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Der unberechenbare Elon Musk verantwortet jetzt Twitter - das wird eine Katastrophe

Der Twitter-Account von Elon Musk ist neben dem Logo von Twitter zu sehen.
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Elon Musk hat Twitter für 44 Milliarden Dollar gekauft und hat schon genau Vorstellungen, was aus der Plattform werden soll.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Elon Musk hat Twitter für 44 Milliarden Dollar gekauft und plant einige Veränderungen mit der Plattform. Unsere Autorin sieht in der Übernahme eine Katastrophe.

Stuttgart - Tesla-Chef Elon Musk hat es tatsächlich getan und einfach mal für 44 Milliarden Dollar (umgerechnet 41,1 Milliarden Euro) den Kurznachrichtendienst Twitter gekauft. Einfach so. Was zunächst ein Scherz zu sein schien, ist pure Realität geworden. Dabei hat es sich bereits angedeutet, als Musk zum größten Twitter-Aktionär wurde. Nun wird das Portal von einem unberechenbaren Milliardär geleitet - eine Katastrophe für mich als Nutzer.

Wer Elon Musk auf Twitter verfolgt, weiß, dass nicht immer alles Sinn ergibt, was er dort vom Stapel lässt. Auf seinem Profil findet sich ein wirrer Tweet nach dem anderen. Dort steht beispielsweise so etwas wie: „Die Barbaren sind am Tor“. Was? Er nutzt die Plattform nicht nur für Ankündigungen zu Tesla und seiner Weltraumfirma SpaceX, sondern auch für das Weiterleiten von Scherz-Tweets, für provokante Meinungsäußerungen, zur Unterstützung von Kryptowährungen - oder auch für den Schlagabtausch mit Kritikern. Das brachte ihm bereits einigen Ärger ein, beispielsweise, als der Tesla-Boss den kanadischen Premierminister Justin Trudeau mit Adolf Hitler verglich.

Elon Musks Pläne mit Twitter würde das Ende der Anonymität bedeuten

Auch mit diversen Umfragen machte Musk zuletzt auf sich aufmerksam. Er fragte seine Follower beispielsweise, ob die Plattform eine Schaltfläche zur Bearbeitung benötige. Die Antwortmöglichkeiten im Original: „yse“ oder „on“. Elon Musk mag ein Visionär der Auto- und Raumfahrtbranche sein, aber ist er auch in der Lage, ein soziales Medium zu führen oder nutzt er es einfach als seine persönliche Spielwiese? Ich denke eher zweiteres.

Elon Musk gab bereits seine ersten Pläne bekannt, wie er Twitter verändern will. Er möchte neue Funktionen einbringen, den Algorithmus der Plattform öffentlich für alle machen, um Vertrauen zu schaffen, sogenannte Spam-Bots entfernen lassen und alle Nutzer auf ihre Echtheit prüfen. Letzteres klingt besonders spannend: Die „Echtheit“ der Nutzer könne man nur sicherstellen, indem man viele Daten über diese sammelt. Funktionieren würde das beispielsweise auch mit Klarnamenpflicht und Ausweiskontrolle. Viele könnten sich dann nicht mehr hinter einem Pseudonym verstecken - aber würde das Twitter nicht auch ein Stück weit zerstören?

Twitter kann nach der Übernahme durch Elon Musk nur schlechter werden

Zudem wäre laut dem Tesla-Chef auf Twitter keine Meinungsfreiheit mehr gegeben. Er wolle das ändern. Während viele User das ähnlich sehen und Elon Musk dafür feiern, glauben andere, dass genau dadurch die Demokratie in Gefahr sei - es würde die Rückkehr von Fake-News und Hass-Reden bedeuten. Zumal gerade die Vermutung naheliegt, dass der neue Twitter-Chef den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump wieder zurück auf die Plattform lassen könnte. Meinungsfreiheit ist wichtig, aber wenn jemand dauerhaft falsche Meldungen verbreitet, wie Trump es tat, sollte es auch weiterhin Konsequenzen und Sperren geben.

Besonders enttäuschend und irgendwie frustrierend ist die Tatsache, dass Elon Musk Twitter ohne wirkliche Gegenwehr übernehmen konnte, obwohl das Unternehmen eigentlich Gegenteiliges angekündigt hatte. Der Plan, den Markt mit vielen neuen, günstigen Aktien zu schwemmen, um Musk so den Kauf von Twitter unbezahlbar zu machen, hat sich einfach so in Luft aufgelöst. Das zeigt auch mal wieder, dass genug Geld am Ende viele Unternehmen doch weich werden lässt.

Es bleibt abzuwarten, ob Elon Musk seine Vorschläge und Veränderungen bei Twitter tatsächlich in die Tat umsetzt. Der Mann steckt zwischen Genie und Wahnsinn - was gut sein, aber auch in einer riesigen Katastrophe enden kann. Ob man die Plattform weiterhin nutzen will, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber angesichts seiner unberechenbaren Persönlichkeit und einiger seiner Vorschläge kann Twitter meiner Meinung nach durch Elon Musk nur schlechter werden.

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