als Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe ist er noch immer eng mit der Firma verbunden, während seine Tochter Bettina Würth als Beiratsvorsitzende sowie die Konzernleitung seine Tradition fortführen.

Auch Wolfgang Grupp legt auf den Dresscode Wert

Ähnlich wie die Schraubenlegende Würth hält es mit dem Thema Dresscode auch der Unternehmer Wolfgang Grupp (80), Chef der Textilfirma Trigema aus dem schwäbischen Burladingen. Er tritt ebenfalls stets in Anzug mit Krawatte und Einstecktuch auf und legt Wert auf angemessene Kleidung. „Wer eine Jogginghose trägt, schätzt sein Gegenüber nicht wert“, lautet die klare Ansage des Trigema-Chefs.

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