Neuer Chef kommt aus der Autobranche

Künftiger EnBW-Chef will Versorgung für Kundinnen und Kunden sichern

Andreas Schell, Vorstandsvorsitzender der Rolls-Royce Power Systems AG, spricht bei einer Online-Bilanzpressekonferenz am Standort in Friedrichshafen.
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Andreas Schell ist der neue Chef der EnBW. Er will in der aktuellen Krisenzeit die Versorgung für Kundinnen und Kunden sichern.

Der künftige Chef des Karlsruher Energiekonzerns EnBW, Andreas Schell, will den eingeschlagenen Kurs des einstigen Atomstromers hin zu erneuerbaren Energien konsequent fortführen.

Karlsruhe (dpa) - Der künftige Chef des Karlsruher Energiekonzerns EnBW, Andreas Schell, will den eingeschlagenen Kurs des einstigen Atomstromers hin zu erneuerbaren Energien konsequent fortführen. „Außerdem möchte ich das Unternehmen auch weiterhin vor dem Hintergrund aktueller Fragen wie der Versorgungssituation für unsere Kundinnen und Kunden zukunftssicher positionieren“, erklärte der bisherige Chef des Großmotorenherstellers Rolls-Royce Power Systems am Donnerstag, nachdem ihn der EnBW-Aufsichtsrat für drei Jahre zum Vorstandsvorsitzenden bestellt hatte. Der 52-Jährige soll das Amt im vierten Quartal antreten. Er folgt auf Frank Mastiaux (58).

Vor seiner derzeitigen Chef-Position bei Rolls-Royce Power Systems war Andreas Schnell einige Jahre bei Daimler-Benz und anschließend bei DaimlerChrysler, Vorgänger der heutigen Mercedes-Benz AG, tätig. Dass Schell aus der Autobranche kommt, ist für EnBW-Aufsichtsratschef Lutz Feldmann kein Problem. Der auf Energietechnik spezialisierte Maschinenbauingenieur hatte Rolls-Royce Power Systems mit Sitz am Bodensee von einem traditionellen Hersteller von Diesel- und Gasmotoren zu einem modernen Anbieter nachhaltiger Antriebslösungen bis hin zu kompletten Energiesystemen entwickelt - mit Blick auf Dekarbonisierung und Digitalisierung. „Diese überzeugende Transformation ist in ihrer Logik und Dynamik vergleichbar mit dem Veränderungsprozess der EnBW“, argumentierte Feldmann.

EnBW: Künftiger Chef kennt sich „in den anspruchsvollen Märkten der Energie- und Mobilitätswende“ aus

Und dieser Prozess müsse mit gleicher Intensität und unvermindertem Tempo fortgesetzt werden wie zu Mastiauxs Zeiten, sagte Feldmann. Mit Schell habe man einen international erfahrenen Top-Manager gewonnen, „der strategisch konsequent vorgeht, tiefgreifende Unternehmensveränderungen erfolgreich und mit hoher Effizienz gestalten kann und sich darüber hinaus in den anspruchsvollen Märkten der Energie- und Mobilitätswende sehr gut auskennt“. Die Deutsche Presse-Agentur hatte die Personalie am Dienstag schon erfahren.

Nicht zuletzt infolge der Atomkatastrophe von Fukushima hat Mastiaux den Konzern mit gut 26.000 Beschäftigten sowie 5,5 Millionen Kunden und Kundinnen auf erneuerbare Energien ausgerichtet. Die haben inzwischen einen Anteil von 40 Prozent, der weiter wachsen soll. Ende dieses Jahres geht das letzte EnBW-Kernkraftwerk, Block II in Neckarwestheim (Kreis Heilbronn), planmäßig vom Netz. Im Gassektor setzt EnBW auf die künftige Nutzung etwa von grünem Wasserstoff.

Im vergangenen Jahr hat EnBW einen Umsatz von knapp 32,15 Milliarden Euro und einen Betriebsgewinn (bereinigtes Ebitda) von 2,96 Milliarden Euro erzielt; letzterer wuchs zum fünften Mal in Folge. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet EnBW trotz der politischen Unsicherheiten, dass das Betriebsergebnis zum ersten Mal die Marke von drei Milliarden Euro knackt. Allerdings bekam der Konzern 2021 auch die Unwägbarkeiten bei den Erneuerbaren deutlich zu spüren: Schwacher Wind sorgte für ein Minus in diesem Bereich.

Baden-Württembergs Finanzminister Bayaz begrüßt Wahl von Schell zum neuen EnBW-Chef

Der neue Chef Schell wird sich zudem mit den Themen Kohle und Gas befassen müssen. Hier beziehen auch die Karlsruher aus Russland, was zumindest beim Gas nicht allzu schnell zu lösen sein wird. Steigende Preise für Verbraucherinnen und Verbraucher im Zuge der russischen Invasion in die Ukraine dürften nur ein Thema sein, mit dem sich Schell schon bald nach Amtsantritt befassen werden muss.

Landesfinanzminister und EnBW-Aufsichtsratsmitglied Danyal Bayaz (Grüne) sagte: «Andreas Schell kann Transformation. Und genau darum geht es bei der EnBW: Die Fortführung einer ambitionierten, nachhaltigen und vielversprechenden Strategie, insbesondere für den Ausbau erneuerbarer Energien, für Versorgungssicherheit und innovative Geschäftsmodelle.» Die EnBW müsse so schnell wie möglich unabhängig von Gas und Kohle aus Russland werden. Schell wisse ein Unternehmen in schwierigem und unsicherem Umfeld zu führen. „Mit seiner Leidenschaft für Nachhaltigkeit und seinem kooperativen Führungsstil ist er genau der Richtige für diese Aufgabe.“

Rolls-Royce Power Systems teilte in Friedrichshafen (Bodenseekreis) mit, den erst im Januar vorzeitig bis 2025 verlängerten Vertrag mit Schell zum Ende dieses Jahres aufzulösen. „Er hat das Führungsteam bei Power Systems gestärkt und gemeinsam haben sie für den höchsten Auftragsbestand in der Geschichte des Unternehmens gesorgt“, sagte Rolls-Royce-Chef Warren East einer Mitteilung zufolge.

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