Neue Studie über finanzielle Folgen

Kosten für den Klimawandel: Forscher nennen nahezu unvorstellbare Zahl

Der Fischmarkt in Hamburg wurde von einer Flut heimgesucht.
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Land unter: Wenn die Elbe steigt, gerät auch schonmal der Firschmarkt in Hamburg unter Wasser.
  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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Es wird höchste Zeit für den Kampf gegen den Klimawandel. Diese Forderung ist alles andere als neu. Nun dürften britische Forscher der Diskussion aber neuen Auftrieb gegeben haben.

  • Der Kampf gegen den Klimawandel wird viel zu langsam vorangetrieben - wenn überhaupt.
  • Britische Forscher veröffentlichen nun eine Studie zu den immensen Kosten, die deshalb auf die Menschheit zukommen werden.
  • Es gibt ein großes Problem, was einschneidenden Maßnahmen entgegensteht.

London/München - Eine Billion ist eine immens große Zahl. Mit zwölf Nullen. Das sind Tausend Milliarden. Oder eine Million Millionen. Also kurz: nur schwer vorstellbar. In diesen Größenordnungen werden sich jedoch einer neuen Studie zufolge die Kosten belaufen, die der Klimawandel mit sich bringt. Das geht aus der nun veröffentlichten gemeinsamen Arbeit der britischen Non-Profit-Organisation Carbon Disclosure Project (CDP) und des University College London (UCL) hervor.

Die Forscher untersuchten gemeinsam die finanziellen Folgen des weiter voranschreitenden Temperaturanstiegs auf der Erde. Dabei errechneten sie die erschreckenden Zahlen. Sollte kein wirkliches Umdenken mit den entsprechenden Konsequenzen einsetzen, würden ab 2070 jährlich satte 5,4 Billionen US-Dollar - also umgerechnet knapp 4,6 Billionen Euro - anfallen.

Kosten für Klimawandel: Zweistellige Billionen-Summe müsste irgendwann aufgewendet werden

Ab 2200 seien es dann sogar 31 Billionen US-Dollar pro Jahr - knapp 26,4 Billionen Euro -, die aufgewendet werden müssten, um den Folgen des Klimawandels Herr zu werden. Eingerechnet wurden etwa Kosten für den Wiederaufbau von Städten, die von Naturkatastrophen heimgesucht wurden.

In ihrer Arbeit mit dem Titel „Kosten für die Erde - Kosten des Klimawandels und das Bruttoinlandsprodukt“ gehen die Forscher davon aus, dass der Ausstoß der Treibhausgase nicht verringert werde, was eine Erderwärmung von 4,4 Grad bis zum Ende des aktuellen Jahrhunderts zur Folge hätte. Dies schlage sich auch auf das Bruttoinlandsprodukt nieder, dessen Wachstumsrate ab 2050 um zehn Grad einbrechen werde, ab 2100 sogar um ein Viertel.

Folgen des Klimawandels: Vor der grönländischen Siedlung Kulusuk schwimmen zahlreiche Eisberge im Wasser.

Kosten für Klimawandel: Selbst Einhaltung des Klimaabkommens führt zu Billionen-Summe

Und selbst wenn die Beschlüsse des internationalen Klimaabkommens von Paris befolgt würden - die globale Temperatur also lediglich zwei Grad Celsius über ihrem durchschnittlichen Wert des vorindustriellen Zeitalters liegen würde -, würden die Kosten 2070 noch immer 1,8 Billionen US-Dollar (1,5 Billionen Euro) betragen.

Die Forscher äußerten auch eine Vermutung, warum verhältnismäßig wenig gegen den Klimawandel unternommen werde. Dies sei mit dem Umstand erklärbar, dass dessen Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt schwer zu fassen seien, da es große Unterschiede und Unsicherheiten gebe. Besonders betroffen seien Entwicklungsländer, so würden die Schadenskosten besonders in Indien und Afrika hoch ausfallen. Dagegen scheinen Australien, Kanada, Mexiko, Südkorea oder Großbritannien auf der Sonnenseite zu stehen.

Folgen des Klimawandels: In Neuseeland wird ein Ort durch einen Waldbrand zerstört

Kosten für Klimawandel: Forscher nutzen drei globale Modelle

„Es wurden drei globale Modelle für mehrere Regionen verwendet, um die wirtschaftlichen und nichtwirtschaftlichen Kosten des Klimawandels in verschiedenen Wirtschaftssektoren abzuschätzen“, erklärte UCL-Professor Dr. Gabrial Anandarajah.

Für Richard Tol hinterlässt diese Studie jedoch Zweifel. „Dies ist nicht die beste Arbeit dieser Autoren. Sie verwenden drei Modelle, die nicht wirklich zusammenpassen, für Zwecke, für die sie nicht entwickelt wurden“, kritisierte der niederländische Ökonom der Universität von Sussex laut Frankfurter Allgemeine Zeitung. (mg) *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Seit einiger Zeit kämpft mit Greta Thunberg* eine Schülerin an vorderster Front für Maßnahmen gegen den Klimawandel. Die Aktivistin* hielt eine aufsehenerregende Rede auf dem UN-Klimagipfel in New York und legte sich mit Donald Trump* an. Sie begründete die weltweit bekannte „Fridays for future“-Bewegung, der sie seither ein Gesicht gibt.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fand auf dem jüngsten CSU-Parteitag klare Worte zum Klimwandel. Für das Jahr 2070 wurde bereits jetzt eine düstere Wetter-Prognose veröffentlicht.

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