Schwimmen mit den Großen

„Jahrhundert-Chance“: Globus kauft Real-Märkte, um sich vor Bedeutungslosigkeit zu retten

Blick auf einen Schriftzug an einer Filiale der Supermarktkette Real.
+
Während viele Real-Standorte von Kaufland oder Globus übernommen werden, droht anderen die endgültige Schließung.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
    schließen

Der Lebensmittelhändler Real ist Geschichte: Viele Filialen mussten schließen, andere werden von Konkurrenten übernommen. Zu ihnen zählt auch Globus.

Stuttgart/St. Wendel - Es ist nach wie vor ein Familienbetrieb und außerhalb des Saarlandes nur wenigen bekannt. Doch nun übernimmt Globus mindestens 16 Real-Märkte in ganz Deutschland und könnte so den Rivalen Aldi, Rewe, Edeka und der Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland ordentlich Konkurrenz machen. Mit fast 19.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp acht Milliarden Euro im Jahr, schwimmt Globus noch weit hinter den großen Fischen im Teich der Lebensmittelhändler. Wie die Wirtschaftswoche berichtet, bringt es Edeka auf mehr als 60 Milliarden Euro Umsatz, die Schwarz-Gruppe dürfte zuletzt sogar rund 120 Milliarden Euro eingenommen haben.

Dennoch hat Globus nun den Kampf um die Übernahme der besten Real-Filialen in Deutschland gewonnen: Mindestens 16 Märkte, vielleicht sogar 24, wird das mittelständische Unternehmen in Zukunft leiten. Dazu zählen zwei der besten Real-Standorte, nämlich die Filialen in Krefeld und Braunschweig - diese galten bisher als die Vorzeigemärkte von Real. Dabei schienen lange Edeka und die Schwarz-Gruppe das Rennen unter sich auszumachen. Die beiden Handelsketten übernehmen zwar den größten Anteil der ursprünglich 270 zu verkaufenden Filialen - aber die Standortfrage hat offenbar nun Globus für sich entschieden.

Globus übernimmt Real: „Wir sind kein großer Player, aber da wo wir sind, sind wir stark“

Für den Juniorchef von Globus, Matthias Bruch, gibt es an der Übernahme der Real-Märkte keine Zweifel: Es sei eine „Jahrhundertchance“. Globus sei „zwar kein großer, nationaler Player, aber da wo wir sind, sind wir auch stark“, sagt er. Deswegen habe man sich dazu entschieden, ein Angebot für die Real-Märkte abzugeben. Auch, wenn es feststellen musste, „dass es nicht so einfach ist, bei den Verkäufern für unsere Position Gehör zu finden“, zitiert die Wirtschafswoche Seniorchef Thomas Bruch.

Das Bundeskartellamt mit Sitz in Bonn sorgt sich schon länger um den Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel. Mit der Schwarz-Gruppe sowie mit Edeka, Aldi und Rewe dominieren vier große Anbieter den Markt. Hier könnte Globus nun zumindest ein kleines Korrektiv darstellen. Deswegen erhöhte das Kartellamt den Druck auf den russischen Real-Eigentümer SCP - mit Erfolg für Globus. Der Deal stärke „die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständischen Wettbewerber“, sagt Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Globus könne die Zahl der Standorte um mehr als 40 Prozent steigern und somit auch in Regionen vordringen, in denen das Unternehmen noch nicht bekannt ist.

Real-Übernahme: Globus will mehr Mitarbeiter einstellen, um Kundennähe zu schaffen

Im Saarland ist Globus eine Institution, in St. Wendel steht bis heute die Zentrale des Unternehmens. Dennoch betreibt Globus europaweit fast 170 Filialen, darunter etliche Fachmärkte und vor allem riesige SB-Warenhäuser. Das Erfolgsrezept des Familienunternehmens ist klar: Die einzelnen Filialen unterscheiden sich deutlich voneinander und bieten lokale Sortimente an. „Dem Kunden sind Expansionsstrategien völlig egal“, ist Thomas Bruch überzeugt. „Im Laden zählt, dass Sie die richtige Fleischwurst in der richtigen Qualität zum richtigen Preis anbieten.“ Es komme auf viel Freiheit vor Ort und effiziente Abläufe im Hintergrund an.

Für die ehemaligen Filialen von Real hat das Unternehmen auch schon Pläne. Bereits gekaufte Märkte von Real hat Globus radikal umgekrempelt. Ähnlich soll es bei den anderen Filialen werden: Ab Mai sollen die beiden Top-Standorte in Braunschweig und Krefeld unter neuer Flagge hissen, hier sind neben dem gewohnten Sortiment auch gastronomische Angebote geplant. Zudem wollen die Bruchs die Produktion von Lebensmitteln in Bäckereien und Metzgereien vor Ort ausbauen.

Für solche Pläne benötigt man mehr Personal, das wissen die Globus-Chefs: Bereits bei früheren übernahmen „haben wir die Zahl der Marktmitarbeiter mindestens verdoppelt, teilweise sogar verdreifacht“. Bei Real habe bisher die Nähe zum Kunden gefehlt, das wolle man nun ändern. „Wir sind mit ganz anderer Leidenschaft dabei“, sagt Juniorchef Matthias Bruch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare