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„Wichtige Termine“: Mercedes-Chef Ola Källenius geht nicht mit Olaf Scholz nach China

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Von: Julian Baumann

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Prof. Li Meng (CHN) und Ola Kaellenius bei der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung im Bereich autonomes Fahren.
Bei der China-Reise von Angela Merkel (m.) im Jahr 2019 war Mercedes-Chef Ola Källenius (r.) dabei. In diesem Jahr wird der Manager Bundeskanzler Olaf Scholz nicht in die Volksrepublik begleiten. © Snapshot-Photography/F. Boillot/Imago

In der kommenden Woche bricht Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zu einem Kurzbesuch nach China auf. Mercedes-Chef Ola Källenius und andere hochrangige Führungskräfte der deutschen Wirtschaft werden in diesem Jahr aber nicht dabei sein.

Stuttgart/Berlin - Die Volksrepublik China ist nicht nur der weltweit größte und wichtigste Automarkt, sondern spielt auch als Handelspartner für viele deutsche Unternehmen eine wichtige Rolle. Der Autokonzern Mercedes-Benz aus Stuttgart ist sogar in besonderer Weise mit China verbunden, chinesische Investoren halten rund 20 Prozent an dem Unternehmen, wie im vergangenen Jahr bekannt wurde. Obwohl der chinesische Automarkt und auch die Verbindungen zu dem Land für Mercedes-Benz besonders wichtig sind, wird Konzernchef Ola Källenius Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei seinem ersten Amtsbesuch in der Volksrepublik nicht begleiten.

Die chinesische Wirtschaft hatte noch stärker unter den Folgen der Corona-Pandemie zu leiden als andere Regionen und auch aktuell kommt es noch immer zu strengen Lockdowns aufgrund steigender Fallzahlen. Vor wenigen Monaten musste beispielsweise auch US-Unternehmen Tesla die Produktion in Shanghai aufgrund eines Lockdowns stoppen. Aufgrund der Corona-Lage wird die erste Dienstreise des Bundeskanzlers nach China kurz ausfallen, berichtet das Handelsblatt. An dem Vorhaben, wie üblich, eine Wirtschaftsdelegation mitzunehmen, hält der Regierungschef trotz deutlicher Kritik allerdings fest. Mehrere hochrangige Manager der Wirtschaft halten davon aber offenbar wenig.

China-Besuch von Bundeskanzler Scholz - Mercedes-Chef Källenius und SAP-Vertreter nicht dabei

Die deutsch-chinesischen Beziehungen sind für viele Unternehmen ein eher zweischneidiges Schwert. Zum einen ist der dortige Absatzmarkt für den Gesamtabsatz der großen Konzerne obligatorisch, die Kommunistische Partei Chinas, die das Land autoritär bis totalitär führt, macht eine Abhängigkeit von China aber auch sehr gefährlich. Zudem besitzt Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping „nun die absolute Kontrolle“, wie Merkur.de aktuell berichtet. Als Angela Merkel im Jahr 2019 als bisher letzte deutsche Regierungschefin zu Besuch in China war, waren mehrere hochrangige Wirtschaftsmanager dabei, die auch in Beisein von Chinas Ministerpräsident Li Keqiang mehrere Wirtschaftsvereinbarungen unterschrieben.

Wenn Olaf Scholz in der kommenden Woche zu seinem Besuch in die Volksrepublik aufbricht, werden viele deutsche Konzernchefs aber nicht dabei sein. Mercedes-Chef Ola Källenius, der im Jahr 2019 Angela Merkel nach China begleitet hatte, wird in diesem Jahr nicht mitreisen, berichtet das Handelsblatt. Grund dafür seien andere „wichtige Termine“, hieß es vom Konzern. Auch vom größten Softwarekonzern Europas, SAP, erhielt der Bundeskanzler in diesem Jahr eine Absage und Martin Herrenknecht, Chef des gleichnamigen Tunnelbauers, sei nicht gefragt worden, habe sich aber auch nicht beworben. Das badische Familienunternehmen hatte im vergangenen Jahr ein Übernahmeangebot aus China rigoros abgelehnt.

China-Besuch von Olaf Scholz: Wirtschaftsdelegation trotz Kritik wegen politischer Spannungen

Wenn der Regierungschef zu einem Staatsbesuch in eines der wirtschaftsstärksten Länder aufbricht, sind die hochrangigen Führungskräfte der Unternehmen normalerweise dafür zu haben. Schließlich können sie in China nicht nur neue Handelsvereinbarungen knüpfen oder bereits bestehende verstärken, sondern auch viel Zeit mit dem Bundeskanzler verbringen. Aktuell ist die Reise einer deutschen Wirtschaftsdelegation nach China aber nicht nur wegen der dortigen Corona-Situation problematisch. Die Regierung des bevölkerungsreichsten Landes der Welt hatte sich seit dem Beginn des Ukraine-Krieges mehrfach auf die Seite Russlands gestellt und droht immer wieder offen Richtung Taiwan.

Der China-Taiwan-Konflikt könnte laut einem Experten verheerende Folgen für die deutsche Autoindustrie haben, da gerade die wichtigen Halbleiterkomponenten zu einem Großteil aus dem Land stammen. Aufgrund der Corona-Situation und der politischen Spannungen haben sich das EU-Parlament in Brüssel und auch Mitglieder der Regierungskoalition gegen das Mitreisen einer Wirtschaftsdelegation mit Bundeskanzler Scholz ausgesprochen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz) berichtet, werden bestimmte Konzernchefs den Regierungschef dennoch begleiten. Darunter auch VW- und Porsche-Chef Oliver Blume und Siemens-Chef Roland Busch.

Der Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz in China soll nur ein „Tagesausflug“ ohne Übernachtung in Peking werden, hatte Regierungssprecher Steffen Hebestreit dem Handelsblatt zufolge am Montag in Berlin erklärt. „Es ist aufgrund des dortigen Coronaregimes sehr kompliziert, deswegen ist die Reise auch sehr kurz.“ Scholz‘ Besuch in der Volksrepublik ist der erste Staatsbesuch eines westlichen Regierungschefs seit dem Beginn der Corona-Pandemie. Auch US-amerikanische Regierungsvertreter waren seit 2019 nicht mehr in China.

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