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Rückschlag für die Grünen: Mercedes-Benz, VW und BMW dürfen noch bis 2035 Verbrenner verkaufen

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Von: Julian Baumann

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Die Zentrale von Mercedes-Benz im Stuttgarter Stadtteil Untertürkheim.
Mercedes, BMW und VW dürfen bis 2035 Verbrenner verkaufen. In Stuttgart steht ein Ende der Verbrenner-Produktion ab 2030 aber bereits fest. © Mercedes-Benz AG/Corporate Communication

Mercedes-Benz, VW und BMW dürfen noch bis 2035 Verbrenner-Modelle verkaufen. Ein Vorschlag der Grünen, der das unterbinden sollte, wurde abgelehnt.

Stuttgart/München/Wolfsburg - Die drei großen deutschen Autobauer Mercedes-Benz* aus Stuttgart*, BMW aus München und VW aus Wolfsburg setzen immer deutlicher auf E-Autos. Mercedes will ab 2030 ausschließlich batteriebetriebene Modelle bauen (BW24* berichtete). Der Fokus auf die E-Mobilität ist dem immer größer werdenden Druck der Politik geschuldet, die eine CO2-neutrale Produktion bis Ende des Jahrzehnts fordert. Vor allem die Grünen setzten sich in den vergangenen Monaten stark für deutlich strengere Flottengrenzwerte ein. Der regierungsinterne Streit wurde zugunsten der Autobauer entschieden.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 16.02.2022 veröffentlicht. Da er für unsere Leser noch immer Relevanz besitzt, haben wir ihn erneut auf Facebook gepostet.

Die bisherige Vorgabe der EU sieht vor, dass die Autobauer in Europa bis 2030 dafür sorgen müssen, dass ihre Neuwagenflotte 55 Prozent weniger CO2 ausstößt als noch im Jahr 2021. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) hatte von ihren Beamten aber eine Vorlage erarbeiten lassen, die Mercedes-Benz und Co. deutliche Einschnitte beim Verbrenner-Verkauf bis 2035 eingebracht hätten. Damit konnte sich die Grünen-Politikerin aber nicht durchsetzen, berichtet Business Insider. Vor allem für die Führungsetagen in München und Wolfsburg dürfte das eine gute Nachricht sein, in Stuttgart sieht man die Entscheidung wohl eher gelassener.

Grüne blitzen mit Vorlage ab - Autobauer dürfen bis 2035 Verbrenner verkaufen

Der Vorschlag von Bundesumweltministerin Lemke sah konkret vor, dass die Autobauer bis 2030 sogar 75 Prozent der Flottenemission senken sollten. Demnach müssten alle Neuwagen von Mercedes, BMW und VW vollelektrisch sein, um diesen Wert einhalten zu können. Diese Vorlage sollte deutlich über die Vereinbarungen der Ampel im Koalitionsvertrag hinausgehen. Die Bundesregierung lehnte das jedoch ab. „Wir haben uns auf das verständigt, was im Koalitionsvertrag steht“, erfuhr die Düsseldorfer Zeitung aus Regierungskreisen. „Auf nicht mehr und nicht weniger.“

Für Mercedes-Benz, BMW, VW und Co. bleibt es also bei der Vorgabe, dass ab 2035 nur noch klimafreundliche Automodelle auf den Markt kommen sollen. Bis dahin soll es aber keine verschärfenden Zwischenstufen geben, für die die Autobauer bei Nichteinhaltung Strafe zahlen müssten. Aktuell werden immer mehr E-Autos verkauft. Mercedes verkaufte im vergangenen Jahr mehr E-Autos als jemals zuvor*. Dennoch produzieren die Autobauer derzeit noch immer Verbrenner-Modelle, die bei einer Durchsetzung des Vorschlags der Grünen bis 2035 nicht mehr verkauft werden dürften.

Niederlage der Grünen vor allem für BMW und VW eine Genugtuung

Mercedes-Benz, BMW und VW haben bereits mehrere vollelektrische Modelle auf dem Markt. Dennoch gibt es in Bezug auf ein frühzeitiges Verbrenner-Ende in den Chefetagen in Stuttgart, München und Wolfsburg unterschiedliche Ansichten. Mercedes-Benz Chef Ola Källenius* hat die E-Auto-Strategie deutlich verschärft und damit ein Ende der Verbrenner-Produktion bis 2030 beschlossen. BMW-Chef Oliver Zipse ist dagegen der Meinung, dass auch Benzin-Motoren in Zukunft klimaneutral werden können. Er sieht in den E-Fuels großes Potenzial. An diesem synthetischen Kraftstoff arbeitet auch Porsche, um den Verbrenner zu retten*.

Der Porsche-Mutterkonzern VW ist nach Toyota der größte Autobauer der Welt und hat sich dementsprechend auch großes vorgenommen. Bis 2030 sollen 70 Prozent aller Modelle des VW-Konzerns vollelektrisch sein. Eine komplette Umstellung auf batteriebetriebene Modelle sei bis Ende des Jahrzehnts bei VW kaum machbar, erfuhr Business Insider aus Konzernkreisen. Demnach dürfte es nach der Regierungsentscheidung vor allem in München und Wolfsburg ein großes Aufatmen geben, während Stuttgart das Ganze eher gelassen sieht. Bei Mercedes-Benz gilt ein Verbrenner-Ende bis 2030 als beschlossene Sache. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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