Über 1.000 Firmen weltweit

„Hall of Shame“: Yale-Professor verteilt Schulnoten an Unternehmen für Verhalten gegenüber Russland

Die Firmenlogos von Mercedes-Benz, Lidl, Kaufland und Hugo Boss.
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Mercedes-Benz, Lidl, Kaufland und Hugo Boss haben ihr Russland-Geschäft eingestellt, halten sich aber eine Wiederaufnahme nach Ende des Ukraine-Kriegs offen.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Ein Professor der Yale-University hat Unternehmen auf ihr Verhalten gegenüber Russland geprüft und Schulnoten verteilt - darunter auch mehrere deutsche Firmen.

Stuttgart/New Haven - Seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine haben zahlreiche Unternehmen weltweit reagiert und ihre Geschäfte in Russland eingestellt. Doch selbst in der deutschen Wirtschaft gehen die großen Unternehmen unterschiedlich mit der Situation um. Mercedes-Benz kappte beispielsweise die Verbindungen zu Russland und stellte Lieferungen in das Land ein. Schokoladenhersteller Ritter Sport liefert dagegen weiterhin nach Russland und wurde deshalb scharf kritisiert und auch der Software-Konzern SAP entschied sich vergleichsweise spät für einen Rückzug aus dem Land.

Ein Professor der renommierten Yale University in New Haven (Connecticut) hat eine Liste mit rund 1.000 internationalen Unternehmen erstellt, die derzeit einen großen Druck auf die Wirtschaft ausübt. Auf der Liste, die nach den amerikanischen Schulnoten A, B, C, D und F eingeteilt ist, befinden sich auch viele deutsche Firmen. Hintergrund der Auflistung ist laut dem Handelsblatt die Frage, inwieweit sich die Unternehmen aufgrund des Ukraine-Krieges aus Russland zurückgezogen haben - oder eben nicht.

Russland-Geschäft: Yale-Professor will mit Liste Druck auf die Unternehmen ausüben

Der Ukraine-Krieg hat auch in der deutschen Wirtschaft die Frage nach Ethik und Moral neu entfacht. Die Sanktionen gegen Russland sollen die dortige Wirtschaft schwächen. Manche Unternehmen argumentieren aber damit, dass die russische Bevölkerung nicht für den Krieg von Wladimir Putin verantwortlich sei und deshalb auch nicht direkt dafür bestraft werden sollte. Mit seiner fortlaufend aktualisierten Liste will Yale-Professor Jeffrey Sonnenfeld dem Handelsblatt zufolge aber Druck auf die Unternehmen ausüben, damit diese sich deutlicher von Russland abgrenzen. US-Medien betitelten seine Liste bereits als „Hall of Shame“, also die Halle beziehungsweise Liste der Schande.

„Die Öffentlichkeit ist zunehmend darüber irritiert, welche Firmen sie feiern soll und über welche sie sich schämen muss“, erklärte Jeffrey Sonnenfeld. Deshalb haben der Professor und sein Team inzwischen mehr als 1.000 Unternehmen anhand von Medienberichten in Bezug auf ihr Verhalten gegenüber Russland eingestuft. Auf der Stufe F, die der deutschen Schulnote 6 (ungenügend) entspricht, befinden sich Firmen, die sich bislang nicht aus Russland zurückgezogen haben. Dazu zählen laut dem Handelsblatt beispielsweise die Großhandelskette Metro mit Hauptsitz in Düsseldorf oder die Supermarktkette Globus mit Sitz in St. Wendel (Saarland). Beide Unternehmen nennen als Grund für die weiteren Russland-Geschäfte die Erhaltung der dortigen Arbeitsplätze.

Yale-Liste: Große Unternehmen aus Baden-Württemberg erhalten Schulnote „gut“

Auf der Yale-Liste erhielten Unternehmen die Schulnote D (4/ausreichend), die bislang zumindest ihr Neugeschäft in Russland gestoppt haben. Dazu zählen unter anderem Siemens oder der Pharmakonzern Bayer und auch Ritter Sport, die zwar nicht in Russland produzieren, ihre Ware aber weiterhin in das Land liefern. Ritter Sport hat inzwischen auf den Shitstorm reagiert und spendet die Einnahmen aus dem Russland-Geschäft. Die Schulnote C (3/befriedigend) erhielt unter anderem der Technologiekonzern Bosch aus Stuttgart. Das Russland-Geschäft des weltgrößten Autozulieferers kam zwar weitgehend zum Erliegen, Bosch will laut dem Handelsblatt aber weiterhin die russische Bevölkerung versorgen, beispielsweise mit Heizkesseln.

Mit der Schulnote B (2/gut) haben Yale-Professor Jeffrey Sonnenfeld und sein Team Unternehmen bewertet, die sich zwar aus Russland zurückgezogen haben, sich aber eine eventuelle Rückkehr vorbehalten. In diesem Teil der Liste finden sich unter anderem auch die größten Unternehmen der Wirtschaft in Baden-Württemberg. Autokonzern Mercedes-Benz hat die Lieferungen nach Russland gestoppt. Die Lebensmittelhändler Lidl und Kaufland verkaufen keine russischen Produkte mehr in den Filialen und auch die Modekette Hugo Boss hat sowohl die Geschäfte vor Ort, als auch den Online-Handel in Russland temporär gestoppt. Die genannten Unternehmen kündigten aber an, die Lieferungen nach dem Ende des Ukraine-Krieges wieder aufnehmen zu wollen.

An der Spitze der Yale-Liste stehen schließlich Unternehmen, die ihr Russland-Geschäft dauerhaft beendet haben. Ihnen verlieh Jeffrey Sonnenfeld die Schulnote A (1/sehr gut). Als Beispiele führt das Handelsblatt den Schuhhändler Deichmann mit Sitz in Essen und auch den Lebensmittelhändler Aldi auf. Zudem kündigte der Lebensmittelhersteller Dr. Oetker kurz vor Ostern an, seine Anteile an die russischen Geschäftsführer verkauft zu haben.

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